Ob er mit dem Berliner Staatsschauspieler Carl Raddatz verwandt sei, wisse er nicht, sagt Peter F. Raddatz (56). Bislang habe ihn auch noch keiner danach gefragt. Aber demnächst zieht der Betriebswirt, derzeit noch geschäftsführender Intendant der Bühnen Köln, mitsamt Frau und drei Kindern von Hamburg nach Berlin.

Morgenpost Online: Verkündet wurde, dass Sie am 1. September Ihr Amt in Berlin antreten. Hoffentlich ist bei Ihnen - im Gegensatz zum neuen Staatsopern-Intendanten Flimm - die Vertragsauflösung in Köln bereits besprochen?

Peter F. Raddatz: Mein Vertrag läuft bis 2012, aber ich hatte im Vorfeld mit dem Kulturdezernenten und dem Oberbürgermeister gesprochen, ob eine vorzeitige Vertragsauflösung möglich ist. Das wurde bejaht. Nach dem Missgeschick mit Flimm habe ich mir das extra auch noch mal zwei Stunden vor der Sitzung des Stiftungsrates in Berlin aus Köln bestätigen lassen. Glauben Sie mir, ich werde am 1. 9. in Berlin sein!

Morgenpost Online: Zufälligerweise ist Ihr Kulturdezernent der frühere Berliner Staatsopern-Intendant Georg Quander. Hat er Sie vermittelt?

Raddatz: Nein.

Morgenpost Online: Aber beraten?

Raddatz: Nein, nein, ich habe ihn erst am Donnerstag über sein Büro in Kenntnis gesetzt, wie der Stand jetzt ist. Wir wollen uns in der kommenden Woche treffen, wenn er aus dem Urlaub zurück ist.

Morgenpost Online: Wer hat Sie dann angesprochen? Und wann war das?

Raddatz: Das war, glaube ich, Anfang November. Das erste Gespräch hat in lockerer Atmosphäre stattgefunden. Eher zufällig wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könne, meinen Lebensabend in Berlin zu verbringen. Ich arbeite jetzt in Köln, wohne in Hamburg. Und ich sagte, ich könne mir das total gut vorstellen. Ich war in letzter Zeit häufig in Berlin und habe mich immer wohler gefühlt. Dann kam das Angebot für den Generaldirektor der Opernstiftung. Dann haben wir, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, der Kulturstaatssekretär André Schmitz und ich, eine Weile überlegt.

Morgenpost Online: Wie gut kennen Sie die Berliner Opernsituation?

Raddatz: Das ist natürlich schwer zu beurteilen, wenn man in Hamburg oder Köln sitzt. Deshalb will ich aus der Distanz keine oberflächliche Beurteilung abgeben. Das maße ich mir nicht an.

Morgenpost Online: Sie wissen, dass Ihre beiden Vorgänger nur zwei Jahre im Amt geblieben sind?

Raddatz: Mein Vorgänger war Michael Schindhelm, der ein tolles Angebot aus Dubai bekommen hat. Dass er das angenommen hat, kann ich verstehen, das bekommt man wohl nur einmal im Leben. Und dazwischen war das Amt nur kommissarisch besetzt - und allen war klar, dass ein Neuer kommen wird.

Morgenpost Online: Sie sind in Berlin ein unbeschriebenes Blatt...

Raddatz: ...aber ich hoffe nicht in der Republik und vor allem nicht im schlüpfrigen Gewerbe Theater.

Morgenpost Online: Wie ist Ihr Führungsstil?

Raddatz: Ich bin Mitglied der Kölner Theater-Fußball-Mannschaft. Ich habe gerade eine Mail an meine Mitarbeiter geschrieben und ihnen mitgeteilt, dass ich jetzt weggehe. Auch, dass das einzige, was in den acht Jahren bedauert habe, ist, dass wir nie Theater-Fußballmeister geworden sind. Nur Vize. Das wurmt mich. Mannschaftskollegen haben mir zurück geschrieben, am 6. Juli würden die nächsten Meisterschaften in Essen stattfinden. Ich darf mitspielen und sie haben mir versprochen, dass wir dann Deutscher Theater-Fußballmeister werden. Ich bin auf jeden Fall ein Team-Player. Es steckt wohl auch in meiner Biografie, ich bin mit sechs Geschwistern aufgewachsen, und da kann man nicht sehr egoistisch sein - sondern muss sich alles teilen.

Morgenpost Online: Haben Sie künstlerische Ambitionen?

Raddatz: Angefangen habe ich bei der kleinen Landesbühne in Niedersachsen, wo man als Verwaltungsdirektor im Prinzip alles machen musste. Die Buchhaltung, die Kasse - und dann durfte ich nach dem normalen Bürodienst auch noch in den Bus steigen und in einer Nebenrolle bei "Sunnyboy" auf der Bühne stehen. Meine Erkenntnis: Das ist nichts für mich!

Morgenpost Online: Sie werden also niemals in Berlin Opern komponieren, dirigieren, inszenieren?

Raddatz: Nein. Das ist nicht mein Part.

Morgenpost Online: Was ist Ihr Part in der Opernstiftung?

Raddatz: Das ist doch klar. Der Generaldirektor ist der Vorsitzende des Stiftungsvorstandes. Dazu gehören die drei Opernhäuser, das Staatsballett, der Bühnenservice. Jeder trägt die eigene Verantwortung und pflegt sein eigenes künstlerisches Profil. Im operativen Geschäft arbeiten sie komplett selbstständig. Daran wird sich nichts ändern.

Morgenpost Online: Haben Sie schon mit den Intendanten gesprochen?

Raddatz: Nein, jedenfalls nicht, seit ich am Mittwoch zum Generaldirektor ernannt wurde. Es gab lediglich ein bisschen Smalltalk auf dem Flur. Ich denke, dass ich ab Februar die Gespräche suchen werde. Mein erster Gesprächspartner wird sicherlich Herr Rosinski sein. Der zweite Herr Grunow vom Personalrat.

Morgenpost Online: Sie sind studierter Betriebswirt und haben eigentlich im Schauspiel begonnen?

Raddatz: Nein, nach meinem Studium habe ich 1981 im Bundesministerium für Finanzen angefangen. Der Leiter des Ministerbüros war seinerzeit übrigens Thilo Sarrazin. Es war ganz lustig, als wir uns jetzt darüber ausgetauscht haben und uns an diesen und jenen erinnern konnten.

Morgenpost Online: Aber die ersten Stationen waren das Schauspiel. Lieben Sie Oper?

Raddatz: Das klingt mir zu pathetisch. Ich liebe meine Frau und meine Kinder. Aber ich habe eine gleich große Zuneigung zur Oper und zum Schauspiel.

Morgenpost Online: Was war die letzte Oper, die Sie in Berlin gesehen haben?

Raddatz: "Kiss me Kate" an der Komischen Oper. Ich habe einiges nachzuholen.