Das Musical „Cabaret“ ist am Donnerstag in Berlin beim Publikum gut angekommen. Das Stück feierte zwar nicht seine Berlin-Premiere, wohl aber seine erste Aufführung im Tipi am Kanzleramt. Für Schauspielerin und Kabarettistin Maren Kroymann („Oh Gott, Herr Pfarrer“, „Das Superweib“), gab es Vorschusslorbeeren - sie wurde schon gefeiert, als sie nur die Bühne betrat. Die 60-Jährige verkörpert die Pensionswirtin Fräulein Schneider, die sich Anfang der 30er Jahre in einen jüdischen Obsthändler verliebt.
Am Ende aber bekam Hauptdarstellerin Sophie Berner im voll besetzten Tipi den meisten Applaus. In der Inszenierung von Vincent Paterson spielt sie die junge Lebedame Sally Bowles, die sich der aufziehenden nationalsozialistischen Gefahr nicht bewusst ist. Berner sprühte in ihrer Rolle vor Energie und verzauberte das Publikum mit ihrem Gesang und den stilechten Kleidern.
Es ist die Wiederaufnahme der immens erfolgreichen Inszenierung des amerikanischen Regisseurs Vincent Patterson, die im Oktober 2004 in der Bar jeder Vernunft Premiere hatte und nach rund 500 Vorstellungen und 150.000 Besuchern nun im Tipi-Zelt am Kanzleramt zu sehen.
Damit schließt sich für Maren Kroymann ein Kreis: Vor zehn Jahren hatte sie ihre Rückkehr als Sängerin und ihren Einstand in der Bar jeder Vernunft gefeiert, mit einem anderen Fräulein Schneider, Andreja Schneider, der Sängerin der Geschwister Pfister, mit der sie damals beim Schirmherrenfest im Duett den Dionne Warwick-Klassiker "I'll Never Fall in Love Again" sang und noch im selben Jahr dann mit ihrem eigenen Soloprogramm "Gebrauchte Lieder" Premiere feierte. Denn auch wenn viele Maren Kroymann vor allem als Kabarettistin ("Nachtschwester Kroymann") und Schauspielerin wie zuletzt in Doris Dörries Kinokomödie "Die Friseuse" und der ZDF-Comedyreihe "Klimawechsel" kennen, ist die Wahlberlinerin eine ebenso begnadete Sängerin. Bereits mit fünf Jahren sang sie in Tübingen im evangelischen Kirchenchor, später dann im Berliner Hanns-Eisler-Chor, bevor sie 1982 mit ihrem eigenen Programm "Auf du und du mit dem Stöckelschuh" auftrat, in dem sie Schlager der 50er Jahre sang und das piefige Frauenbild der Wirtschaftswunderjahre parodierte.
Noch ein ganzes Stück weiter zurück liegt ihre Musicalvergangenheit. "Von 1968 bis 71 war ich in Tübingen in "Stop the World - I want to get off" dabei, einem Broadwaystück, das damals viel gespielt wurde. Das ist 40 Jahre her, kaum zu glauben.", erinnert sich Maren Kroymann nach der Probe beim Gespräch in der Garderobe. Nun wieder in einem Musical mitzuwirken, findet sie "eigentlich nahe liegend, weil ich singe und spiele. Die Verteilung von Fähigkeiten, die man dazu braucht, das liegt mir." Dabei mag sie Musicals gar nicht, die Art von Musik, die Inhalte. "Ich bin kein Fan von Andrew Lloyd Webber und diesen Leuten. 'Cats' und 'Phantom der Oper' habe ich alles nicht gesehen, interessiert mich nicht." "Cabaret" dagegen findet sie "einfach ein saugutes Musical. Erstmal der Berlin-Bezug, aber vor allem, weil es was zu tun hat mit Freizügigkeit, Toleranz, aber auch mit Mitläufertum und wie das mit den Nazis angefangen hat. Es ist eines der politischsten Musicals und hat heute noch eine Aussage."
Das Stück nach dem Buch von Christopher Isherwood ist noch bis zum 29. August 2010 im Tipi zu sehen.
Tipi-Zelt, Große Querallee am Kanzleramt in Berlin, Kartentelefon: (030) 39066550. Tickets kosten zwischen 40,50 Euro und 59,50 Euro.
BMO





