So viel Neuanfang ist selten: Knapp drei Wochen nach der Wiedereröffnung des Schlosspark Theaters wird am 20. September die nächste Bühnenleiche in der Hauptstadt reanimiert: Pünktlich zum 90. Geburtstag der Tribüne geht dort der Vorhang wieder hoch. Ebenso wie in Steglitz ohne staatliche Zuschüsse. Mit einem Stück, das rein titelmäßig eher zur alten Intendanz als zu einem Neustart passt: „Der Letzte macht das Licht aus“. In dieser „turbulent-melancholischen Komödie“, so die Ankündigung, geht es um drei arbeitslose Mauer, die nach Norwegen auswandern, um dort zu arbeiten.

Die Bühnenfassung nach dem gleichnamigen Film von Clemens Schönborn hat Gunnar Dreßler, der neue Herr des Hauses, erstellt. Und er wird auch Regie führen, was allerdings der kurzen Vorbereitungszeit der Übernahme der Tribüne geschuldet ist, wie Dreßler gestern auf einer Pressekonferenz betonte, bei der er das Programm der ersten Spielzeit vorgestellte. Denn der 54-Jährige, der seit rund zehn Jahren mit seiner Familie in Berlin lebt, obwohl er in Hamburg das Theater in der Basilika betreibt, hat erst im Juli den Vertrag für die Tribüne unterschrieben. Und mitten in den Theaterferien einen Regisseur zu finden, der dann zeitnah mit den Proben beginnt, ist kein leichtes Unterfangen. Deshalb hat Dreßler sich entschlossen, die Sache selbst zu übernehmen – schließlich stammt auch die Dramatisierung von ihm, er ist also mit dem Stoff bestens vertraut.

Weil Eröffnungsstücke immer auch ein programmatisches Statement sind, erwartet das Tribünen-Publikum weitere Film-Adaptionen wie „Keinohrhasen“ (ab 16. Oktober), „Die fetten Jahre sind vorbei“ (ab 4. März 2010) oder „Die Welle“ (ab 5. Oktober), wobei sich diese Theaterfassung auf den Roman und nicht den Film bezieht. Dreßler ist zuversichtlich, mit seinem Spielplan in der Theaterstadt Berlin eine „Nische“ zu finden und will vor allem jüngeres Publikum ansprechen mit der „sicherlich schwierigen Balance zwischen anspruchsvollem Sprechtheater und guter Unterhaltung“.

Mit einem Team von Schauspielern – ein festes Ensemble ist finanziell nicht drin – und neben ihm drei weiteren Regisseuren will Dreßler die Wiederbelebung der Tribüne schaffen. Das Theater unweit des Ernst-Reuter-Platzes war Silvester 2008 geschlossen worden. Künstlerisch konnte das Haus schon länger nicht mehr überzeugen, finanziell kam es ins Schlingern, nachdem der Senat die Förderung in Höhe von 600.000 Euro gestrichen hatte.

„Wir sind dazu verdammt, wirtschaftlich erfolgreich zu sein“, betonte Dreßler gestern, der erst mal mit einer Auslastung von „50 Prozent plus x“ kalkuliert. Die Tribüne verfügt über rund 300 Plätze. Gespielt werden soll täglich außer montags. Die Eintrittspreise sind gestaffelt: 16, 20 und 24 Euro kosten die Tickets (freitags und sonnabends jeweils vier Euro mehr), für Schüler, Studenten, Rentner und Hartz-IV-Empfänger gibt 50 Prozent Ermäßigung – für alle Tage und im Vorverkauf (G.341.90.01 oder an den Theaterkassen).

Informationen zum Spielplan ab Donnerstag unter