Soundtrack

Mach uns den amerikanischen Gangster, Jay-Z!

Er ist mit Beyoncé Knowles liiert und gehört unter den harten Jungs des Musikgeschäfts mittlerweile zur Luxusgarde. Beim Tanzen in Nachtclubs mag er keine Sportschuhe. Aber für die Songs für den Film und das Album "American Gangster" hat er zur guten alten Gossensprache zurückgefunden.

Foto: universal

„Mann, ich habe für eines der größten Unternehmen in New York gearbeitet.“ So fängt es an, das zehnte Album von Shawn Carter, der in Brooklyn in einer Sozialsiedlung als Drogenhändler aufwuchs, heute auf dem Chefsessel der Firma Def Jam sitzt und ein Imperium namens Roc-A-Fella führt.

Wer spricht hier? Um wen geht es und um welche Branche? Hört das Gangsterspiel nie auf? „American Gangster“ stellt an seinen Zuhörer gewisse Ansprüche. Es reicht nicht, grinsend mit dem Kopf zu nicken und Shawn Carter für seine Geschichten zu bewundern.

Verabschiedung vom Fußvolk

Früher ging es wenigstens um dessen eigene Figur, Jay-Z. Um Jay-Z geht es selbstverständlich immer noch. Aber er schickt Frank Lucas vor, den Helden des in diesen Tagen anlaufenden Films „American Gangster“, einen heute 77-jährigen Ruheständler, der einmal der größte schwarze Drogenhändler seines Landes war.


Jay-Z hat keinen Soundtrack aufgenommen, sondern sich vom Kinoepos inspirieren lassen. „Ich nehme die Hörer mit auf eine Reise in die Vergangenheit, in die Geschichte von Lucas, in meine Geschichte, in die Geschichte von so vielen Leuten aus der Gegend hier“, erklärt Shawn „Jay-Z“ Carter.


Und man muss nicht aus der Gegend sein, um das als großes Glück zu feiern. Eigentlich blieb Jay-Z auch nichts anderes übrig als Konzeptalbum, Fiktion und Rollenprosa. Als er oben angekommen war, hatte Jay-Z sich mit dem „Schwarzen Album“ vom gemeinen Volk verabschiedet.

Glaubhafter, weicher Slang

Vor einem Jahr, mit „Kingdom Come“, hatte er seine Ankunft in den besseren Kreisen noch einmal erörtert und mit eleganten Samples unterstrichen. Was durfte die Basis noch von einem Mann erwarten, der mit Freunden wie Chris Martin und mit einer Frau wie Beyoncé umherflog, sich für sauberes Wasser in der Dritten Welt aussprach und gegen Turnschuhe in seinen Nachtclubs?

Zunächst dies: Die Stücke zu „American Gangster“ wurden über wiegend von P. Diddy produziert. Das hat den Stücken allerdings auch nicht geschadet. Denn die Form folgt der Fiktion: Der Ausweg in die dichterische Dokumentation erlaubt Jay-Z wieder die glaubhafte Verwendung einer weich fließenden Gossensprache.

Cooler als Al Pacino

Man erinnert sich an „Reasonable Doubt“, Jay-Zs Porträt eines größenwahnsinnigen Kleinkriminellen, dem er 1996 offenbar nicht allzu fern stand. Damals rappte er sich schon durch Gangsterfilme wie „South Central“, „Scarface“ und „Carlito’s Way“. Der Gangsta-Rap hatte mit solchen Filmen immer mehr zu tun als mit dem Ghetto-Dasein.

Nicht umsonst suchen eher arrivierten Rapper gern ihr Heil im Kino, um den Ruf im Rollenspiel zu retten. „Got me cooler than Pacino/ Put together with De.Niro“, dichtet Jay-Z heute und scheint selber nicht zu wissen, ob er das nun ernst meint oder nicht.


Um die Verwirrung noch zu steigern, mischt er Stimmen aus der Filmvorlage in die Stücke, ignoriert den Soundtrack aber völlig und verwendet seine eigenen Platten. Hier erzählt der Chef noch selbst.

Jay-Z: American Gangster (Roc-A-Fella/Def Jam/Universal)

Außerdem neu erschienen:

Feeling B: Grün & Blau (Motor/Edel)

Led Zeppelin: Mothership (Rhino/Warner)

Sven Väth: The Sound Of The 8th Season (Cocoon/Intergroove)

Hans Söllner: Viet Nam (Trikont/Indigo)

Westlife: Back Home (RCA/Sony BMG)

Dieter Falk: Volkslieder (Gerth/Edel)

Jimi Blue Ochsenknecht: Mission Blue (Polydor/Universal)

Mark Medloc & Dietere Bohlen: Dreamcatcher (Columbia/Sony BMG)