Musical

Wie Monty Python das Wort "Spam" erfanden

Der Humor der sechs Engländer ist legendär. Umso schöner, dass sich einer der Monty-Python-Truppe zurückmeldet. Eric Idle feiert mit dem Musical "Monty Python’s Spamalot" in Köln Premiere. Der Titel spielt auf eine Erfindung der Komiker an. Schließlich waren sie für die Schöpfung des Begriffes "Spam" verantwortlich.

Was viele nicht wissen: Wir haben täglich mit Monty Python zu tun. Wir alle, die wir Computer nutzen und E-Mails empfangen, schlagen uns mit einer ärgerlichen Hinterlassenschaft herum, ungewollt natürlich, aber doch sauber nachweisbar.

Manchmal werden wir stündlich heimgesucht. Dann stehen da Worte wie "Penis Enlargement" oder "Viagra". Oft meldet sich eine gewisse "Candy", die tolle Abenteuer verspricht. Danke, Monty Python. Sehr witzig.

Die teuflische Schöpfung der britischen Komikertruppe erblickte das Licht der nichts ahnenden Öffentlichkeit am 15. Dezember 1970. Der Fernsehsketch spielt in einem Imbiss, eine etwas kratzbürstige Bedienung wird gefragt, was es denn so zum Frühstück gebe, worauf das Speisenangebot vorgelesen wird.

Harmlos sind "Eier und Spam" und "Würstchen, Bohnen und Spam", es steigert sich zum mehr Spam-Inhalt, bei "Spam, Eier, Bratwurst und Spam" sei nicht so viel Spam dabei. Es gibt aber auch "Spam, Spam, Spam, Spam, Spam, gebackene Bohnen, Spam, Spam, Spam und Spam".

Bei mehrfacher Erwähnung des Wortes Spam fallen anwesende Wikinger in ein Loblied, das so geht: "Spam, Spam, Spam, lovely Spam / Wonderful Spam, Lovely Spam./ Spam, Spam, Spam, magnificent Spam, / Superlative Spam."

Wir kürzen hier den Text ein wenig, es kommt noch mehr Spam vor. Der Sketch endet in Chaos und Stillstand, Internet-Nutzer haben nachgezählt, insgesamt 132 Mal wird in den dreieinhalb Minuten Spam gesagt, wir legen aber nicht unsre Hand dafür in Spam.

Jedenfalls ist das massenhafte Aufkommen von unerfreulichen Werbe-Mails deshalb "Spam" genannt worden. Eigentlich meinten Monty Python gewürztes Dosenfleisch, "Spiced Ham", das zu den wenigen nach dem Zweiten Weltkrieg nicht rationierten Dingen gehörte. Komik und Marketing sind entfernte Verwandte.

Man muss das aus zwei Gründen erzählen, wegen einem Ereignis namens "Spamalot" und wegen Alfred Biolek. Bei Monty Python wird traditionell alles mit allem vernetzt, wenn alles gut geht, kommen wir sogar noch auf den Weltkrieg selbst zu sprechen. Ganz großes Monty-Python-Thema!

An diesem Sonntag hat in Köln das Musical "Monty Python's Spamalot" Deutschlandpremiere. Geschrieben wurde es von Eric Idle, einst nobles Mitglied von Monty Python, der sich seinerzeit im "Spam"-Sketch als Spam-Liebhaber zu erkennen gab.

Das Musical basiert lose auf dem ersten und schlechtesten Spielfilm von Monty Python, "Die Ritter der Kokosnuss". Es wird dem geneigten Leser bekannt vorkommen, dort singen die mittelalterlichen Gefährten lauthals "We eat ham and jam and Spam a lot". Am Broadway in New York wurde das Stück gefeiert, in Köln wird zwar gewagtes Deutsch gesungen, etwa "Wir sind verrückt in Camelot, verspeisen Ham und Spam a lot." Aber das Killer-Kaninchen tritt wie gehabt in Aktion.

Viele Witze der Pythons sind legendär. Jedes neobürgerliche Abendessen lässt sich mit dem Hinweis auf "Otternasen" und "die Lachsschaumspeise" entscheidend erheitern, immer neue Generationen Schüler entdecken den Brachial-Humor von "Das Leben des Brian".

Lateinklassen lachen sich voller Mitgefühl scheckig über die Konjugation von "Römer geht nach Hause" – zum abschreiben, es muss "romani ite domum" heißen. Ernste Humor-Historiker und Spaßtheorie-Seminaristen vergleichen den Einfluss Monty Pythons gerne mit dem Wirken der Beatles im Pop, wohl zu Recht. Hinterher war nämlich jeweils alles anders.

