Ist der Frühling schon da? Das Gefühl sagt: Nein, es ist noch zu kühl. Aber wie könnte man die Frage exakt beantworten? Die Astronomen machen es sich einfach: Frühlingsbeginn ist der Zeitpunkt im Lauf der Erde, an dem die Sonne senkrecht auf die Erdachse scheint. In diesem Jahr ist das Montag, 0.21 Uhr, der Tag, an dem Tag und Nacht gleich lang sind, der astronomische oder kalendarische Frühling beginnt. Der meteorologische Frühlingsanfang war bereits am 1. März 2011.

Näher am Lebensgefühl ist der „phänologische“ Frühling. Die Phänologie (Lehre von den Erscheinungen) beobachtet Vegetationsstadien von charakteristischen Zeigerpflanzen, etwa den Blütebeginn von Hasel, Apfel oder Raps oder die Pflückreife von Kirschen. Knapp 1300 Naturliebhaber – oft Gärtner, Biologielehrer oder Landwirte – erstellen ehrenamtlich den phänologischen Kalender auf der Basis ihrer Beobachtungen, die sie an den Deutschen Wetterdienst melden. Phänologen kennen zehn Jahreszeiten, weil sie stärker differenzieren: Vorfrühling, Erstfrühling, Vollfrühling, Frühsommer, Hochsommer, Spätsommer, Frühherbst, Vollherbst, Spätherbst und schließlich Winter. Jetzt beginnt gerade der Erstfrühling, denn es öffnen sich die ersten Forsythien. Klar ist: Je nach Region und Höhenlage kann der phänologische Frühling recht unterschiedlich beginnen. So kann die erste Haselblüte (Vorfrühling) am Oberrhein schon um den 15. Januar beobachtet werden, der letzte Blühbeginn auf Rügen oder im Erzgebirge aber erst Mitte März. Im Deutschlandmittel begann der Vorfrühling 2011 am 12. Februar. Das war früh, im Mittel der Jahre 1991 bis 2009 begann er Anfang März.

Die Phänologie ist unter anderem ein lebensnahes Instrument, um die Veränderungen im Zuge des Klimawandels zu beobachten. So hat sich die Haselblüte seit 1950 um 19 Tage nach vorn verschoben, der Erstfrühling (Forsythie) liegt 29 Tage früher, der Vollfrühling (Apfel) 21 Tage. „Richtig“ Frühling ist also eingekehrt, wenn die Apfelbäume blühen. Das könnte Anfang, Mitte Mai sein.

Einige phänologische Boten, die bald in Berlin den Frühlingsbeginn anzeigen, haben wir näher betrachtet:

Bienen verlassen ihren Stock, wenn die Temperatur mehrere Tage hintereinander über zehn Grad Celsius steigt. Der erste Flug ist der Reinigungsflug. Dabei entledigen sie sich ihrer Exkremente, die sie über den Winter gespeichert haben. Braungelbe Punkte auf Gartenmöbeln oder auf dem Autolack sind die Folge.

Weißstörche kommen zum Brüten nach Europa, die Wintermonate verbringen sie in Afrika, südlich der Sahara. Dass sie diese weiten Strecken von bis zu 10.000 Kilometern auf sich nehmen, liegt daran, dass sie dem Futter hinterherfliegen. Im Frühjahr und Sommer der Nordhalbkugel gibt es hier genügend Amphibien.

Eichhörnchen sind nach ihrer Winterruhe schon sehr früh im Jahr aktiv. Bereits Ende Februar beginnt die Paarungszeit, bei der sich Männchen und Weibchen Verfolgungsjagden durch die Äste liefern. Zur Geburt und Jungenaufzucht zieht sich das Weibchen in den Kobel (das Nest) zurück. Nach sechs Wochen verlassen die Jungen den Kobel.

Goldglöckchen , auch Forsythien genannt, sind Ziersträucher, deren Urformen aus China stammen. Sie blühen früh im Jahr, oft bevor andere Sträucher Blätter bekommen. Da sie aber kein einheimisches Gewächs sind und von hiesigen Insekten gemieden werden, sind Forsythien – so hübsch sie auch blühen – aus ökologischer Sicht kritisch.

