Wer in einem Schaltjahr am 29. Februar geboren ist, hat auf den Tag genau nur alle vier Jahre Geburtstag. In der Hauptstadt feiern an diesem Mittwoch nach Berechnungen des Statistischen Landesamts 2252 Berliner passgenau ihr Wiegenfest - 1166 Frauen und 1086 Männer. Darunter sind auch 84 Kinder, die am 29. Februar 2008 das Licht der Welt erblickten – und nun zum ersten Mal „richtig“ Geburtstag feiern können. In anderen Jahren müssen sie auf den 28. Februar oder den 1. März ausweichen.
Für die Standesämter ist der 29. Februar ein ganz normaler Kalendertag, an dem man auch heiraten kann. 2008 wurden an diesem Tag zum Beispiel 102 Ehen geschlossen. Die Paare können am Mittwoch das erste Mal ihren Hochzeitstag am angestammten Datum feiern.
Doch wozu der ganze Aufwand? Schuld ist die Erde – sie geht nach. Denn wo wir im Kalender 365 Tage für ein Jahr vorgesehen haben, braucht unser Planet für eine Sonnenumrundung durchschnittlich fünf Stunden, 49 Minuten und zwölf Sekunden länger. Weil das in vier Jahren fast einen ganzen Tag ergibt, muss dieser regelmäßig in unseren Kalender hineingeschaltet werden. Daher das Schaltjahr mit einem zusätzlichen Februartag.
Aber so einfach macht es uns die Erde nicht. Für eine Sonnenumrundung braucht sie nicht genau 365 und ein Viertel, sondern 365,2424 Tage. Ein Kalender mit einem Schaltjahr alle vier Jahre wäre gegenüber dem Sonnenjahr um 11 Minuten und 14 Sekunden zu lang. Genau diese Ungenauigkeit erlaubte sich aber der auf den römischen Feldherren Caesar zurückgehende Julianische Kalender – zum Unmut der katholischen Kirche. Das kirchlich wichtige Osterfest findet nämlich am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond statt. Durch die julianische Schludrigkeit begann der astronomische Frühling 1582 aber schon zehn Tage vor dem vorgesehenen 21. März.
Deutsche Fürstentümer hingen zeitlich hinterher
Ein unhaltbarer Zustand, fand der damalige Papst Gregor XIII. und ließ den 5. bis 14. Oktober im kürzesten Jahr der Zeitgeschichte einfach ausfallen. Dadurch konnte der Frühling 1583 wieder am 21. März beginnen. Damit der astronomische Frühlingsbeginn dort bleibt, gilt seitdem der Gregorianische Kalender mit einer komplexeren, aber genaueren Schaltjahresregelung.
Und die funktioniert so: Grundsätzlich hat der Februar alle vier Jahre 29 statt 28 Tage. Allerdings fällt das Schaltjahr zum Beginn eines Jahrhunderts aus – etwa 1900 oder 2100. Ist die Jahreszahl aber durch 400 teilbar, findet das Schaltjahr wie im Jahr 2000 dennoch statt.
Gregors Kalenderreform setzte sich nicht überall sofort durch. Während katholische Länder in Europa das System früh übernahmen, rechneten Katholiken und Lutheraner in den deutschen Fürstentümern bis 1700 mit verschiedenen Zeiteinteilungen. Heute ist der Gregorianische Kalender für internationale Absprachen etabliert, auch für die weltweiten Flugpläne. Gleichwohl existieren parallel andere Kalender. Die russisch orthodoxe Kirche feiert ihre Feste beispielsweise weiter nach dem Julianischen, weswegen Weihnachten in Russland am 7. Januar ist.
Paris ordnet Schaltsekunden an
Doch damit nicht genug: Die Erde dreht sich für unsere Zeiteinteilung nicht nur zu langsam um die Sonne, sondern auch um sich selbst. Damit die Sonne zur Mittagszeit trotzdem genau im Zenit steht, muss der Internationale Erdrotationsdienst in Paris in unregelmäßigen Abständen zusätzliche Schaltsekunden anordnen. In Deutschland wird das von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig umgesetzt, die auch das Signal für Funkuhren aussendet.
„Die Zeiten ändern sich, und wir mit ihnen“, schrieb einst der römische Dichter Ovid. Sei es wie es sei – auch wer nicht am 29. Februar Geburtstag hat, kann sich freuen: Über einen zusätzlichen Tag im Jahr. Endlich genug Zeit, um Georg Christoph Lichtenbergs zum Schaltjahr 1796 erschienenen Essay „Trostgründe für die unglücklichen, die am 29. Februar geborenen sind“ zu lesen.
dpa/dapd/sei




