The Killers

Brandon Flowers' hübsche Hymnen auf Las Vegas

Die Band "The Killers" legt eine Pause ein. Doch ihr Sänger Brandon Flowers kann nicht anders, er legt sein Soloalbum "Flamingo" vor.

Er ist 29 Jahre alt, seit fünf Jahren verheiratet und Vater zweier Kinder. Der Sänger der Killers, einer der erfolgreichsten Rockbands der Gegenwart, er sieht blendend aus und wird regelmäßig zu einem der bestgekleideten Männer im Musikbusiness gewählt. Er ist gläubiger Mormone. Er lacht viel, ist kein großer Redner, tatsächlich wirkt er sogar ein wenig schüchtern. Von Freizeit hält er offenbar nicht viel. Weil seine Bandkollegen lieber ein wenig pausieren wollten, hat er die Songs, die eigentlich für das nächste Werk der Killers vorgesehen waren, jetzt als Soloalbum eingespielt.

Morgenpost Online: Herr Flowers, wenn ein Mitglied einer weltbekannten Band ein Soloalbum aufnimmt, sollte in der Regel ein Richtungswechsel dabei herauskommen. Das kann man von Ihrem Debüt „Flamingo“ nicht behaupten.

Brandon Flowers: So hatte ich das ursprünglich auch gedacht, aber ich hab es nicht geschafft. Die einzigen Songs, die ich schreibe, sind Killers-Songs, das ist alles, was ich kann.

Morgenpost Online: „Flamingo“ ist ein Las Vegas-Album geworden.

Flowers: Ja.

Morgenpost Online: Auch alle Killers-Alben waren bereits Las-Vegas-Alben.

Flowers: Das kann man so sagen.

Morgenpost Online: Sie sind von der Stadt besessen.

Flowers: Ich liebe die Stadt, ich lebe da. Sie ist ein Teil von mir.

Morgenpost Online: Kennen Sie den Song „Heaven or Las Vegas“ von den Cocteau Twins?

Flowers: Nein, kenn ich nicht. Die haben einen Song namens „Heaven or Las Vegas“? Ist ja toll!

Morgenpost Online: Der Refrain geht „Bin ich hier im Himmel oder in Las Vegas? Es kommt mir heller als die Sonne vor“.

Flowers: Wahnsinn, den Song muss ich covern.

Morgenpost Online: Wie hell ist es denn in Las Vegas?

Flowers: In der Mojave-Wüste haben wir 350 Sonnentage im Jahr mit einem grandiosen blauen Himmel.

Morgenpost Online: Wie hell ist es, wenn es dunkel ist?

Flowers: Sehr hell. Und der Strip, also der Boulevard, an dem all die Hotel und Casinos stehen, ist wunderbar bunt. Alles, was mit Las Vegas zusammenhängt, ist ein wenig seltsam.

Morgenpost Online: Ihnen gefällt die Seltsamkeit?

Flowers: Auch. Die Wüste ist ein heiliger Ort für mich, sie ist nicht nur Schmutz und Sand. Ihre Farbigkeit, das Rot, das Purpur, das Braun, es ist majestätisch. Und mittendrin hat man diese Stadt mit ihren fantastischen Leuten, die immer geschäftig sind, immer um Trinkgelder kämpfen.

Morgenpost Online: Sie haben Ihr Album „Flamingo“ genannt. Beziehen Sie sich damit auf das berühmte Casinohotel?

Flowers: Eigentlich dachte ich mehr an die Straße. Aber das Flamingo Hotel steht direkt an der Ecke der Flamingo Road und dem Strip.

Morgenpost Online: Es ist eines der ältesten Hotels der Stadt?

Flowers: Ja. Die Stadt wurde ursprünglich von Mormonen gegründet. Aber als die Mafia nach der Legalisierung des Glückspiels in den Dreißigern in die Stadt drängte, wurden die ersten Hotels und Casinos gebaut, die aber noch recht hemdsärmelig waren. In Las Vegas herrschte damals noch eine Wild-West-Stimmung. Dann kam Mitte der Vierziger der Mafioso Bugsy Siegel in die Stadt. Ihm schwebte etwas vor, das mehr Klasse hatte, etwas Mondäneres, Glitzernderes. Also baute er das Flamingo und legte damit den Grundstein für das Las Vegas, wie wir es heute kennen.

Morgenpost Online: Auf dem Albumcover sieht man Sie in einem Hotelzimmer des Flamingo stehen.

Flowers: Nein, es ist leider ein anderes Hotel, ich wünschte, es wäre das Flamingo gewesen.

Morgenpost Online: Wieso ein anderes Hotel?

Flowers: Wir brauchten die Sicht aus dem Fenster, an dem ich stehe.

Morgenpost Online: Und in welchem Hotel stehen Sie?

Flowers: Das kann ich Ihnen nicht verraten.

Morgenpost Online: Können Sie mir denn sagen, warum das Album diese leichte Country-Note hat?

Flowers: Das hat sich so ergeben.

Morgenpost Online: Aber wie ergibt sich das, wenn man sich unter anderem von Stuart Price produzieren lässt, der zuletzt für Kylie Minogue und die Scissor Sisters verantwortlich war. Sollte dabei nicht eigentlich ein Dance-Album herauskommen?

Flowers: Ja, aber es kam anders.

Morgenpost Online: Sind Sie es eigentlich leid, ständig zu Ihrer Religion befragt zu werden?

Flowers: Nein, gar nicht. Ich habe mich daran gewöhnt. Ich weiß, dass ich anders bin.

Morgenpost Online: Fühlen Sie sich anders?

Flowers: Ja und nein. Ich bin mit dieser Religion aufgewachsen, ich nehme sie nicht blind hin, ich glaube an sie. Aber erst außerhalb von Las Vegas und Utah wurde mir bewusst, wie fremd und mysteriös meine Religion auf andere Leute wirkt – und wie klein sie ist.

Morgenpost Online: Aber dank Ihnen, der „Twilight“-Autorin Stephenie Meyer und der TV-Serie „Big Love“ ist das Mormonentum in der Öffentlichkeit recht präsent.

Flowers: Ja, aber „Big Love“ wirft einen seltsamen Blick auf meine Religion. Die Serie beschmutzt und entstellt sie. Was Tom Hanks da macht gefällt mir gar nicht.

Morgenpost Online: Er ist der Produzent der Serie.

Flowers: Ich meine, er ist ... ach, egal.

Morgenpost Online: Nein, erzählen Sie.

Flowers: Ich meine, in seinen Filmen ist er immer ein so liebenswerter Kerl, aber hinter den Kulissen macht er sich über meine Leute lustig. Das ist nicht nett.

Morgenpost Online: Würden Sie sagen, dass die Texte auf dem neuen Album, in denen es viel um Versuchung, Verführung und Vergebung geht, stark von ihrer Religion geprägt sind?

Flowers: Letztlich sind es doch universelle Themen. Es ist vor allem eine hübsche Platte geworden, viel hübscher als die Killers-Platten.

Morgenpost Online: Die Songs springen einen nicht so sehr an.

Flowers: Ja, Daniel Lanois, einer der drei Produzenten, sagte, die Leute werden die Platte hören, wenn sie Dinner zubereiten. Und ich dachte, oh je, denn das war ein Zugang, der mir bislang unbekannt war. Musik sollte für mich immer groß sein, übergroß und mächtig und mich immer mitreißen. Aber jetzt gefällt mir die Idee.

Morgenpost Online: Wo hören Sie Musik?

Flowers: Im Auto. Man muss in Las Vegas viel Auto fahren.

Morgenpost Online: Sie setzten sich nicht Zuhause hin?

Flowers: Selten, ich würde gern es öfter tun, aber meine Kinder wissen das zu verhindern.

Morgenpost Online: Wie alt sind die?

Flowers: Ein und drei Jahre.

Morgenpost Online: Die Tour zum letzten Album der Killers haben Sie erst im März beendet. Was sagt Ihre Frau dazu, dass Sie schon wieder mit einem Soloalbum auf Tour gehen und sie mit den Kindern in Las Vegas ist?

Flowers: Meine Frau ist nicht begeistert, sie war dagegen. Aber ich werde dieses Mal wohl nur bis Weihnachten unterwegs sein.

Morgenpost Online: Ihre Frau könnte Sie begleiten.

Flowers: Mit zwei kleinen Kindern ist das sehr schwierig.

Morgenpost Online: Das sehen Brad Pitt und Angelina Jolie nicht so und die haben ungefähr drei Mal soviel Kinder.

Flowers: Aber die reisen auch mit Privatjet, den hab ich leider nicht.