Literatur

Guttenberg-Biografie frisch und doch veraltet

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Laura Ewert

Mitten in der Affäre über die Doktorarbeit von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist eine Biografie über das Leben des CSU-Politikers erschienen. Sie ist taufrische Ware für das Antiquariat.

Soweit ist es nun gekommen: Sobald jemand „Dr.“ sagt, lachen sie. Ein Hohoho-Lachen. Als Hans-Peter Übleis vom Droemer Verlag seinen Doktortitel erwähnt, lachen die Journalisten. Dieses Lachen wird an diesem Abend im Ballsaal des Hotel Adlons noch öfter zu hören sein, nämlich immer dann, wenn die Worte „Quellen“ oder „Fußnoten“ auftauchen.

Anlass der Veranstaltung an diesem Montagabend ist die Veröffentlichung der Biografie über Karl-Theodor zu Guttenberg. Sie war schon vor dem Rücktritt des Verteidigungsministers am Dienstag die vermutlich überholteste Biographie der Geschichte. Denn schließlich fehlen in dem Buch die plagiierte Doktorarbeit und ihre Folgen für die Glaubwürdigkeit eines Politikers, der vor wenigen Wochen bei nicht wenigen als der künftige Kanzler galt. Als seine Übernahme fremden geistigen Eigentums bekannt wurde, war das Buch bereits in Druck. Die FAZ-Autoren Eckhart Lohse und Markus Wehner sind nicht die ersten, die mit der Beschreibung eines Politikerlebens Pech hatten. Als Matthias Platzeck 2006 aus gesundheitlichen Gründen von seinen Ämtern zurücktrat, war die Biografie von Michael Mara und Thorsten Metzner erst ein paar Wochen im Handel. Aus der SPD-Hoffnung wurde ein Privatmann, die Verkaufszahlen des Buches waren entsprechend. Auch Nachfolger Kurt Beck kam ein Rücktritt in die Quere. Er musste seiner Autobiographie nach dem Verlust des SPD Parteivorsitz 2008 schnell noch ein Kapitel hinzufügen.

Bei der Vorstellung der Guttenberg-Buches nun ist das Interesse groß: Neun Fernsehkameras, Hauptstadtjournalisten in senfgelben Breitcordhosen oder glitzernden Stiefeletten, je nach Heimatredaktion. Nur einer ist nicht gekommen, Horst Seehofer, der das Buch vorstellen wollte. Er wolle an keiner Debatte zu Guttenberg teilhaben, ließ er wissen.

Über ein Jahr haben die Autoren an dem Buch gearbeitet. Die Veröffentlichung sei so geplant gewesen und obwohl die zweite Auflage bereits mit einer Aufarbeitung der aktuellen Geschehnisse versehen ist – nun allerdings noch mal um den Rücktritt erweitert werden muss – betonen die Autoren, es sei dennoch sehr aktuell, denn wenn man das Buch gelesen habe, dann wunderten die neuen Erkenntnisse über Guttenberg kaum mehr. Man habe einen Charakter nachgezeichnet. Man habe Fährten gelegt, die auf die Ungenauigkeiten in der Biographie hinweisen. Der geschönte Lebenslauf, das Praktikum, das zur freien Mitarbeit wurde, die Unklarheit darüber, welche wichtigen Erfahrungen Guttenberg in welchen familiären Firmen gesammelt haben könnte.

Die Autoren waren mit Guttenberg auf Reise, im Schloss seiner Familie, haben seine Frau eine Stunde lang interviewt. Sie beschreiben die Kunduz-Affäre, den kurzen Ausflug in das Amt des Wirtschaftsministers und natürlich gibt es auch einen großen Farbfototeil im Buch. Ob die Autoren bei einem derart gut aussehenden Mann denn nicht gleich misstrauisch gewesen seien, so ein Aussehen spräche ja immer auch für eine innere Instabilität, fragt ein Journalist. Ansonsten wollen die Anwesenden wissen, wie seine Partei denn eigentlich zu Guttenberg stehe, was für einen Elitebegriff er habe oder aber auch, warum von seiner Mutter bisher sowenig zu hören war und wie es dem Vater denn jetzt wohl ginge. Denn Politik, das ist bei Guttenberg immer auch die Familie. Nur mit seiner Frau stimme er sich ab. Die beiden sähen sich fast als gemeinsam handelnde Einheit. Bei seiner Rücktrittsansprache stand sie dann doch nicht neben ihm.

Die Autoren beschreiben die „schwere Kindheit“ des Ministers, den Druck etwas Besonderes sein zu müssen. Auf die Frage, warum es so schwer sei, die Kritik an Guttenberg aufrecht zu erhalten, erklärt Markus Wehner, der Minister habe sich eben immer auch als Antipolitiker inszeniert, er sei ein Produkt unserer Sehnsucht, man nähme den Menschen ihren Hoffnungsträger. Es sei ein Buch für eine andere Zeit, für eine Zeit, die vorbei ist, sagt Arnulf Baring im Publikum. Wie sehr er damit sehr bald recht haben würde, konnte er in dem Augenblick nicht wissen.

Eckart Lohse und Markus Wehner: Guttenberg: Biographie, Droemer, 19,99 Euro