Jahreszeiten

Warum der Frühlingsanfang höhere Mathematik ist

Im Jahr 2048 fällt der Frühlingsanfang schon auf den 19. März. Bis dahin können wir trotzdem noch jede Menge rechnen.

Wir können es uns schon mal im Kalender notieren, in Vorfreude: Im Jahr 2048 wird der Frühlingsanfang in Mitteleuropa bereits am 19. März über die kosmische Bühne gehen. Zum letzten Mal war das vor gut 200 Jahren der Fall, im Jahre 1796. Überhaupt nur zweimal fiel der erste Frühlingstag in den Nullerjahren auf den 21. März, jenes Datum, das wir doch alle in der Schule gelernt haben, als Datum des ersten Lenz-Tages.

Der heutige Tag ist sogar der letzte 21. März im ganzen 21. Jahrhundert, der einen Frühlingsanfang markiert. Kaum aber ist die nächste Jahrhundertwende vorbei, wird es in den Schule wieder heißen: Frühlingsanfang ist am 21. März und zwar regelmäßig.

Große runde Tage auf der Erde

Spürt die Sonne etwa, dass sich bei uns unten auf der Erde runde große Tage ereignen, Jahrtausendwenden und Jahrhundertwenden? Ihr Lauf ist es ja, nach dem die Astronomen ihren Frühlingsanfang auf die Sekunde genau bestimmen, anders als die Meteorologen, die es sich einfach machen und den ihren unverrückbar auf den 1. März gelegt haben.

Für die Astronomen aber gilt: Frühlingsanfang ist dann, wenn die Sonne exakt über dem Äquator steht, und somit ganz nebenbei auch überall auf Erden der Tag und die Nacht exakt gleich lang sind.

Die Sonne spürt unsere großen kalendarischen Zeitenwenden natürlich nicht, vielmehr sind sie es, die sich immer wieder an den Lauf der Sonne anpassen. Die Schaltjahre mit ihrem zusätzlichen Februartag sorgen dafür, dass der stets kurz darauf folgende Frühlingsanfang ziemlich genau einen Kalendertag früher beginnt als im Vorjahr.

Der Frühlingsanfang wird errechnet

Dieser Effekt hält auch in den darauf folgenden beiden Jahren an, zeitlich insofern abgeschwächt, als der Frühlingsanfang jeweils um ein paar Stunden wieder nach hinten rückt. Bis das nächste Schaltjahr ihn wieder um fast einen ganzen Tag nach vorne holt.

Nun finden Schaltjahre nicht einfach alle vier Jahre (in denen, die sich durch vier teilen lassen) statt. Unmittelbar auf die Jahrhundertwenden, in Jahren also, die sich ja auch alle durch vier teilen lassen, wird kein 29. Februar dazwischen geschoben.

Doch auch hier gibt es Ausnahmen: Jahre, die sich auch noch durch 400 teilen lassen, bekommen trotz der Jahrhundertwenden-Regel einen 29. Februar. Dies war beim Millennium der Fall, und deshalb hat der 29. Februar vor elf Jahren die schöne Regelmäßigkeit mit dem Frühlingsanfang am 21. März um einen ganzen Tag verschoben.

Von diesem Millenniumsschock wird sich der Frühlingsanfang erst wieder erholen, wenn das nächste Mal der Vierjahres-Rhythmus der Schaltjahre durchbrochen ist, bei der nächsten Jahrhundertwende, in einem Jahr also, das durch 100 aber nicht durch 400 teilbar ist. Frühlingsanfang ist eben nicht nur einfach ausschlagende Bäume plus wonnige Gefühle minus Schnee. Frühlingsanfang ist höhere Mathematik.