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Das 40plus-Geheimnis der Telenovela "Rote Rosen"

Kaum eine Telenovela ist so erfolgreich wie "Rote Rosen" im Ersten. Das liegt vor allem an der weiblichen Generation eines bestimmten Alters.

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Gesa, Caroline, Thomas und Felix sind fast täglich bei 1,6 Millionen Deutschen zu Gast: Sie sind die Hauptfiguren der ARD-Telenovela „Rote Rosen“, für deren 1000. Folge am Freitag die letzte Klappe fällt – zu sehen ist sie aber erst Ende März. Seit 2006 zieht die in Lüneburg produzierte Serie von Montag bis Freitag am frühen Nachmittag die Zuschauer vor den Fernseher. Was ist das Geheimnis der Rosen?

Da ist die romantische Kulisse der Lüneburger Altstadt. Alt, aber unverbraucht. Und dann natürlich die Personen, die mit ihren Schicksalsschlägen, Lieben, Intrigen, Erfolgen und Niederlagen längst zu Familienmitgliedern in den Stuben geworden sind.

Die meisten Lüneburger sind sowieso stolz auf „ihre Serie“, die ist hier Kult und Geld bringt sie auch. Die „Rosen“ profitieren von den schönen Motiven und die Stadt von der Serie. Jede Folge kostet rund 85000 Euro, ein großer Teil bleibt in der Region. In den Studios am Stadtrand arbeiten rund 150 Menschen. Und dann ist da der „Rosen“-Tourismus: Die Reihe wird auch in Österreich, Italien und der Schweiz gesehen selbst in Jordanien und Brasilien gibt es Fans.

In Lüneburg gibt es bereits Stadtführungen

„Die Serie ist ein exzellenter Botschafter für Lüneburg“, sagt Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD): „1000 mal „Rote Rosen“ heißt 1000 mal die schönsten Lüneburger Ansichten in der ARD.“ In der Tourist-Information neben dem Rathaus werden entsprechende Devotionalien verkauft, am besten laufen Kaffeebecher und die „Rote Rosen“-Teemischung. Die am häufigsten gestellte Frage lautet: „Wie heißt das Hotel aus der Serie in Wirklichkeit – und wo kann man es finden?“ Es ist das „Bergström“, nur etwa 300 Meter weiter.

Auf speziellen Stadtführungen erörtern die „Rosen“-Fans die vielfach verschlungenen Schicksale der Protagonisten, als wären es Familienmitglieder. Und die „Roten Rosen“ sind eher eine Großfamilie. Mit jeder Staffel wechselt die Hauptdarstellerin und damit gibt es auch neue Geschichten – alle haben jedoch ihren Ausgangspunkt im Rosenhaus mit seinen drei Generationen unter einem Dach. Die Serie startete im November 2006 als erste Telenovela, die eine Frau über 40 in den Mittelpunkt stellte. Und das ist auch die Zielgruppe: Frauen 40plus.

Die Dramen der Hauptdarstellerinnen

Es ist auch in der laufenden Staffel nicht leicht, den Überblick zu behalten. Hauptdarstellerin Mona Klare spielt die Innenarchitektin Gesa Matthiessen. Gesas beste Freundin ist Caroline. Sophie ist die Böse. Aber nun ist sie angeblich schwanger von Tim, Tim ist der Mann von Gesa, aber die hat ihn wegen ihrer Jugendliebe Steffen verlassen. Gesa hat bei einem Unfall die Mutter von Sophie getötet – Gesa weiß aber nicht, dass es Sophies Mutter war. Sophie will Gesa deshalb vernichten. Sophies Stiefbruder Falk hilft ihr, weil er nur mit Sophie gemeinsam ans Erbe kommt.

Steffen, die Jugendliebe von Gesa, ist überraschenderweise der Vater von Oliver, der der Freund von Britta ist. Dann sind da noch Paul, Felix, Tim, Rosa, Gunter, Nele, Nils, Elke und Christa – und natürlich Stadtrat Thomas Jansen und seine Mutter Johanna, Urgestein der Serie.

Für Mona Klare ist Freitag nach 200 Folgen der letzte Drehtag. „Mir wird Lüneburg fehlen“, sagt sie. „Nicht nur die netten Kollegen. Das ist hier manchmal wirklich wie eine Familie – auch außerhalb des Studios. Man setzt sich ins Café und früher oder später kommt ein Kollege vorbei. Und das mich ein Taxifahrer umsonst fahren will, wenn er mich erkennt, wird mir in Berlin auch nicht passieren.“

Nur 20 Prozent der Serie sind Außenaufnahmen. Der Rest wird in einem nüchternen Zweckbau am Rande der Stadt gedreht. Die Studio Hamburg Serienwerft Lüneburg GmbH produziert unter redaktioneller Federführung des Norddeutschen Rundfunks (NDR) in der ehemaligen Europazentrale von Konica Minolta in einem Industriegebiet. Auf 3000 Quadratmetern Studiofläche entsteht hier jeden Tag eine Folge. Das sind 48 Minuten vom Drehbuch bis zum Schnitt.

Eine ruhige Erzählweise

Wie erklären sich die Macher den Erfolg? „Die Menschen wollen abschalten, dafür eignen sich die „Rosen„“, hat NDR-Intendant Lutz Marmor auf einer Feier anlässlich der 1000. Folge gesagt. „Wir haben eine ruhige Erzählweise, schöne Geschichten, handwerkliche Seriosität und gut ausgebildete Schauspieler“, sagt Producer Christoph Schubenz. Marmor sieht das ähnlich. „Schauen Sie mal auf die Konkurrenz am Nachmittag“, kritisiert er die Dokusoaps anderer Sender.

Mitte Januar beginnen in der Serienwerft die Dreharbeiten für die nächsten 400 Folgen. „Wenn es nach mir geht, sollte die Serie nie wieder enden“, sagt Lüneburg-Marketing-Geschäftsführer Jürgen Wolf.