Die Jungs studierten in Oxford und Cambridge

Monty Python sind ein weiterer Grund, die Revolution von 1968 anzuerkennen. Sechs Endzwanziger krempelten die gängigen Ansichten um, was in Fernsehshows alles möglich ist. Sie kamen von der Universität, John Cleese, Graham Chapman und Eric Idle studierten in Cambridge, Michael Palin und Terry Jones in Oxford.

Sie behielten beim Schreiben der Gags und Sketche die Gruppenbildung bei, was später die "Oxford-Cambridge-Teilung" genannt wurde. Kein Zufall, dass der Anteil der Intellektuellen-Sketche anfangs so hoch war.

Als Objekte taugten immer wieder Philosophen, Maler, Komponisten, Proust, Shakespeare, Napoleon. Mao Tse-tung ließen sie beim Kommunisten-Quiz siegen, weil er den Beitrag zum Eurovision Song Contest von 1959 richtig riet.

Der sechste Python, Terry Gilliam, stieß aus Amerika dazu, er kam vom Occidental College in Los Angeles und hantierte zunächst vor allem mit Schere und Papier, um Überleitungen zu gestalten. Der Name Monty Python wurde mehr oder weniger zusammengewürfelt. Die BBC mochte den Titel "Bunn Wackett Buzzard Stubble And Boot" nicht, was immer das heißen sollte.

Michael Palin war für "Gwen Dibley" im Zusammenhang mit "Circus". Eric Idle plädierte für "Monty", ein Stammgast in seiner Kneipe hieß so. John Cleese steuerte "Python" bei, weil er gerne zu Tiernamen griff, was sich 1988 beim Spielfilm "Ein Fisch namens Wanda" auszahlte.

Alle fanden, dass Monty Python lustig klang. Später hieß es, Monty sei ein Spaß mit dem berühmten Weltkriegs-General Montgomery. Da war Graham Chapman längst berühmt als britischer Colonel, der in der Show mit dem endgültigen Titel "Monty Python's Flying Circus" auftrat und Sketche abbrach, wenn sie zu albern wurden.

Am 5. Oktober 1969 lief die erste Folge der Truppe in der BBC, vollgestopft mit Querverweisen, Anspielungen, rohen Zusatzgags. Die Pythons kamen keineswegs aus dem Nichts, sie hatten alle Sketch- und Bühnenerfahrung und verehrten britische Komiker als Vorbilder, doch was sie schufen, war neu. Und ein Affront.

In der zweiten Folge tauchte zum ersten Mal der bald klassische Spruch "and now for something completely different" auf, und das nun folgende komplett andere war ein Interview mit dem Mann mit drei Hinterbacken. Vier Staffeln wurden es bis 1974 insgesamt, mit einer enorm hohen Lach- und Trefferquote sowie bewundernswerter Haltbarkeit.

Biolek holte Monty Python zum WDR

Und dann war da Alfred Biolek. Die Geschichte ist pythonesk. In Großbritannien hatte Monty Python Erfolg, auf der Insel wurde herzlich gelacht. 1971 flog Alfred Biolek als Unterhaltungschef der Bavaria-Fernsehproduktion nach London.

Er wollte die sechs Humoristen überreden, in Deutschland zu drehen. Aber die Monty Pythons winkten ab, was sollten sie ausgerechnet in Deutschland? Bei viel Gin mit wenig Tonic überredete der deutsche Pionier die Briten, zunächst für eine Woche nach Bayern zu reisen, um sich Schauplätzen und möglichen Themen anzunähern.

Eric Idle hat in einer US-Talkshow von der Recherche-Reise erzählt: "Sie kamen zu uns und sagten: ,Wir Deutschen haben keinen Humor. Aber wir haben gehört, ihr habt.' Wir flogen nach München, sie begrüßten uns mit riesigen Steinkrügen voller Bier.

Wir sollten komische Sketche schreiben, und sie brachten uns vom Flughafen direkt nach Dachau. Auf dem Weg verneinten alle zu wissen, wo Dachau war. ,Wo ist das Lager?' ,Welches Lager? Wir haben noch nie davon gehört.' Endlich kamen wir dorthin, es wurde gerade geschlossen, wir könnten nicht mehr rein. Graham sagte: ,Erzähl' ihnen, wir sind jüdisch.'"

In der Show wird ein paar Sekunden lang gelacht.

Dann: "Sie ließen uns ein!"

