Paul McCartney: Memory Almost Full (Hear Music)

Bei den Beatles galt er als der Rigorose mit dem schwärzesten Humor. Nicht wahr? Vielleicht waren „The Long And Winding Road“ oder die Wings nichts anderes als bittere Kommentare auf eine belanglose und langweilige Popmusik. Wer weiß. Seit Jahren jedenfalls nimmt Paul McCartney großartige Songs und Alben auf, die nur sein miserabler Ruf etwas verstellt. Auf „Memory Almost Full“ hat er es gründlich satt.

Im ersten Stück rechnet er mit den Mythen ab, die „Sgt. Pepper“ im Jahr 40 der Veröffentlichung immer noch umwehen. Im dazugehörigen Videoclip trinkt er den Tee, den alle Welt bisher für ein Gebräu aus allen Drogen dieser Welt gehalten hat. Wer auch danach noch aufmerksam verfolgt, was Macca nun für Starbucks so dahinsingt, hört, wie er bei aller Dankbarkeit auch überspannten Damen hinterher schimpft, die er dann doch immer wieder heiratet, der Gute. Michael Pilz

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Haydn: Sinfonien Nr. 88 - 92 (EMI)

Die schönste Rattle-Platte seit langem. Die Berliner spielen stoisch das Trugschlussfinale, das Publikum lässt sich doppelt auf den Haydn-Arm nehmen. Manuel Brug

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Die Ärzte: Jazz ist anders. (Hot Action/Universal)

Die Spaßpunker, die schon silberne Hochzeit hätten feiern können, wenn sie verheiratet wären, bleiben bei ihrer gewohnten Lässigkeit: Im "Lied vom Scheitern" bringen sie das Album auf den Punkt: "Du bist immer dann am besten, wenn's dir eigentlich egal ist." Ihr insgesamt zwanzigstes Album soll nach eigenen Angaben anders sein: "Puristischer. Gemeinsamer. Triologischer. Selbstgemachter." Deshalb hat - außer drei Tontechnikern - niemand anders daran mitgearbeitet. Die Texte sind vom Kasperle-Witz weit entfernt, der Humor ist leicht und hintergründig. Da die Lieder zusätzlich nicht nur einen Schlager-Charme, sondern auch Ohrwurm-Qualitäten haben, wird dieses Album zu Recht nicht nur auf Schulhöfen gehört. Marion Meier

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Mark Ronson: Version (SonyBMG)

Noch mehr Coverversionen. Der Produzent und DJ hat das feinste Popalbum des Jahres hingelegt. Seine Klänge setzen sich ins Ohr, er versammelt erlesene Vorbilder – und Stimmen wie Amy Winehouse, Lily Allen, Robbie Williams, Kasabian. Ronson hat es sogar geschafft, dass ich ein Lied von Coldplay mag (indem er einfach den Text weglässt und Bläser auffährt). Große Klasse. Holger Kreitling

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Raymond: Maske in Blau/Marika Rökk, Rudolf Schock (Sony/BMG)

In der Serie der Pantoffel-Operetten mit Rudolf Schock müffelt dieser Revue-Cocktail (mit kunstmalender Marika Rökk und Margit Schramm als Plantagenbesitzerin vom Rio Negro) herrlich abgestanden. Wer’s mag, wird sofort nach „Venus in Seide“ von Robert Stolz und „Im Weissen Rössl“ mit Peter Alexander verlangen. Also Vorsicht: Suchtgefahr . Kai Lührs-Kaiser

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Joe Satriani: Surfing with the Alien (Sony BMG)

Auch das gab's mal: Hardrock wie von der Hochschule, voll brillanter Legato-Figuren und komplexer Songgebilde. Gut, dass dem wiederentdeckten Album von 1989 eine DVD beiliegt. Die hohen Turnschuhe, die Wischmopfrisur und der ärmellose Leopardenanzug des großen Gitarristen sind der beste Partygag. Thomas Lindemann

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Hazmat Modine: Bahamut (Jaro)

Frage: Was kommt dabei heraus, wenn man Balkanjazz, Klezmer, Zydeco und Reggae mit Hawaii-Gitarren, mongolischen Obertongesänge und Panflöten kreuzt? Antwort: die verrückteste Bluesplatte des Jahres. Aufgenommen wurde sie von einer Band, die der New Yorker Maler und Multiinstrumentalist Wade Schumann in einem Anfall von erleuchtetem Wahnsinn gegründet hat. Schumann ist nicht nur ein begnadeter Mundharmonikavirtuose (man höre nur den "Lost Fox Train"), sondern auch ein erhaben durchgeknallter Sänger von Graden. Als eine Art Kreide fressender Tom Waits juchzt, grunzt und murmelt er sich durch eine CD, die dieses Jahr im Weltmusiksektor in punkto Witz, Intelligenz und Konzept wohl ihresgleichen suchen dürfte. Josef Engels

Diese CD bei Amazon bestellen... * Amy Winehouse: Back To Black (Universal)

Große Stimme, alberne Frisur, mächtige Probleme. Kein anderer Star inszeniert sich zurzeit besser und glaubwürdiger als singendes Wrack. „Rehab“, die erste Singleauskopplung des Albums, die stimmungsvoll davon erzählt, dass Frau Winehouse eine Entziehungskur kategorisch ablehnt, ist der beste Witz des Jahres. Und dann dieser Name. Herrlich komisch. Harald Peters

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Rainald Grebe: Volksmusik (Versöhnungsrecords)

Ich hasse komische Musik. Aber alle 10 Jahre mache ich eine Ausnahme. In den Achtzigern für „Half Man Half Biscuit“, in den Neunzigern für Funny van Dannen und jetzt für Grebe. Seltsam: „Doreen aus Mecklenburg“ ist schon längst ein Klassiker, aber erst hier auf CD erschienen. Matthias Heine

Unsere Kritiker haben noch mehr CD-Vorschläge: