Admiralspalast

Daniela Katzenberger kann "Grease" nichts anhaben

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Peter E. Müller

Daniela Katzenberger durfte im Berliner Admiralspalast zru Premiere von "Grease" mit auf der Bühne stehen. Doch auch sie konnte dem Muscial nichts anhaben. "Grease" wurde zu einer quietschbunten, überkandidelten Rock- und Poprevue mit Musik, die einfach niemanden kalt lässt.

So viel Nostalgie waberte schon lange nicht mehr durch die Stadt. Im Wintergarten Variete wird mit dem neuen Programm „Peppermint Café“ gerade hemmungslos der 50er Jahren gehuldigt. Im Tipi am Kanzleramt schwelgen die stimmstarken australischen Fabulous Singlettes in professionellem Girl-Group-Dreiklang. Und im Admiralspalast feierte am Donnerstagabend das Musical „Grease“ umjubelt Berlin-Premiere. Einmal mehr. Die Nachkriegsära, in der Teenager noch Halbstarke hießen, die lustfeindlich-spießige Zeit, in der die Wunden des Krieges geleckt und der Wiederaufbau forciert wurde, sie wird verklärt durch die pinkfarbene Brille frühen jugendlichen Aufbegehrens, ausstaffiert mit Petticoats, Nietenhosen, Lederjacken und wahlweise Motorrollern oder chromblitzenden Chevys. Und der Soundtrack dazu heißt Rock’n’Roll.

Jede Menge C-Promis schlendern am „Grease“-Premierenabend über den roten Teppich des Admiralspalastes, der inzwischen von neuen und ziemlich hässlichen Zweckbauten umzingelt ist. Und Daniela Katzenberger, die professionelle Privatfernseh-Blondine, wird aufgefahren, um dem Abend die nötige mediale Präsenz zu verleihen. Sie darf sogar im Stück den ersten kurzen Auftritt von Lehrerin Miss Lynch übernehmen. Aber selbst so etwas kann diesem Musical nichts anhaben. „Grease“ behauptet sich wie ein Fels in der Brandung. Die sehr amerikanische, charmant-schlichte Teenager-Love-Story von Jim Jacobs und Warren Casey nimmt auch 40 Jahre nach ihrer US-Erstaufführung für sich ein.

Zehn Jahre ist es mittlerweile her, dass der Mannheimer Musical-Produzent Wolfgang Bocksch diese vom Londoner West-End-Profi David Gilmore (nein, der hat nichts mit Pink Floyd zu tun) neu arrangierte Fassung in Deutschland auf Touren gebracht hat. Bocksch, einst Pächter des Schiller-Theaters, wollte „Grease“ bereits 1998 in Berlin aufführen, doch da kam ihm das Theater des Westens in die Quere, das sich frech eine andere „Grease“-Version ins Haus holte. Im Groll gab er damals das Schiller-Theater dem Senat zurück und verabschiedete sich wieder aus Berlin. Um nur drei Jahre später zurückzukehren. Mit „Grease“. Ins Schiller-Theater. Und das Langzeit-Gastspiel wurde zu einem phänomenalen Berliner Erfolg.

Nun ist diese Gilmore-Inszenierung, eine abgespeckte Fassung seiner noch immer in London gespielten Show, zurück im Berlin und das Premierenpublikum ist einmal mehr aus dem Häuschen. Die Story ist so schlicht gestrickt wie Mutters Rollkragenpullover für die harten 50er-Jahre-Winter. Im Sommerurlaub1959 lernen sich Danny Zuko (Lars Redlich) und Sandy Dumbrowski (Sanne Buskermolen) kennen und lieben. Was Danny, Anführer der markigen „Burger Palace“-Gang nicht weiß, ist, dass es Sandy nach einem Umzug an seine Schule, die Rydell High, verschlägt. Das sorgt für einige Irrungen und Wirrungen. Aber schließlich auch für ein Happy End. Klar, sie kriegen sich.

Die Story, die im Original dramaturgisch ausschweifend erzählt wird, ist inzwischen auf ein Mindestmaß komprimiert. Diese „Grease“-Version setzt ganz auf die Musik, wird zu einer quirligen, quietschbunten Rock- und Poprevue, in der nur noch das Nötigste (auf Deutsch) gesprochen wird, der Rest wird (auf Englisch) gesungen. Und getanzt. Dabei zeichnen sich die Spielszenen vor allem durch das aus, was man im Englischen gern als „overacting“ bezeichnet. Es wird gequietscht, gealbert und überkandidelt überzeichnet. Wer hat den Darstellern eigentlich gesagt, dass sie sich wie Fünfjährige benehmen sollen? „Grease“, das ohnehin eine Parodie auf die Jugendzeit der Elterngeneration war, wird nun zur geradezu klamottigen Karikatur seiner selbst.

Glücklicherweise gibt es die Musik, die nach dem Filmerfolg von 1978 mit John Travolta und Olivia Newton-John auch auf der Bühne um einige neue Songs erweitert wurde. Die sind allesamt sattsam bekannt und werden von der sieben Musiker starken Band und dem eingespielten Ensemble routiniert und mit einer gehörigen Portion Gute-Laune-Energie ausgebreitet. „Sandy“, „Grease Is The Word“, „Grease Lightning“, „Hopelessly Devoted To You“ und natürlich „You’re The One That I Want“. Beim „Curtain Call” kann das Ensemble im wohlverdienten Applaus baden. Sogar Frau Katzenberger darf sich dazu stellen.