Alfred Biolek seinerseits hat erzählt, dass sie vor allem das Hofbräuhaus, die Schlösser König Ludwigs II. und Nürnberg besichtigt hätten. Gedreht wurden zwei Folgen, in der ersten sprachen die Briten alle Texte auf Deutsch, obwohl sie damals kaum ein Wort verstanden.

Ein Sketch handelt von Albrecht Dürer, mittendrin wird nach Australien gewechselt und Michael Palin sagt: "Ich weiß über Dürer genau so viel wie über das Rektum eines Kängurus." Es geht um Rotkäppchen, um bayerische Gasthäuser, Wagner, Kühe, einen Holzfäller in Lederhosen.

Einmal sprechen Ärzte angebliche Shakespeare-Dialoge, Alfred Biolek spielt mit und seine Textzeile lautet: "Ich leide an sekundären Unterleibsquetschungen und an einer Infektion des Nahrungstraktes."

Die Sendung "Monty Python's fliegender Zirkus" wurde am 3. Januar 1972 im WDR ausgestrahlt, es war ein absoluter Flop. Die Zuschauer-Reaktionen wurden über Telefonanrufe ermittelt, auf einer Skala von -10 bis +10 votierten die Anrufer laut Biolek für -7.

Trotzdem gab der WDR gleich einen zweiten Film in Auftrag, der Mitte Dezember lief. Man darf die deutschen Fernsehanstalten ruhigen Gewissens dafür loben. Alfred Biolek steht nun in "Spamalot" als einführender Historiker auf der Bühne.

Bei den Arbeiten an der vierten Staffel von "Flying Circus" waren die strahlenden Sechs schon zerstritten. John Cleese hatte keine Lust mehr, Graham Chapman war Alkoholiker, sie gingen sich wie satte Rockstars an die Gurgel. Alle wollten mehr Freiheit, sie einigten sich auf Filmprojekte, die heute weltweit bekannt sind.

Das Geld für "Die Ritter der Kokosnuss" kam in Portionen zu 20.000 Pfund von Bands wie Pink Floyd, Led Zeppelin und anderen. Bei "Das Leben des Brian" 1978 war die Finanzierung noch eindeutiger: Nachdem die EMI zwei Tage vor Drehbeginn abgesprungen war, weil der Chef endlich das Drehbuch der Jesus-Parodie gelesen hatte, sprang George Harrison ein und besorgte zwei Millionen Pfund. Er erklärte: "Ich wollte bloß den Film sehen".

1983, nach "Der Sinn des Lebens", gingen die Sechs getrennte Wege. Sie wurden Regisseure, Autoren, Reisende, Schauspieler. Als Graham Chapman, der König Arthur und Brian gespielt hatte, im Oktober 1989 mit 48 Jahren an Krebs starb, traten seine Kompagnons zu einem Gedenk-Gottesdienst zusammen.

Witzige und resprektlose Reden

Die Reden waren witzig und respektlos; John Cleese durfte der erste Mensch sein, der bei einer britischen Gedenkveranstaltung "Fuck" sagt. Am Ende sangen alle "Always look on the bright side of life", die trotzige Hymne des unbeirrten Glaubens aus "Das Leben des Brian", und sie pfiffen dazu. Seitdem steht einer Wiedervereinigung der Satz entgegen "Aber nur, wenn Graham wieder lebendig wird".

Und wo bleibt der Weltkrieg?

Natürlich sind die englischen Sketche voller Späße über den Krieg, über Nazis, über die Herren "Hilter", "Bimmler", "Ron Vibbentrop". Die Monty Pythons erfanden schließlich den absolut "tödlichen Witz", der von den Briten als Waffe zuerst 1944 in den Ardennen eingesetzt wurde.

Wer ihn hört, lacht sich sofort kaputt. Die deutsche Übersetzung, von Kämpfern gerufen, rafft die Wehrmacht-Soldaten dahin. Ein Gegenwitz ("The german V-Joke") scheitert. Ganz Mutige dürfen jetzt weiter lesen, der Witz geht nämlich so: "Wenn ist das Nunstück git und Slotermeyer? Ja! Beiherhund das Oder die Flipperwaldt gersput!"

Na, noch da?

Und nun zu etwas völlig anderem.

Jüngst erschienen: Volker Bleeck: 40 Jahre Monty Python. Schüren, Marburg. 192 S., 19,90 Euro. Mit zwei DVDs 36 Euro.

Der Monty-Python-Channel auf YouTube

Die Webseite des Musicals:

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