Es gibt Momente, da glaubt man, Alex Kapranos würde am liebsten eine fesche Sohle aufs Parkett legen. Doch eine Nebenlaufbahn als John Travolta des 21. Jahrhunderts muss noch warten, zuerst hat er in der Columbiahalle seiner eigentlichen Tätigkeit nachzugehen.
Kapranos ist bekanntlich Sänger und gleichzeitig Gitarrist von Franz Ferdinand. In dieser Rolle wollten ihn am Mittwochabend die Fans im ausverkauften Tempelhofer Veranstaltungsort auch sehen. Aber schnell wird offensichtlich, dass in dieser Glasgower Band zwei Herzen schlagen. Einmal sieht man den adrett im Anzug auftretenden Leadgitarristen Nick McCarthy, wie er sein Spielgerät etwas oberhalb der Beckengegend in der Halbsenkrechten hält. So etwas hat man sonst nur bei Beat-Bands der sechziger Jahre beobachtet, und da McCarthy neuerdings auch noch in die Tasten einer altmodischen Orgel greift, verfestigt sich der Retro-Eindruck.
Schlagzeuger Paul Thomson und Bassist Bob Hardy zieht es in eine andere Richtung. Sie geben sich zurückhaltend und arbeitsam, spielen diszipliniert treibende Rhythmen und animieren Kapranos zu besagtem Hüftschwungansatz. Kommt beides zusammen wie in „What She Came For“, fühlt man sich wie beim Clubhopping, in etwa so, als gehe man erst in die Disco und danach in einen Mode-Laden. Ein typisch postmodernes Pop-Erlebnis also. Franz Ferdinand nehmen sich zwei zunächst konträr erscheinende Musikstile aus der Vergangenheit und probieren, ob sie nicht doch miteinander können. The Who und Chic unter einem Hut? Gewagt, aber es klappt. In den Songs des neuen Albums „Tonight“, in „No You Girls“ oder „Ulysses“, wirkt die Mischung so ausgereift wie nie zuvor.
In „Ulysses“ steckt auch die Partyansage des Abends. „Come on, let’s get high“, singt Kapranos da. Komisch, dass Franz Ferdinand den Song erst gegen Ende spielen. So etwas gehört eigentlich an den Anfang. Aber high waren die Fans auch vorher schon. Den Text von „Walk Away“ können sie auswendig. Natürlich wissen sie auch, wann sie die Worte „Take Me Out“ zu sagen haben. Der immer noch größte Hit der Band durfte natürlich nicht fehlen - an einem Abend, an dem die Schotten vielleicht mit Kondition (nach gut einer Stunde war schon Schluss), ganz bestimmt aber nicht mit eingängiger und ausgeklügelter Musik geizten.