Ringelnattern und andere heimische Schlangen fallen in den Wintermonaten in eine Starre. Mit höheren Temperaturen erwärmt sich auch ihr Körper, und sie werden aktiv. Im Mai finden sich Ringelnattern zu Knäueln zusammen, treffen sich ein Weibchen und ein Männchen, so paaren sie sich. Im Juni legen sie ihre Eier in Kompost- oder Blätterhaufen. Die Moderwärme brütet sie aus. Auch Smaragdeidechsen werden nun aktiv. Nach der mehrfachen Paarung legen die Weibchen im Mai ihre Eier unter wärmende Steine.

Marienkäfer werden auch langsam wach. Den Winter haben die gepunkteten, kugeligen Käfer unter Baumrinden oder in Ritzen verbracht. Ein Frostschutzmittel in ihrem Blut verhindert, dass sie bei Minusgraden erfrieren. Im Frühling kleben sie ihre Eier an die Unterseite von Blättern, oft in der Nähe von Blattlauskolonien. Nach dem Schlüpfen vertilgen sie die Blattläuse. Auch die ausgewachsenen Käfer aller etwa 80 Marienkäferarten in Deutschland fressen Blattläuse. In Europa kommen etwa 100 verschiedene Marienkäferarten vor, weltweit sind hingegen mehr als 4000 Arten beschrieben.

Molche wandern in manchen Jahren bereits ab Januar. Dazu benötigen sie nicht nur Temperaturen über null Grad Celsius, sondern vor allem viel Feuchtigkeit. In diesem Jahr hat die Amphibienwanderung ihren Höhepunkt noch nicht erreicht – bisher war es zu trocken. Amphibien wandern meistens in den Abendstunden, in der Dämmerung, aber auch wenn es schon dunkel ist. Es zieht sie zu ihren Laichgewässern, den Tümpeln, Teichen und Bächen, in denen sie selbst geschlüpft sind. Die größten Gefahren auf ihrem Weg sind Straßen – weshalb Umweltschützer in Deutschland vermehrt Amphibienzäune aufstellen.

Igel Trotz der milderen Temperaturen ist es nicht normal, wenn Igel schon jetzt unterwegs sind. Das frühe Aufwachen aus dem Winterschlaf ist häufig ein Zeichen dafür, dass die Tiere krank sind. Kranke Igel erkennt man daran, dass sie tagsüber gesehen werden oder ungeschützt in der Nähe einer Futterstelle liegen bleiben. Sie sollten in einem warmen Raum (etwa 18 bis 20 Grad) in einen großen, mit Zeitungspapier ausgelegten Karton untergebracht werden. Wichtig ist, dass der Finder schnell Kontakt mit einer Igelstation aufnimmt. Normalerweise erwachen in der Regel im April aus ihrer Winterstarre. Während der Monate in ihrem Bau haben sie nichts gefressen und vom Abbau ihres braunen Fettgewebes gelebt. Sie verlieren im Winter bis zu 30 Prozent ihres Körpergewichts. Entsprechend hungrig sind sie im Frühling. Im Mai kommt es zur Paarung. Dabei kann man oft ein „Igelkarussell“ beobachten, bei der ein Männchen das Weibchen über Stunden umkreist. Das Weibchen wehrt sich meist fauchend. Nach der Paarung baut das Weibchen ein Nest zur Jungenaufzucht.

Krokusse sind als Frühblüher wichtig für Insekten. Hier können sie Nektar trinken und Pollen sammeln. Zwischen Krokussen und Amseln besteht eine skurrile Beziehung: Die Vögel rupfen gelbe Krokusse aus. Eine Erklärung: Im Frühjahr grenzen Amselmännchen ihre Reviere ab. Konkurrenten vertreiben sie mit Gezeter und Drohgebärden. Da die gelben Krokusse an den Augenring und die Schnäbel von Amselmännchen erinnern, können sie die männlichen Tiere in Rage bringen.

Kröten wandern zum Laichen immer wieder zu den Teichen und Tümpeln, an denen sie selbst geschlüpft sind. Da sie meistens in der Nacht loshüpfen, müssen sie sich an Sternen, am Mond, an Gerüchen und Geräuschen orientieren. Oft wandern Tausende Kröten zur selben Zeit. In den Teichen legen die Krötenweibchen ihre langen Laichschnüre ab, die Männchen geben gleichzeitig ihre Samenzellen ins Wasser ab. Der Laich von Fröschen wird hingegen in dicken Klumpen abgelegt.

BM