Ausstellung

In Berliner Museum brodelt die Gerüchteküche

"Schon gehört?" Im Museum für Kommunikation Berlin brodeln die Gerüchte. Am Freitag öffnet eine interaktive Wechselausstellung ihre Pforten, in der sich alles um Tratsch, Mythen und Verschwörungstheorien dreht.

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Die Ausstellung "Gerüchte" im Museum für Kommunikation beschäftigt sich mit den verschiedensten Aspekten des Gerüchts. Von Verschwörungstheorien über Politik und Wirtschaft bis hin zum Promi-Klatsch und Tratsch umreißt die Ausstellung alles Wichtige zum Thema.

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Klatsch, Tratsch, Gemunkel: Das Gerücht ist allerorten. Ab Freitag beleuchtet das Berliner Museum für Kommunikation die verschiedenen Facetten dieses ebenso flüchtigen wie faszinierenden Phänomens in einer Sonderausstellung. „Das Gerücht ist blind, aber es läuft schneller als der Wind“, lautet ein holländisches Sprichwort, und „Klatschen heißt: anderer Leute Sünden beichten“ brachte der Dichter Wilhelm Busch es vor mehr als hundert Jahren auf den Punkt.

Im Reich der „Fama“, der antiken Göttin des Gerüchts, wird der Ausstellungsbesucher auf die Probe gestellt. Im „Flüsterwald“, einer verwobenen Holzinstallation, trifft er auf zahlreiche Klassiker des Phänomens. Essen die Chinesen Hunde? Ist es Ziel des Coca-Cola-Konzerns, die Menschen zu manipulieren, abhängig und hörig zu machen? Was geschah in der Nacht, als Marilyn Monroe starb, was hat Präsidentenbruder Robert Kennedy mit ihrem vermeintlichen Selbstmord zu tun? Aber auch: Wurde Kurt Beck durch lancierte Medien-Falschmeldungen aus dem Amt des SPD-Vorsitzenden gedrängt?

Daneben verbirgt sich auch viel historisch Lehrreiches im „Flüsterwald“ der Fama. So stammt der Begriff „klatschen“ aus der Zeit, als Frauen schmutzige Wäsche noch an einem Gewässer wuschen. Zu diesem Zweck benutzten sie einen Schlegel, mit dem sie auf die Wäsche klatschten – und sich die Zeit mit einem Schwätzchen vertrieben.

Ernster wird es beim Thema Cyber-Mobbing, das Jugendliche zunehmend in Internet-Foren einsetzen, um andere durch böswillig gestreute Gerüchte zu verhöhnen. Dem ist das Opfer in der unkontrollierbaren Welt des Internets meist hilflos ausgeliefert. Auch mit eigenen, oft unreflektierten und unterschwelligen Vorurteilen sieht sich der Besucher konfrontiert. Wie etwa hält man es mit den „anderen“ Deutschen? Eine dicke Kladde lädt ein, die eigene Meinung über „Besserwessis“ und „Meckerossis“ zu äußern. Auf die Ergebnisse darf man gespannt sein, liegt doch das Museum geografisch in der historischen Mitte Berlins.

Viele vermeintliche Gewissheiten und auch Glaubensfragen stehen in der Ausstellung auf dem Prüfstand. So macht die Skepsis der Kuratoren auch vor dem Turiner Grabtuch nicht Halt, auf dem der Überlieferung nach der gekreuzigte Jesus zu sehen ist. Nach manchen Forschungsergebnissen stammt es nicht aus der Antike, sondern aus dem Mittelalter, und wird dennoch weiterhin als Reliquie verehrt. „Selig, die nicht sehen und doch glauben. Der Fall Jesus von Nazareth“, titelt das Schild im Flüsterwald. Zwei Ikonen zeigen die Szene des leeren Grabes Jesu.

Selbstverständlich verzichtet ein Museum für Kommunikation nicht auf den Einsatz moderner Medien. In der aufwändigen Installation der „Gerüchtezentrale“ tritt die projizierte Minifigur eines „Gerüchteagenten“ mit dem Besucher in Kontakt und fachsimpelt mit ihm. An einem „Gerüchtegenerator“, dessen simple Fragen mit Ja oder Nein zu beantworten sind, kann der Besucher gar fiktive Boulevard-Schlagzeilen entstehen lassen.

Die Ausstellung ist bis zum 27. Februar 2011 dienstags von 9 bis 20 Uhr, mittwochs bis freitags von 9 bis 17 Uhr und am Wochenende von 10 bis 18 Uhr zu besichtigen.