Standort Dahlem

Exponate des Ethnologischen Museums leiden

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Stefan Kirschner

Foto: picture-alliance/ ZB

Das Ethnologische Museum in Dahlem ist in einem miserablen Zustand. Die Exponate sind Schwitzwasser und Schimmel ausgesetzt. Es stellt sich die Frage, ob nach dem Umzug des Museums ins neue Humboldt-Forum der Abriss des alten Gebäudes droht.

Der Kulturausschuss macht den Test: Wie weit ist es bis Dahlem? Selbst die Mitglieder, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, berichten, wie zügig sie in den Berliner Südwesten gelangt sind – selbst vom anderen Ende der Stadt. Und sie widersprechen damit den Randlagen-Argumenten der Museumsleute. Denn die hatten die recht geringen Besucherzahlen mit der Randlage der drei in Dahlem angesiedelten Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz zu rechtfertigen versucht. Ausschuss-Vorsitzende Alice Ströver (Grüne) spricht von einer „bewusstseinsmäßigen Randlage“. 136.000 Besucher kamen im vergangenen Jahr. Kein Vergleich zu den Häusern auf der Museumsinsel, wo das Neue Museum und das Pergamonmuseum 2010 die Millionengrenze durchbrochen haben.

Aber diese Randlagen-Diskussion wird es nicht mehr allzu lange geben. Denn mit dem geplanten Umzug der außereuropäischen Sammlungen ins Humboldt-Forum entfällt das Standortargument. Zentraler als auf dem Schlossplatz kann eine Sammlung nicht präsentiert werden. Dort soll in sechs bis sieben Jahren etwas „Einzigartiges geschaffen werden“, wie Kulturstaatssekretär André Schmitz ankündigt. Eine Formulierung, die auch verpflichtenden Charakter hat. Denn alles andere als eine spektakuläre Präsentation im Humboldt-Forum wäre Wasser auf die Mühlen der Kritiker, die im wiederaufgebauten Schloss lieber die Gemäldegalerie anstelle von afrikanischen Masken und Südsee-Booten unterbringen würden.

Ein bisschen Schuld am Dahlemer Dilemma trägt die Wiedervereinigung. Zumindest am schlechten baulichen Zustand der Häuser. Eigentlich sollten die Museen schon längst generalsaniert werden. Aber dann floss das Geld in die Museumsinsel, dem Jahrhundertprojekt der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Und als dann vor zehn Jahren die Idee mit dem Humboldt-Forum aufkam, verzichtete man erneut auf die Renovierung, weil der alte Standort nur noch ein paar Jahre genutzt werden sollte, wie Norbert Zimmermann, der Vizepräsident der Stiftung, den Ausschussmitgliedern erzählt. Die besichtigen vor der Sitzung im Schnelldurchlauf die drei Museen – unter besonderer Berücksichtigung der baulichen Zustände.

Während sich die Politiker um den Zustand der wertvollen Exponate sorgen, versucht Marianne Kordecki vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung die positiven Seiten zu zeigen. Denn statt der Generalsanierung startete im vergangenen Jahr eine „Funktionsertüchtigung“, wie es im Bau-Jargon heißt. 20 Millionen Euro investiert der Bund in diese Maßnahme, die bis zum Herbst abgeschlossen sein soll. Nicht immer lief alles nach Plan. Beim Austausch einer Klimaanlage verfärbten sich Bilder, die offenbar keine sommerlichen Temperaturen vertrugen. Eigentlich sollen die Arbeiten bei laufendem Museumsbetrieb stattfinden, aber gelegentlich lässt sich eine Schließung nicht vermeiden. Das überrascht mitunter sogar selbst die Museumsleitung: „Mal ist geöffnet, mal geschlossen, wir wissen es auch nicht immer“, erzählt Viola König, die Direktorin des Ethnologischen Museums der etwas verdutzt dreinschauenden Politikergruppe, die vor einer verschlossenen Tür steht. Momentan ist die „Ausstellungshalle 2b“ fürs Publikum nicht zugänglich. Die Ausschussmitglieder dürfen trotzdem rein. Weil die Beleuchtungsanlage in der Halle mit den legendären Südsee-Booten abgestellt ist, wurden ein paar Bauscheinwerfer aufgestellt, damit auch die Schönheit der pfeilerlosen, von Architekt Fritz Bornemann entworfenen Halle gewürdigt wird. Als nächstes geht es ins Depot. Dort sind rund 50.000 Exponate untergebracht. Sie leiden – im Sommer ist es mit 35 bis 40 Grad zu heiß, im Winter bildet sich Schwitzwasser und Schimmel. Holzfiguren stehen auf den Vitrinen, abgedeckt mit einer Plastikpläne, was nicht unbedingt vor Insektenbefall schützt. „Funktionsertüchtigung“ hießt hier, den Brandschutz zumindest dahin gehend zu verbessern, dass die „Menschen sicher rauskommen“. Sollte es im Depot brennen, dann drohe der „Totalverlust“ der Exponate, erzählt Bauleiterin Marianne Kordecki.

Künftig sollen nur noch 100.000 Euro jährlich für den Erhalt des Standortes zur Verfügung stehen. Das nährt Spekulationen. Droht nach dem Auszug ein Abriss? Selbst die Bornemann-Bauten, der auch die Deutsche Oper und die Freie Volksbühne entwarf, sind nicht denkmalgeschützt. Und ein Konzept für eine Nachnutzung des Dahlemer Museumskomplexes gibt es bislang noch nicht.