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High-School am Strand - Beverly Hills, 90210

Die Teenagerserie "Beverly Hills, 90210" war einer der größten Fernseherfolge der 90er-Jahre. So peinlich die Geschichten auch waren - der Zauber ist immer noch vorhanden. Brenda und Brandon pflegten allerdings den Stil der "modischen Verwirrung".

Foto: Paramount

Da staunen die Zwillinge Brenda und Brandon Walsh nicht schlecht: Gerade sind die beiden bodenständigen Teenager mit ihren Eltern aus dem provinziellen Minnesota nach Los Angeles gezogen, da müssen sie nicht nur feststellen, dass ihre neue Heimat bunter und aufregender ist, sondern dass ihre Mitschüler an der High School auch noch allesamt so aussehen, als würden sie in einem Musikvideo mitspielen.

Sie treffen Gleichaltrige, die Sportwagen fahren, fachkundig über Mode reden können und sich auf ihre nächsten Schönheitsoperationen freuen. Brenda und Brandon sind fasziniert, Millionen Fernsehzuschauer bald auch.

Aufregende Kulissen, ansehnliche Schauspieler

Zunächst bewegte sich das Publikumsinteresse allerdings in einem überschaubaren Rahmen. Als der amerikanische TV-Sender Fox 1990 die erste Staffel der Serie "Beverly Hills, 90210" ausstrahlte, blieb die Einschaltquote weit hinter den Erwartungen zurück. Doch statt sie sofort wieder abzusetzen, entschied Fox, mit der Serie - anders, als es in den USA ansonsten üblich ist - nicht in die Sommerpause zu gehen und zeigte die zweite Staffel gleich hinterher.

Mit durchschlagender Wirkung. "Beverly Hills, 90210" wurde bis zum Jahr 2000 gezeigt und hatte in den USA zu den besten Zeiten über 14 Millionen Zuschauer. In Deutschland, wo die Serie ab 1992 lief, waren es 2,5 Millionen. "Beverly Hills, 90210" war eine der wichtigsten TV-Serien der 90er-Jahre.

Ohne ihren stilbildenden Einfluss wären spätere Teenager-Soaps wie "O.C. California", "Dawson's Creek" und "One Tree Hill" nicht denkbar gewesen. Sie lebte von aufregenden Kulissen, ausgefeilten Geschichten und ansehnlichen Schauspielern, die stets in der neuesten Mode gekleidet war.

Die 90er-Jahre: Modische Verwirrung wird Stilmittel

So sagt es einem jedenfalls die Erinnerung. Schaut man sich heute die erste Staffel an, die jetzt endlich auf DVD erscheint, ist davon allerdings nicht mehr allzu viel zu merken. Die Dialoge sind gestelzt, das Schauspiel hölzern und die Dramaturgie meist nur behauptet.

Folge für Folge verwandeln sich Kleinigkeiten aus dem Nichts zu Problemen von existenzieller Tragweite, um kurz darauf unvermittelt in einem Happy End aufzugehen. Trinkt Brandon (Jason Priestley) auf einer Party mal ein Schlückchen zuviel, droht ihm eine ernst zu nehmende Karriere als Alkoholiker, schneidet die Mutter dem Vater zum Frühstück nicht die Grapefruit auf, sieht Brenda (Shannen Doherty) darin den eindeutigen Hinweis auf die unmittelbar bevorstehende Trennung der Eltern.

Das Stilmittel der Überreaktion wurde bei "Beverly Hills, 90210" gepflegt wie sonst nur das der modischen Verwirrung. Da sich das jugendliche Zielpublikum ebenfalls durch einen eklatanten Mangel an Stilsicherheit und Augenmaß auszeichnete, war das Identifikationspotenzial enorm.

Luke Perry war ein denkbar schlechter Schauspieler

Die Geschichten machten zwar selten Sinn, aber das machte das wirkliche Leben auch nicht. Obwohl die Serienfiguren Bewohner einer fremden, fernen Welt waren, plagten sie doch die gleichen Nöte. Große Fragen, die sich um die Liebe, das Sein und das Werden drehten, wurden ebenso thematisiert wie Ladendiebstähle, streunende Hunde, Pyjama-Partys und ungewollte Schwangerschaften. Nur Perfektion hatte in der Serie interessanterweise kaum Platz.

Man muss es fast als Geniestreich bezeichnen, dass Produzent Aaron Spelling, der zuvor mit Formaten wie "Drei Engel für Charlie" und "Denver Clan" sagenhafte Erfolge feierte, darauf bestand, den damals 25-jährigen Schauspieler Luke Perry für die Rolle des etwa zehn Jahre jüngeren Dylan zu besetzen.

Dylan war seiner Funktion nach ein Charakter, der sich aufgrund seines zerrütteten Elternhauses und einer Neigung zu Rauschdrogen stets fehl am Platze fühlte. Luke Perry war ein denkbar schlechter Schauspieler, der sich mit wenig Erfolg in die beliebte James-Dean-Pose des einsamen Rebellen zu retten versuchte. Was er auch tat, es wirkte fehl am Platze. Perry füllte seine Rolle also stets prächtig aus, unfreiwillig gab er ihr fast eine gewisse Tiefe.

Superstars, die Ohmmachtsanfälle auslösten

Auch Spellings Entscheidung, die Schulhofschönheit Donna von seiner wenig hübschen Tochter Tori verkörpern zu lassen, war so kühn wie klug. Die Figur wurde erst in letzter Sekunde in die Serie hineingeschrieben und erfüllt keinen erkennbaren Zweck. Sie ist einfach nur da, so als wollte Spelling sich absichtlich einer sinnvollen Gestaltung der Serie verschließen.

Gerade das Unfertige, das Peinliche und Bemühte übt beim Wiedersehen immer noch einen großen Reiz aus. Staunend verfolgt man das Geschehen, sieht den wirren Handlungsverläufen zu und muss dabei Respekt zollen, dass die Macher sich tapfer jeder Logik verwehrten. Selten nimmt eine Folge auf die vorherige Bezug, Charaktere, die erst umständlich eingeführt wurden, sind in der Regel dazu verdammt, gleich wieder auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden.

Sie nahmen damit das spätere Schicksal der Seriendarsteller vorweg. In den Neunzigern waren Shannen Doherty, Jason Priestley und Luke Perry Superstars, die, wo sie auftauchten, Hysterie- und Ohnmachtsanfälle auslösten. Heute sind sie fast vergessen. So wie die coolen Kinder vom Schulhof im echten Leben, die nach der Schulzeit oft hoffnungslos an Reiz und Ausstrahlung verlieren.

"Beverly Hills, 90210 - Die komplette erste Season" (Paramount)