Barockmalerei

Genie Caravaggio – Schöner mordeten Frauen nie

Bereits zu Lebzeiten war er ein Mythos. Michelangelo Merisi da Caravaggio (1571-1610) faszinierte und schockierte gleichzeitig. Ein jetzt erhältlicher Band dokumentiert sein Schaffen eindrucksvoll. Die Heiligen in seinen Bilder waren nicht idealisiert, Frauen malte er verführerisch, und es floss reichlich Blut.

Der Kirche war dieser Farbzauberer unheimlich. Bischöfe und Äbte staunten darüber, wie Caravaggio die Geschichten der Bibel mit seinem Pinsel zum Leben erweckte. Und doch waren ihnen die Kompositionen des aus der Lombardei stammenden Malers oft zu drastisch: Die Gesichter der Heiligen waren nicht idealisiert, sondern verhärmt und faltig. Die Frauen waren dagegen viel zu verführerisch, und zu viel Blut spritzte sowieso.

Bestellt hat die Kirche trotzdem bei ihm. Caravaggio (1571–1610) – eigentlich Michelangelo Merisi; sein Beiname leitet sich ab von seinem Geburtsort Caravaggio – gehörte zwischenzeitlich zu den begehrtesten Künstlern Roms. Seine Spezialität war es, die Figuren in helles Licht zu tauchen und sie vor einem dunklen Hintergrund in Szene zu setzen wie auf einer Theaterbühne.

Den Stil nennen Kunsthistoriker „Caravaggismus“, er wurde im 17. Jahrhundert von Malern in ganz Italien, in den Niederlanden, Spanien und Frankreich kopiert. Caravaggios aktive Phase währte nur kurz. Nachdem das jähzornige Genie in einem Streit einen Widersacher erschlagen hatte, musste er Rom verlassen und starb vier Jahre später an einer fiebrigen Erkältung. Sein Leben reichte trotzdem aus, um die Kunst zu revolutionieren.

Der Taschen-Verlag hat jetzt das Gesamtwerk Caravaggios in einem Buch zusammengetragen, das selbst ein Kunstwerk ist. Dazu wurden die Gemälde eigens neu fotografiert. Fünf Kapitel führen in Leben und Werk des Meisters ein. Auf den Abbildungen und Detailansichten kann man Caravaggios Kunst näher kommen als mancher Kardinal in Rom.

Sebastian Schütze: „Caravaggio. Das vollständige Werk“, Taschen, 306 S., 100 Euro.