Lange wird die "Verweile doch"-Skulptur auf dem Vorplatz des Deutschen Theaters (DT) nicht mehr stehen. DT-Intendant Bernd Wilms, der vor rund einem Jahr in den Ruhestand ging, hatte sie anlässlich der "Faust I"- und "II."-Inszenierungen aufstellen lassen.
Gleichzeitig war sie auch ein kulturpolitischer Kommentar. Denn Ex-Kultursenator Thomas Flierl unternahm zwei Versuche, Wilms als Intendanten abzulösen. Beide Versuche scheiterten. Einmal, weil der als Nachfolger auserkorene Schriftsteller Christoph Hein einen Rückzieher machte. Später konnte er auch Thomas Oberender nicht durchsetzen, weil ihm am Ende der Legislaturperiode der politische Rückhalt fehlte. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit bat Wilms, noch mal zwei Jahre dranzuhängen - und verpflichtet schließlich Ulrich Khuon vom Hamburger Thalia Theater als Nachfolger. Es war die erste große Personalentscheidung des Kultursenators Wowereit - und bis heute die am wenigsten umstrittene.
Gebaut wurde das Gebäude 1849/1850 von Eduard Titz als Friedrich-Wilhelm-Städtisches Theater. Der Kunstanspruch hielt sich in Grenzen, das Haus diente der reinen Unterhaltung. Zu einer Zäsur kam es 1883, als das Haus in Deutsches Theater umbenannt wurde und der Schriftsteller Adolph L'Arronge, unterstützt von einer Gruppe wohlhabender Schauspieler, anspruchsvollere Programme etablierte, indem er die volkstümlichen Stücke mit Klassikern mischte. Um die Jahrhundertwende wurden moderne Gegenwartsautoren wie Gerhart Hauptmann, August Strindberg und Arthur Schnitzler gespielt.
Ab 1905 übernahm dann der schon 1895 als Schauspieler engagierte Max Reinhardt die Leitung des Hauses, das er 1906 auch erwarb. Reinhardt ließ einen auf dem Nachbargrundstück erbauten Ballsaal zu einem weiteren Theater umbauen, das 1906 als "Kammerspiele" eröffnet wurde. Er verließ 1932 das Haus, Heinz Hilpert leitete es anschließend bis zur Schließung 1944.
Mit Lessings "Nathan der Weise" wurde das Theater 1945 wieder eröffnet. Ein Jahr später kehrte Wolfgang Langhoff aus der Schweiz zurück, er leitete als Intendant das DT bis 1963 leitete. In der DDR wurde das Theater das erste Haus der Republik. 1989 beteiligten sich Schauspieler an den Protesten gegen das Regime. Thomas Langhoff übernahm 1991 die Bühne - und den Schreibtisch seines Vaters. Wilms löste ihn 2001 ab.



