Ja, ja, wieder einmal Klassik im Grünen. Das sagt sich so leichtfertig dahin, denn manchmal verweigert sich die Natur. Beispielsweise liebäugelt die vom Komponisten Siegfried Matthus geleitete Kammeroper Schloss Rheinsberg bereits seit geraumer Zeit mit einem bezauberndem Projekt. Demnach würde das Publikum per Boot zur legendären Remusinsel gefahren.
Dorthin hatte bereits Prinz Heinrich seine Lustreisen gemacht. Heute ist es eine Müllkippe für vorbeifahrende Boote und vor allem Naturschutzgebiet. Die Behörden standen dem Musikprojekt offen gegenüber, allerdings nisten dort der Rote Milan und der Eisvogel. Die dürfen nicht belästigt werden. Aber Genaueres wissen die Naturschützer immer erst im Juni.
Das ist zu spät fürs Opernfestival. In diesem Sommer beginnt die Kammeroper Schloss Rheinsberg am 27. Juni. Insgesamt wird es bis zum 15. August 25 Aufführungen und Konzerte geben. Erstmals steht eine Oper von Richard Wagners auf dem Programm, nämlich das Frühwerk "Das Liebesverbot". Es wird am 27. Juni konzertant im Schlosshof aufgeführt. Am 24. Juli folgt die Premiere von Benjamin Brittens "Der Raub der Lukrezia" im Schlosstheater. Die Regie führt Matthias Oldag, es dirigiert Eric Solen. Ins immergrüne Heckentheater führt die Produktion von Peter Tschaikowskys "Eugen Onegin" am 7. August.
Die Kammeroper, die mittlerweile in ihre 19. Saison geht, gilt von Anbeginn als Sprungbrett für junge Sänger. Für die ausgeschriebenen Partien wurden 41 Sänger aus 15 Ländern bei einem Internationalen Gesangswettbewerb ausgewählt. Insgesamt hatten sich rund 460 Sänger aus 41 Ländern beworben. Mancher kommt wieder zurück: Am 2. August setzt Carolin Masur, Tochter des Dirigenten Kurt Masur, die Reihe der Benefizkonzerte zugunsten des Festivals fort. Zum zweiten Mal gibt es eine Rheinsberger Sängernacht - diesmal am 11. Juli. Erwartet werden Sopranistin Anja Silja und Countertenor Jochen Kowalski. Zu hören gibt es Barockmusik im Spiegelsaal und Brahms in der Laurentiuskirche, gefolgt von Gondelliedern am See nebst Feuerwerk.
Geschäftsführer Rainer Schwarz betont, dass die Kammeroper in diesem Sommer nicht unter der Finanzkrise leide. Das Gesamtbudget von rund 1,1 Millionen Euro setzt sich zusammen aus 40 Prozent öffentlicher Förderung, 40 Prozent Eigeneinnahmen und 20 Prozent Sponsorenmitteln. In diesem Jahr sind noch alle Sponsoren mit im Boot. "Aber am Horizont ziehen bereits dunkle Wolken auf", sagt Schwarz und verweist darauf, dass im Sommer 2010 vorsorglich nur eine Premiere - Mozarts "Don Giovanni" - geplant ist.
Bereits am 13. Mai findet in der Mercedes-Welt am Berliner Salzufer ein Benefizkonzert statt: Acht Preisträger der Kammeroper und das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt geben einen Vorgeschmack aufs bevorstehende Festival. Derweil ist Festivalchef Matthus in eigener Sache aufgeregt: Am 28. Mai werden die Berliner Philharmoniker sein "Konzert für Fünf" für Bläserquintett und Orchester uraufführen. "Und Sir Simon wird selbst auf die Pauke hauen", kündigt der Komponist fröhlich an.



