Entschiedenheit ist immer ein Trumpf des Musizierens gewesen. Riccardo Muti (67), Spätheimkehrer nach Berlin, spielt ihn an der Spitze der Philharmoniker mit Meisterhand aus. Gerade erst hat er sie in seinem heimatlichen Neapel dirigiert und dabei des 100. Todestages des in Neapel verstorbenen Giuseppe Martucci gedacht, Violeta Urmana sang seinen zart anrührenden siebenteiligen Zyklus "Lied der Erinnerung", da führt er sein Festtagsprogramm unter ungeheurem Jubel nun auch in der Philharmonie vor.
Hoffentlich hat er mit diesem Konzert seine stete Wiederkehr nach Berlin angekündigt. Ein Dirigent von seiner Autorität und Gradlinigkeit, seiner Schlag- und Visionskraft, seiner unverstellten Direktheit fehlt in Berlin sehr. Nach den ersten fünf Minuten war die Einzigartigkeit des Abends bereits dank Verdi und Muti entschieden. Sie spielten die Ouvertüre zu "Die Macht des Schicksals".
Diese Macht ließ sich deutlich hören und gleich bis ans ferne Ende des Konzertprogramms. Es schloss mit der C-Dur-Sinfonie Franz Schuberts, der mit der sprichwörtlichen "himmlischen Länge". Muti verstand es, "himmlische Größe" daraus zu machen. Er dirigierte sie jenseits aller romantischen Einflüsterungen in die monumentale Klassizität hinauf.
Dass er sich auf seinen Landsmann Verdi verstehen würde, war von Anfang klar. Dass Muti sich aber derart überwältigend auch auf Schubert einlassen könnte, stand im Voraus sicherlich nicht fest. Immer lässt er das riesige Streicher-Corps sich geradezu ins piano wegducken, um den milden Holzbläsereinwürfen zu angemessenem Recht zu verhelfen.



