Die bunten Werbetafeln wollen flächendeckend auf die größte Babylon-Schau hinweisen, die es je in Deutschland gegeben hat. Überrumpelung ist die Kernidee der Kampagne. Sie nimmt an, dass alle Vorstellungen des braven Berliners von Babylon falsch sind und präsentiert ihm die Wahrheiten mit Ausrufezeichen - auf das er ins Pergamonmuseum gehe und lerne.
Für das Konzept ist die Agentur MetaDesign verantwortlich. Das Unternehmen weiß, wie man Berlin und seine Gäste auf die Beine bringt. Es hat immerhin die erfolgreichsten Kunstausstellungen, die die Stadt je gesehen hat, in Szene gesetzt: das "MoMA in Berlin" und "Die schönsten Franzosen kommen aus New York". Für letztere Kampagne bekam die Agentur im Mai den European Design Award.
Nun soll mit ihrer Hilfe erstmals eine archäologische Schau zum Massenevent werden. "Das Pergamonmuseum wird zum Babylonmuseum. Wir begehen absichtlich einen Sündenfall, indem wir die Ausstellung zu einem Event machen", sagt Peter-Klaus Schuster, Generaldirektor der Staatlichen Museen.
Doch die erhofften Besuchermassen stellen das Pergamon vor ernsthafte Probleme. Das Haus war mit 1,3 Millionen Gästen im Jahr 2007 das meistbesuchte Museum der Stadt. Alljährlich verzeichnet es einen Besucherzuwachs. Und nun soll allein "Babylon - Mythos und Wahrheit" noch einmal 300.000 Menschen zusätzlich locken. Die Erfahrungen aus Paris, wo die Ausstellung zwischen bis 2. Juni im Louvre zu sehen war, lehren, dass mit 5000 Besuchern pro Tag gerechnet werden muss. Mit der normalen Infrastruktur hätte das zu einem Gau geführt, deshalb ist das Pergamonmuseum bereits seit Wochen nur noch als Baustelle zu erleben. Im Ehrenhof entstehen Gebäude für die Kassen, Garderoben und den Babylon-Shop.
Dass sich die Wartenden bis auf die Brücke über dem Spreekanal zurückstauen, will man unbedingt vermeiden. Deshalb wird das Zeitkartensystem eingeführt. Der Gast löst ein Ticket und kann sich dann die Füße vertreten, weil seine Nummer zu einem ihm bekannten, genau kalkulierten späteren Zeitpunkt aufgerufen wird. Ob dies allerdings die Situation im Inneren des Gebäudes entspannt, das bezweifelt sogar Schuster: "Die Enge wird zum Babylon-Gefühl gehören", feixt er, "das ist ein wenig wie in der babylonischen Gefangenschaft." Das eigentliche Nadelöhr ist just der Eingang zum historischen Ausstellungsteil von "Babylon - Mythos und Wahrheit". Doch der Besucher wird sich den Weg schaffen.

