Berlin-Konzert

Wie die Pussycat Dolls den Feminismus beschwören

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Michael Hufnagel

Foto: REUTERS / Reuters

High Heels, knappe Kostüme und schwere Maschinen - der Auftritt der Pussycat Dolls in der Berliner Max-Schmeling-Halle war heiß. Wie keine andere Girlband repräsentieren die fünf "Püppis" den Feminismus des 21. Jahrhunderts. Das tröstet auch über die eine oder andere Gesangsschwäche hinweg...

Dezent auftragen ist ihre Sache wahrlich nicht. Anderen Sängerinnen genügt es völlig, wenn sie auf zwei Beinen ins Rampenlicht stolzieren können. Für die fünf Mitglieder der Pussycat Dolls müssen es schon zwei Räder sein. Zu Beginn ihres Auftritts in der Max-Schmeling-Halle rauschen sie mit Feuerstühlen auf die Bühne. Sie steigen von ihren PS-Protzen ab und lassen bestenfalls leicht bekleidet Absätze, Hüften und Hintern schwingen. „Don’t cha wish your girlfriend was hot like me“, werden sie später in einem ihrer bekanntesten Songs fragen.

Heiße Öfen, noch heißere Ladys – das gehört hier unentwirrbar zusammen. Wie keine andere Gesangsgruppe verkörpern die Pussycat Dolls den Feminismus des 21. Jahrhunderts. Ihnen geht es nicht um Frauenrechte, Gleichstellung oder politische Korrektheit, das empfinden sie als Anachronismus. Ihnen geht es allein um Demonstration von Selbstbewusstsein durch offensive Zurschaustellung der Weiblichkeit. „Doll Domination“ lautet dazu das Motto des Abends, was man am besten mit Herrschaft der Püppchen übersetzt.

Ein bisschen Humor muss sein, aber diese Miezen meinen es auch ernst. Ursprünglich hatte man die Pussycat Dolls als tanzende Showtruppe konzipiert, was man heute noch an überaus sportlich und körperbetont wirkenden Choreografien erkennen kann. Stars wie Madonna, Pink oder Gwen Stefani müssen für ihre Tourneen eigens Tanzschritte einstudieren, bei den Pussycat Dolls hat man dagegen den Eindruck, als gehöre die Gymnastikstunde zum natürlichen Lebensrhythmus. Geschmeidig und graziös gleiten sie über die Bühne, oft unterstützt von männlichen Animateuren.

Als Popband macht das Quintett aber nur bedingt eine gute Figur. Nicole Scherzinger und Melody Thornton heben sich als Vorsängerinnen ab, doch die Musik kommt fast gänzlich vom Band. Diesen Mangel versucht man durch zwei Perkussionisten, pyrotechnische Effekte und visuelle Bonmots von der Leinwand zu übertünchen, aber unter einem echten Live-Konzert stellt man sich etwas Anderes vor. Ein paar echte Hingucker, eine Reihe ordentlicher Hits („Don’t Cha“, „I Hate This Part“, „I Don’t Need A Man“) – das war’s. Für die Vorherrschaft der Püppchen reicht das nicht.