Auch Suede ist wieder da, die Band, von der man sagt, sie sei am Britpop schuld. Brett Anderson hat bereits in den Achtzigern gesungen und getanzt, als Margaret Thatcher noch mit kühler Hand regierte, als The Smiths noch klagten und das Königreich im ewigen Nebel lag. Dann kam der Britpop mit den Neunzigern. Der Stolz meldete sich mit triumphaler Popmusik zurück. Die Sonne schien. Auf Suede folgten The Verve, Oasis, Blur, die allesamt an ihrer eigenen Größe scheiterten, aber zurückkehrten, als sich das Land wieder nach ihnen sehnte.

Und da Suede nun einmal unterwegs sind, um die Briten in der Krise aufzumuntern, schauen sie auch in Berlin vorbei, in der Columbiahalle. Pünktlich mit dem Wintereinbruch. Die fünf Musiker sind schwarz gekleidet aber bester Dinge. Zur Erwärmung spielen sie „This Hollywood Life“ und anschließend sofort ihre drei größten Stücke: „She“, „Trash“ und „Filmstar“. Es geht darum, zu beweisen, dass sie 1994 schon die besseren Lieder hatten als Emporkömmlinge wie Oasis oder Blur. Und dass sie sich als Band besser gehalten haben: Wenn Brett Anderson sich mager wie ein Cricket-Schläger und mit bis zum Nabel offenem Hemd durch alle Choreografien tanzt, die von Mick Jagger, David Bowie, Freddy Mercury und aus James-Bond-Filmen bekannt sind, spenden die Besucher warmen Beifall.

Um zu zeigen, dass Suede immer glamouröser waren als der Rest des Britpop, treten sie vor einem raffiniert gerafften Vorhang auf. Der Samt erstrahlt bei jedem Stück in neuem Licht. In Violett, Ultramarin oder Bordeaux. Man kann das aber auch verstehen, aus der Bandhistorie heraus: Als Suede das Maß der Dinge waren, gründete die Gitarristin und Gefährtin von Brett Anderson, Justine Frischmann, ihre eigene Band Elastica, verließ den Sänger und zog ein bei Damon Albarn von den Konkurrenten Blur. Suede schleppten sich noch über die Jahrhundertwende. Ihren Abschied gaben sie im Herbst 2003 im Londoner Astoria mit ihren eigenen Lieblingsliedern, Anderson trat ab und rief: „Wir sehen uns im nächsten Leben!“ Allerdings sah man ihn schon bald wieder als Solisten, und im Frühjahr dieses Jahres fanden sich auch Suede wieder zusammen in der Royal Albert Hall, um für die Kinderkrebshilfe zu spielen.

Soll will es die Gruppe weiter halten: Bei Gelegenheit kleine Konzertreisen und Festivalauftritte, neue Stücke halten sie für unnötig. Als Nachteil stellt sich dabei nur heraus, dass ihr berühmter Breitwandsound zu einem Soundbrei wird. Vielleicht weil ihre Techniker noch in der Lehre und die Musiker als Rockband aus der Übung sind. Aber man freut sich, Suede wieder gesehen und gehört zu haben.