Jay-Z: American Gangster (Def Jam)
Nachdem die Blütezeit des HipHop im Grunde längst vorüber ist, präsentiert Jay-Z ein völlig unerwartet großes Werk, das all die Kardinaltugenden des Rap wunderbar verbindet: Angebertum, Selbstherrlichkeit, kühne Reime und beziehungsreiche Texte. Jay-Z hat daraus eine Erzählung über den Aufstieg eines Kleinkriminellen zum Gangsterboss geschaffen und dabei Drogenhandel mit Musikindustrie kurzgeschlossen. P.Diddy hat die meisten Tracks produziert, und zwar so fabelhaft, wie zu früheren Zeiten. Auch das ein Grund zur Wehmut. Harald Peters
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Fön: Ein bisschen plötzlich (Traumton)
Alles Gerede vom neuen Macho muss gelogen sein. Diese vier Dichtersofties aus Berlin wirken mit ihren sanften Ensemblenummern, in denen sie mit raffinierten Wortspielen ihre Alltagserfahrung bezwingen wollen, so modern, als hätten sie die gültige Variante von Boygroup gefunden. Thomas Lindemann
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Mark Wyand: Eye to Eye (Sony)
"Love Me Tender". Gespielt von einem Saxofon. Puh. Das kann doch nur die Hose gehen. Von wegen. Der in Deutschland aufgewachsene Brite Mark Wyand bläst eine der erstaunlichsten Versionen, die man je von dem Elvis-Schmachtfetzen gehört hat. Überhaupt gibt Wyand dem Genre "Jazz-Balladenalbum" eine ganz neue Bedeutung. Jederzeit klischeefrei hält der Tenorsaxofonist klug die Balance zwischen kammermusikalischer Intimität und intellektuellem Forscherdrang. Rührend, wie unlarmoyant das dem 33-Jährigen gelingt. Josef Engels
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Angelika Kirchschlager: Dein ist mein ganzes Herz (Sony BMG)
Ein Salzburger Mezzomaderl und ein englischer Bariton begeben sich auf die lange geschmähte Weise ins gelobte Operettenland. Fesch, resch und süß. Manuel Brug
Diese CD bei Amazon bestellen... * Richard Hawley: Lady’s Bridge (EMI)
Für den Briten muss die Melancholie einst in einem leergefegten Tanzsaal der fünfziger Jahre geboren worden sein, morgens um vier Uhr. Und nun gibt er den Rock ’n’ Roll als glamourösen Schmachtfetzen. Mit weicher Stimme und sanfter Gitarre begleitet Hawley die Nachteulen und unglücklich Liebenden. Diese tiefsinnigen Songs haben allesamt ein blutendes Herz. Zum Hinknien schön. Holger Kreitling
Diese CD bei Amazon bestellen... * Robert Wyatt: Comicopera (Domino)
Allein die Stimme lässt einen an alles glauben. Robert Wyatt singt eine Oper in drei Akten mit politischem Libretto und versponnener Musik. Im letzten Akt versagt ihm seine Muttersprache, die er für ein Instrument der schrecklichen Globalisierung hält. Dann singt er eben Spanisch. In der Sprache des Mestizo-Pop, der Weltrevolution und so. „Hasta siempre, comandante Ché Guevara“, singt er. Wer in Wyatt den weißbärtigen Weihnachtsmann des Pop sieht und gut zuhört, wird sogar über den baldigen Kommunismus informiert. Doch was für eine Stimme! Michael Pilz
Diese CD bei Amazon bestellen... * Soko: Soko not Sokute (Download)
Soko steht diesmal nicht für Sonderkommission, sondern für Stéphanie Sokolinski. Sie wurde im französischen Bordeaux geboren. Soko spielt nicht nur in Filmen mit, sondern macht auch Musik. Den Song "I'll kill her", mit dem sie schlagartig im Internet bekannt wurde, soll sie nach einer Trennung von ihrem früheren Partner von "The Sokos" aufgenommen haben: Selten wurde die schockierte Fassungslosigkeit eines Mädchens, der von einer anderen der Freund ausgespannt wurde, so charmant gesungen: unschuldig und gleichzeitig zur äußersten Rache entschlossen. Morbide Texte auf Englisch mit einem aufreizenden französischen Akzent à la France Galle gesungen - Vorsicht, zuckersüß! Marion Meier
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Beirut: The Flying Club Cup (4 AD)
Nach dem Pseudo-Balkanfolk von „The Gulag Orkestar“ bastelt der Amerikaner Zach Condon weiter an seinem ganz privaten Phantasie-Europa. Diesmal macht er Pseudo-Frankreichfolk, der trotz einiger Akkordeons überhaupt nicht französisch klingt. Mit dem schönsten Lied über meine französische Lieblingsstadt Nantes seit der seligen Barbara. Matthias Heine
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Truls Mork: Chopin-Nocturnes (Virgin)
Wer braucht Neu-Arrangements bekannter Chopin-Stücke für Cello und Klavier? Antwort: Wer nicht?! Zumindest wenn so dezent gelitten und geweint wird bei Truls Mork (Cello) und Kathryn Scott (Klavier)?! Ihre neue CD ist so überflüssig wie schön. Ideal zum Tee. Kai Luehrs-Kaiser
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