Caravaggio

Gemäldediebstahl - Mittäter in Berlin verurteilt

Ein Mann, der am versuchten Verkauf eines gestohlenen mutmaßlichen Caravaggio-Gemäldes beteiligt war, ist in Berlin zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Der Streit um die Echtheit des Bildes bleibt weiterhin ungelöst.

Nach dem Kunstdiebstahl eines mutmaßlichen Caravaggio-Gemäldes aus einem ukrainischen Museum hat das Landgericht Berlin am Dienstag einen 35-jährigen Mann wegen versuchter Hehlerei zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Der Wachschutzunternehmer wurde schuldig gesprochen, einer Diebesbande beim Absatz des gestohlen Gemäldes „Der Judaskuss“ geholfen zu haben.

Das Bild, das auch unter dem Namen „Die Gefangennahme Christi" bekannt ist, war im Juli 2008 von drei gesondert verfolgten Mittätern aus dem Museum für westeuropäische und orientalische Kunst in Odessa gestohlen worden. Nach Angaben eines Gutachters handelt es sich bei dem gestohlenen Bild um eine „zeitgenössische Kopie, die ein unbekannter Maler entweder zu Lebzeiten Caravaggios (1571-1610) oder kurz danach in Angesicht des Originals gefertigt hat“. Dem 76-jährige Experten zufolge sind sich die Caravaggio-Forscher „einig, dass das Original des berühmten Malers in einem Museum in Dublin zu sehen ist“. Der Wert des in Odessa gestohlenen Bildes wird dem Gutachter zufolge auf höchstens 100.000 Euro geschätzt.

Der aus der Ukraine stammende, aber in Berlin lebende Angeklagte war dem Gericht zufolge für die Bande eine „Vertrauensperson“ und in die „entscheidenden Punkte“ mit einbezogen. Die Richter gingen davon aus, dass er sowohl Kenntnis vom Diebstahl des Gemäldes hatte und auch „Verkaufsverhandlungen für möglich hielt“. Im Prozess hatte der Angeklagte gestanden, für die Bandenmitglieder eine Wohnung zur Übernachtung und zur Unterstellung des Bildes beschafft, Handykarten besorgt und sein Fahrzeug zum Transport des Gemäldes überlassen zu haben.

Eine Bandenmitgliedschaft war dem 35-Jährigen entgegen der Anklage nicht nachzuweisen. Bei den Verkaufsbemühungen im Juni 2010 in Berlin waren die Hehler einem verdeckten Ermittler aufgesessen. In einer spektakulären Aktion hatte die Spezialeinheit GSG 9 den Angeklagten und drei Ukrainer festgenommen. Da es sich um einen fingierten Interessenten der Polizei handelte, wodurch ein Verkauf von vornherein ausgeschlossen war, wurde der Angeklagte nur wegen versuchter Hehlerei bestraft. Die drei mutmaßlichen Kunstdiebe wurden unterdessen an die Ukraine ausgeliefert.

Eine Zugehörigkeit des Geschäftsmanns zu der kriminellen Bande konnte im Prozess nicht nachgewiesen werden. Der Staatenlose hatte eigenen Angaben nach aus Gefälligkeit eine Wohnung zur Lagerung und ein Transportfahrzeug besorgt. Er kennt einen der Diebe und wurde so zur Vertrauensperson, urteilte das Gericht. Der Geschäftsmann war wichtig wegen seiner Orts- und Sprachkenntnisse.

Im August hatte Berlins Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) das durch den Diebstahl stark beschädigte Gemälde an den ukrainischen Innenminister übergeben. Das Museum in Odessa schreibt das Werk nach wie vor dem Maler Michelangelo Merisi, genannt Caravaggio, zu und beziffert den Wert mit 100 Millionen US-Dollar.