Literatur

Verlage Aufbau und Eichborn wollen fusionieren

Der Berliner Aufbau-Verlag und der in Frankfurt ansässige Eichborn Verlag planen eine gemeinsame Zukunft. Davon profitiert auch der Standort Berlin.

Der Berliner Aufbau-Verlag und der Frankfurter Eichborn Verlag wollen fusionieren. Aufbau-Mehrheitsgesellschafter Matthias Koch und Ludwig Fresenius, Vertreter der Eichborn-Hauptaktionäre, unterzeichneten am Freitag in Berlin eine entsprechende Absichtserklärung. Eichborn („Der Verlag mit der Fliege“) soll nach Berlin in die künftige Aufbau-Zentrale in Kreuzberg ziehen. Damit ginge nach Suhrkamp ein weiterer Buchverlag von Frankfurt in die Hauptstadt. Ziel sei es, ein Unternehmen mit den beiden Marken Aufbau und Eichborn zu schaffen, sagte Koch. Offen sind noch die Anteile der beiden Partner sowie die Rechtsform.

In einem ersten Schritt wird vom 1. Juni an der Vertrieb in der Fläche zusammengelegt. Die Großkunden werden weiter getrennt betreut. Beide Häuser haben zusammen einen Umsatz von rund 25 Millionen Euro. Ob sie ihre Anteile verkaufen oder in eine neue Gesellschaft einbringen, ließen Fresenius und Koch offen. Hier müssten noch rechtliche Fragen geklärt werden. Koch betonte aber: „Das ist eine Liebesheirat.“ Fresenius hält mit 75,2 Prozent die Mehrheit an Eichborn, 24,8 Prozent sind in Streubesitz.

Auch nach einer Fusion soll das Programm der beiden Verlage strikt getrennt bleiben. Zu den wichtigsten Autoren des in der DDR gegründeten Aufbau Verlages gehören Hans Fallada, Anna Seghers, Fred Vargas und Eva Strittmatter. Eichborn-Erfolgsautoren sind Frank Goosen, Jürgen von der Lippe und Eckart von Hirschhausen. Auch die von Hans Magnus Enzensberger gegründete Andere Bibliothek erscheint hier. Neben dem Vertrieb soll es eine Zusammenarbeit in anderen Bereichen wie etwa der Verwaltung geben. Die rund 50 Eichborn-Beschäftigten seien von den Umzugsplänen informiert worden, sagte der Vorstandsvorsitzende der börsennotierten Eichborn AG, Stephan Gallenkamp.

Fresenius betonte, er habe Übernahmeangebote großer Verlagshäuser abgelehnt. Er wolle Eichborns verlegerische Zukunft sichern. „Es wäre nur noch ein Türschild übrig geblieben.“ Aber ein Zusammengehen mit einem anderen Verlag sei unerlässlich. „So wie wir aufgestellt sind, haben wir keine Zukunft mehr.“ Eichborn hatte 2009 einen Verlust von 1,9 Millionen Euro ausgewiesen. Beide Häuser setzen jeweils zwischen 30 und 40 Prozent über den traditionellen Buchhandel um, der Rest wird über die großen Handelsketten verkauft. Nur mit einer engen Kooperation könnten mittelständische Verlage dieser Marktmacht widerstehen, betonte Aufbau-Geschäftsführer René Strien. „Es kommt dabei auf die Größe an.“ Die Verlagsprogramme beider Häuser ergänzten sich perfekt.