Hehlerei

Prozess um geraubtes Caravaggio-Werk eröffnet

Mitglieder der Elitetruppe GSG 9 hatten im Juni in Berlin ein mutmaßliches Caravaggio-Gemälde befreit. Das Bild war aus einem Museum in Odessa gestohlen worden. Jetzt steht einer der mutmaßlichen Tatbeteiligten vor dem Berliner Landgericht.

Der Raub eines mutmaßlichen Werkes des italienischen Malers Caravaggio (1571-1610) aus einem Museum in Odessa (Ukraine) hat seit Dienstag ein juristisches Nachspiel vor dem Berliner Landgericht. Auf der Anklagebank sitzt ein Geschäftsmann, der als Berliner Resident einer kriminellen Bande beim Absatz des Gemäldes „Die Festnahme Christi“ geholfen haben soll. Dem 35-Jährigen wird Hehlerei vorgeworfen. Die Eliteeinheit GSG 9 hatte das Gemälde Ende Juni 2010 in einer spektakulären Aktion in Berlin sichergestellt. Das auch als „Der Judaskuss“ bekannte Werk sollte in Berlin verkauft werden.

Das Museum für westeuropäische und orientalische Kunst in Odessa am Schwarzen Meer, aus dem das Bild 2008 gestohlen wurde, geht von einem Wert von 100 Millionen US-Dollar (rund 70 Millionen Euro) aus. Andere Kunstexperten halten den „Judaskuss“ für eine zeitgenössische Kopie im Wert von 800.000 Euro. Berlins Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) hat das Gemälde im August an den ukrainischen Innenminister übergeben.

Der angeklagte Geschäftsmann mit ukrainischen Wurzeln ist nach Angaben der Verteidigung nur eine Randfigur. Aus Gefälligkeit habe er eine Wohnung und einen Wagen zur Verfügung gestellt, in dem das Bild transportiert worden sei. Vom Wert des Werks habe er keine Ahnung gehabt und sei in keiner Weise in kriminelle Bandenstrukturen verwickelt, erklärte der Angeklagte über seinen Anwalt.

Neben dem Angeklagten hatte die GSG 9 auch die mutmaßlichen Diebe festgenommen, die nach Angaben der Verteidigung in die Ukraine abgeschoben wurden. Im Oktober 2009 konnte ein verdeckter Ermittler der ukrainischen Strafverfolgungsbehörde Kontakte zur Tätergruppe knüpfen, die schließlich zur Sicherstellung des „Judaskusses“ führten.