Devendra Banhart: Smokey Rolls Down Thunder Canyon (XL)

Wer will schon erwachsen sein? Also zurück, zu den Jahren der Unschuld. Die Hippies wurden selten so gut behandelt wie bei Devendra Banhart, der über Steine und Seepferdchen singt. Sein Album ist versponnen, esoterisch, viel näher an Kate Bush als am amerikanischen Neofolk, seiner Heimat. Und trotzdem unwiderstehlich. Die schönste Empfehlung für all die, die jetzt voll eingebildeter Verve auf die 68er einhauen. Holger Kreitling

*

Peter Michael Hamel: Vom Klang des Lebens (Celestial)

Im Sommer wurde er 60, mit dieser Aufnahme ehrte ihn der Bayerische Rundfunk. Hamel ist Musikprofessor in Hamburg, steht aber für eine Musik der Freiheit. Ein großer verkannter Komponist unseres Landes – genau zwischen Neuer Musik und Pop tut er dem verknöcherten Spartenbetrieb weh. Thomas Lindemann

*

Solal: The Moonshine Sessions

Der gewöhnliche Franzose leidet selten unter einem Mangel patriotischer Gefühle. Es gibt Menschen, die das auch über den Deutschen sagen möchten, seit der Deutsche sich über seine WM und die WM-Mannschaft gefreut und ein paar Fähnchen hochgehalten hat. Wie sich das Leiden lindern lässt, macht ein Franzose vor: Man kennt den DJ Philippe Cohen-Solal als stilbewussten Discjockey und Initiator des Gotan-Projekts, das sich einer Art lauschigem Elektrotango widmet. Zuletzt zog Solal nach Nashville, kaufte sich einen bestickten Hut und eine Folkgitarre, ließ sich die Bedienung zeigen und nahm Countrysongs mit ausgewiesenen Lokalheroen auf. La Patrie! Auf welches Vaterland auch immer. Michael Pilz

*

L14,16: Phlogistone (Nagel Heyer/Edel Contraire)

Die Mitglieder des deutschen Quintetts L14,16 (benannt nach einer Kneipe in Mannheim) sind alle erst um die 30 Jahre alt. Doch der Grad der Reife und des Irrsinns überrascht. Bei L14,16 finden schräger Humor, hohe Arrangierkunst und bestechende Virtuosität aufs Glücklichste zusammen. Es ist eine Sache, sich komplexe Kompositionen mit abrupten Stimmungswechseln, krummen Metren und eigenwilligen Breaks auszudenken. Wenn man es allerdings hinbekommt, dass das alles so leicht und flockig daherkommt wie eine lustig-rasante Kaffeefahrt im Hardbop-Wunderland, dann kann man nur den Hut ziehen. Was hiermit getan wäre. Josef Engels

*

Beirut: The Flying Cup Club (Beggars)

Ein Teenager aus New Mexico versucht sich mit den Mitteln von Balkan-Pop am französischen Chanson, und zwar auf in englischer Sprache. Das Ergebnis ist Sehnsuchtsmusik eines Landes, das es so gar nicht gibt . Harald Peters

*

Fritz Wunderlich – Die frühen Jahre 1956-1958 (Sony/BMG)

Ob neben Trude Eipperle als „Butterfly“ oder Lore Paul als „Fledermaus“-Adele: Die frühen Rundfunk-Aufnahmen von Fritz Wunderlich bilden eine Fund- (zuweilen auch Grabbel-)Kiste mit frühen Dokumenten des einzigen Tenor-Wunders aus Deutschland. Kai Luehrs-Kaiser

Diese CD bei Amazon bestellen... * Tocotronic: Kapitulation. (Vertigo Be/Universal)

Ein verstörendes Werk mit luftigen Gitarrenpop ist dem Hamburger Quartett mit dem achten Album gelungen. Es erzählt von der absoluten Niederlage - und vermittelt eine Ahnung davon, wie groß die Verzweiflung aber auch der Mut sein muss, wenn man eine bedingungslose Kapitulation eingesteht. Dirk von Lowtzow singt mit den Texten an gegen allgemeinen Optimierungszwang, eine übertriebene Steh-auf-wenn-du-am-Boden-bist-Mentalität und eine antiintellektuelle Rückkehr zu sehr konservativen Werten. Da sich Songzeilen wie "Lasst uns an alle appellieren! Wir müssen kapitulieren. Kapitulation ohohoh..." vielfältig deuten lassen, bleibt der Hörer auch irritiert zurück. Doch das regt nicht nur zum Nachdenken - und Mitwippen - an, sondern birgt auch einen gewissen Trost zum Neuanfang. Marion Meier

Diese CD bei Amazon bestellen... * Tele: Wir brauchen nichts (Universal)

So würden Tocotronic klingen, wenn sie gute Musiker wären. Tele kommen aus Freiburg und sind nach Berlin gezogen – trotzdem sind sie gut. Die Publikumslieblinge des „Bundesvision Song Contest 2007“ beweisen, dass kluge deutsche Musik nicht Schrammelrock sein muss, sondern dass sie grooven kann. Matthias Heine

Diese CD bei Amazon bestellen... * Brahms: Deutsches Requiem (EMI)

Schon wieder Rattle. Ganz ohne Tümelei, eine sachliche Totenfeier mit feiner Orchesterbegleitung. Quasthoff und Röschmann veredeln alles Fleisch zu Gras. Manuel Brug

Unsere Kritiker haben noch mehr CD-Vorschläge: