Den "Schuh des Manitu" sahen fast zwölf Millionen Menschen allein im Kino. Damit war diese Parodie auf Western und Karl-May-Filme der erfolgreichste deutsche Film, in Österreich sogar der erfolgreichste Film aller Zeiten. Und ein so populärer Stoff schreit gewissermaßen danach, noch in einer anderen Form als auf DVD verwertet zu werden. Warum nicht in Form eines Musicals?
Das hat sich Michael "Bully" Herbig auch gefragt. Und genau deshalb ist er ins Theater des Westens gekommen. Der Münchner sitzt - mit Vollbart, die Ärmel des Hemdes locker hochgekrempelt und Turnschuhen an den Füßen - fast ein bisschen unscheinbar am Rande der ersten Reihe im Publikum, das an diesem Tag nur aus Journalisten besteht. Er lässt Joop van den Ende den Vortritt, schließlich steckt der Chef des Musical-Konzerns Stage Entertainment "zehn Millionen Euro" in die Produktion des "Schuhs".
"Bully" hat sich nicht getraut
"Einen Produzenten am Broadway anzurufen, das habe ich mich nicht getraut", sagt Michael "Bully" Herbig ein wenig später, nachdem er von den Herren im Anzug nach vorn gebeten wurde. Möglicherweise hätte er dann ebenfalls Joop van den Ende dran gehabt, der in New York auch als Produzent agiert. So aber hat sich "Bully" gefragt, wer in Deutschland den "König der Löwen" herausgebracht hat. Und hat mal durchgeklingelt. So klingt die Geschichte vom Beginn der Zusammenarbeit an diesem Dienstag im Theater des Westens, wo auf der Bühne bereits Marterpfähle stehen, ein (künstliches) Lagerfeuer flackert und raucht und am 7. Dezember die Uraufführung des Musicals "Schuhs des Manitu" herauskommen soll.
Feuerstelle reimt sich auf Mikrowelle
"Ich wollte schon immer mal auf der Bühne stehen, das macht sich gut in der Vita", scherzt "Bully" und erzählt, dass er gefragt worden sei, ob er nicht selbst in der Produktion mitspielen wolle. Aber leider habe er keine Zeit. Der Vielbeschäftigte dreht in diesem Jahr noch seinen "Wicki"-Film. Aber "wenn es schlecht läuft, dann übernehme ich eine Nebenrolle", schließlich "räume ich auch am Set die Kippen weg und sorge für das Catering."
Offiziell fungiert Herbig als "Kreativberater". Eine Umschreibung dafür, dass er der Produktion noch ein Wörtchen mitreden darf. Herbig gibt zu, dass es nicht leicht gewesen sei, seinen Film "wegzugeben". "Ich kann nur hoffen, dass dem Baby nichts passiert und man nichts kaputt macht", meint er grinsend. Natürlich sei es nicht einfach, den Humor und die Komik des Films auf der Bühne umzusetzen. Aber auch die Lieder seien lustig, besonders wenn sich Melodien "absolut konträr" zu Texten verhalten würden. "Dadurch entsteht eine völlig neue Komik."
Das Musical soll sich genauso wenig ernst nehmen, wie es der Film als Western getan habe. "Es ist eben gleichzeitig auch eine Musical-Parodie", sagt Michael Hildebrandt von Stage Entertainment. Und nachdem man die drei Songs gehört hat, die anschließend den Journalisten auf der Probebühne vorgespielt wurden, kann man dieser Einschätzung nicht widersprechen. Da kommt es einem in Dimitris Taverne beim "Ouzo"-Song mit Souvlaki und Sirtaki richtig griechisch vor. Und beim Lied "Wo die Schoschonen wohnen" (sehr zentral!) reimt sich Feuerstelle auf Mikrowelle.
Mit "Der Schuh des Manitu" präsentiert Stage Entertainment die erste Eigenproduktion in der Hauptstadt. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hatte das bei einer der letzten Musical-Premieren, die wie "Les Misérables", "Aida", "Tanz der Vampire" oder "Elisabeth" allesamt an anderen Orten herausgekommen waren, kritisch angemerkt. Jetzt bekommt er seine "Welturaufführung", wie es in Musical-Kreisen immer so schön heißt. Damit möchte Stage Entertainment unterstreichen, wie wichtig der Berliner Markt für das Unternehmen ist, wie Joop van den Ende gestern betonte. Schließlich bespielt die Firma in der Hauptstadt drei Theater. Nur in Hamburg, wo der deutsche Unternehmensteil des niederländischen Konzerns residiert, sind es noch mehr, nämlich vier.
Mehr Eigenproduktionen
In letzter Zeit konzentriert sich Stage Entertainment, die mit "Der König der Löwen" einen Riesenhit in Hamburg landete, auf die Entwicklung von Eigenproduktionen. Ende vergangenen Jahres hatte ebenfalls in Hamburg das Udo-Jürgens-Musical "Ich war noch niemals in New York" Premiere - wobei auch die Trennung von Regisseur Christian Struppeck wenige Wochen vor der Premiere für Schlagzeilen sorgte. Für "Der Schuh des Manitu" wurde diesmal mit Gip Hoppe gleich ein broadwayerfahrener Regisseur engagiert. Neuproduktionen sind schließlich immer sehr risikobehaftet: "Von zehn Musicals am Broadway wird nur ein einziges ein Hit", weiß Stage-Chef Joop van den Ende.


