Germany's next Topmodel

Zu sexy – Klum wirft Küken Sarina aus dem Nest

Nach Shootings bei Kälte und Hitze stand den Kandidatinnen von "Germany's next Topmodel" der Härtetest bevor: Wie kann man sich lasziv unter Rosenblättern räkeln, ohne die Phantasie männlicher Zuschauer zu beflügeln? An dieser Aufgabe sollte ausgerechnet eine besonders ambitionierte Bewerberin scheitern.

Eine Slipeinlage. Das war das erste, was einem zu Sarina einfiel. Lippen wie ein Schlauchboot. Und seit gestern auch noch: Rotz und Wasser.

Die 16-Jährige flog aus dem Rennen um den Titel „Germany’s Next Top Model“ (GNTM), die Tränen, die sie darüber vergoss, hätten ausgereicht, um die Sahel-Zone in einen blühenden Garten Eden zu verwandeln. Ein Jammer bloß, dass die Regie dieser Sintflut schon eine ganz andere Rolle zugedacht hatte.

Die Krise, sie hat jetzt auch jene deutsche TV-Show eingeholt, die einmal als Pisa-Test der Generation Lillifee in die Geschichte eingehen wird. Ob Heidi Klum den Mädchen zum gefühlten 33 000. Male eimbimst, wie man den Sex-Appeal richtig dosiert, oder in Ovelgönne wird das 1.000 000. Auto abgewrackt, das dürfte außer alleinstehenden älteren Herren und Bravo-Leserinnen kaum noch jemanden interessieren.

Weshalb sich Heidi und ihre Heinzelmänner jetzt offenbar dazu genötigt sahen, die Tür zu ihrem Miss-Wet-T-Shirt-Contest de luxe wenigstens einen Spaltbreit zu öffnen, um die Realität hereinzulassen. Und sei es auch nur in Gestalt einer Sintflut, die dekorativ Sarinas Make-up zerstören durfte.

Das Leben, lernt der geneigte Zuschauer, ist eben kein Bett aus roten Rosenblättern. Und wer wie Sarina & Co. doch einmal die Gelegenheit hat, sich zum Foto-Shooting wie einst Mena Suvari in der berühmten Szene aus dem oscar-gekrönten Kinofilm American Beauty nackt auf einem solchen zu fläzen, der sollte nicht nur darauf achten, dass die Blätter die richtigen Stellen bedecken.

Er muss seine Extremitäten auch im richtigen Winkel anordnen. Es könnte sonst passieren, dass es dem Betrachter der Fotos hinterher so geht wie dem Starfotografen Russell James. Der kommentierte den Anblick der mit grotesk abgewinkelten Beinen daliegenden Sarina mit den Worten: „Du siehst aus, als hättest du einen Verkehrsunfall gehabt.“

Eine hübsche Metapher, in der sich die ganze Tragik des menschlichen Lebens im allgemeinen und der Castingshow GNTM insbesondere widerspiegelt.

Wenn GNTM so etwas wie eine Massenkarambolage ist, dann ist Heidi Klum die Herrin über Leben und Schrott. Sie entscheidet, welche Autos abgewrackt werden und welche erst in der nächsten Runde in die Unfallstelle rasen müssen.

In ihrem Job kommt sie ohne Schwacke-Liste aus. Die Geschäftsfrau verlässt sich lieber auf ihren Instinkt. Und der sagte ihr, dass Sarina mit ihren 16 Jahren vielleicht doch noch zu jung ist, um der Klum GmbH das Geld einzuspielen, das man in sie investiert hatte.

So etwas spricht sie natürlich nicht offen aus. Auch Heidi hat ein Herz, wenn auch am falschen Fleck. Und so wurde die Lolita aus Uelzen mit der fadenscheinigen Begründung abgewrackt, sie sei für ihr Alter entschieden zu sexy.

Es ist eben gar nicht so leicht, sich im Eva-Kostüm so unter Rosenblättern zu räkeln, dass man die Phantasien der schon eingangs erwähnten älteren Herren eher in Richtung Kleingarten als in Richtung Sündenfall lenkt.

Fragen Sie Jessica. Ihr Freund hatte schon vor dem Shooting Bauchschmerzen bei dem Gedanken, dass sie sich vor Millionen Zuschauern entblößen sollte. „Ich hasse es, wenn ich daran denke, dass dir 200.000 Zuschauer auf den Arsch starren“, brüllte er durchs Telefon.

Der Regie lieferte er damit eine Steilvorlage. Wie gesagt, die Luft ist heraus aus der Show. Wie verzweifelt die Produzenten nach neuen Bildern suchten, zeigte sich gestern. Nicht nur die Mädchen mussten mit einem Heißluftballon in die Luft gehen, um an einem Bauchgürtel hängend Purzelbäume zu drehen.

Zur allgemeinen (Schaden-)Freunde seiner Jury-Kollegen musste auch Rolf abheben. Sein Genörgel scheint inzwischen sogar Heidi und Peyman zu nerven. Sicherheitshalber gingen sie in Deckung, als er wieder zurück auf dem Boden, ankündigte: „Ich muss gleich kotzen.“

Es blieb eine leere Drohung. Weshalb der Anruf von Jessicas Freund wie gerufen kam. Bot er den Produzenten doch die Gelegenheit, das Rosenbett zum Schauplatz eines Rosenkriegs zu machen, featuring Mandy. Das Mädchen mit Beinen bis zu den Ohrläppchen kam nicht darüber hinweg, dass ihr ausgerechnet die ungelenkere Jessica einen Job vor der Nase wegschnappen durfte.

Wiederholt durfte sie den Satz in Richtung ihrer zugeknöpfteren Konkurrentin abfeuern: „Wenn man das nicht will, sollte man auch nicht hier sein und anderen Mädchen die Chance stehlen.“ Ja, so war das mit Heidi, der Abwrackprämie und dem Sex-Appeal.