Ina Müller

„Die Männer sollen mir ruhig die Tür aufhalten"

Mit ihren charmanten Frotzeleien hat „Land & Liebe"-Moderatorin Ina Müller noch jeden Gesprächspartner aufgetaut. Morgenpost Online sprach mit ihr über neue Fernseh-Formate und Fußball, ihre Kindheit auf einem Bauernhof und ihre Wünsche im Alter. Und über verunsicherte Männer.

Foto: DPA

Eine Frau mit echten Entertainer-Qualitäten: Elf Jahre war Ina Müller eine Hälfte des Kabarett-Duos Queen Bee. Nun ist sie solo erfolgreich. Im NDR-Fernsehen moderiert die 42-Jährige „Inas Norden“, den Musik- und Talkmix „Inas Nacht“ sowie die Kuppelshow „Land & Liebe“, die viel charmanter daher kommt als das RTL-Äquivalent „Bauer sucht Frau“. Mit ihrer Tournee zum Album „Weiblich. Ledig. 40“ sorgt die Sängerin Müller für ausverkaufte Hallen, und auch ihre plattdeutschen Lieder und Bücher finden ein großes Publikum.

Morgenpost Online: Frau Müller, momentan arbeiten Sie ziemlich viel fürs Fernsehen.

Ina Müller: Ja, und wenn’s danach ginge, was ich möchte, würde ich noch viel mehr Fernsehen machen. Das ist extrem schwer, sich da immer wieder für oder gegen etwas zu entscheiden.

Morgenpost Online: Sie sind 320 Tage im Jahr unterwegs. Woher nehmen Sie die Energie?

Müller: Weiß ich nicht. Im Moment ist nicht mehr soviel nach, wenn ich ehrlich bin. Ich zieh diesen Stiefel jetzt seit eineinhalb Jahren durch und kann auf nichts verzichten, weil alles so’n Spaß macht. Man muss halt auf sein Privatleben verzichten, aber das geht notfalls auch ’ne Zeitlang. Außerdem glaub’ ich, dass mir die Sachen auch Energie geben.

Morgenpost Online: Über Ihren frechen norddeutschen Schnack wird auch in Süddeutschland gelacht. Angenommen, ARD-Programmdirektor Günter Struve bietet Ihnen eine Show im Ersten an. Was würden Sie sagen?

Müller: Ich würde ja sagen.

Morgenpost Online: Kurz und knapp.

Müller: Ja, weil ich nicht nur das Erste toll, sondern Struve auch nett finde. Ich würde ja sagen, wenn mir das Konzept gefällt. Und sofort nein, wenn es mir nicht gefällt.

Morgenpost Online: Sie sind als vierte von fünf Töchtern auf einem Bauernhof im Landkreis Cuxhaven aufgewachsen. Kommt daher Ihre Liebe zur plattdeutschen Sprache?

Müller: Die Liebe zur plattdeutschen Sprache kam mit der Muttermilch, weil wir zu Hause nur Platt gesprochen haben. Zwischendurch hab ich das Plattdeutsche aber gehasst, in der Pubertät war das ganz schlimm. Aber irgendwann hab’ ich mit der Bühne auch diese Liebe wieder gefunden, als ich merkte, wie toll das Publikum plattdeutsche Songs findet. Das wurde dann ein bisschen zur Leidenschaft. Plattdeutsch sind einfach meine Wurzeln, und Plattdeutsch ist einfach ’ne unheimlich schöne Sprache. Lässt sich auch viel besser singen als Hochdeutsch. Ein plattdeutsches Album könnte ich auch selber schreiben.

Morgenpost Online: Und Hochdeutsch?

Müller: Hochdeutsch hol ich mir halt Hilfe von Frank Ramond. Weil: Das kann ich nicht. Ich glaube, ich bin auch nicht so recht in der Lage, schleimige Texte von mir selber zu singen. Wenn mir jemand anderes ’nen schleimigen Text schreibt, dann sag ich: Der ist aber schön. Und sing’ den auch.

Aber eigene Texte, das ist, glaub’ ich, zu nah dran. Meine eigenen Texte, die schmeiß’ ich immer gleich weg. Ich schreib’ die abends, und dann les’ ich das morgens und denk’ ogottogottogott. Was eigentlich ’n bisschen schade ist, da müsste ich vielleicht mutiger sein.

Morgenpost Online: Dabei Sind Sie doch so mutig. Etwa in Ihrer Kuppelshow „Land & Liebe“, in der Sie den Kandidaten immer ganz locker und frech begegnen. Ist das nur Ihr Verdienst, dass auch die Kandidaten aus sich rauskommen, oder wird beim Casting Wert auf deren Schlagfertigkeit gelegt?

Müller: Überhaupt nicht. Beim Casting wird extrem darauf geachtet, dass die Mischung stimmt. Wir würden nicht drei ältere Männer oder drei jüngere Männer nehmen. Es muss auch ’ne Frau dabei sein. Der Markt ist voll mit Frauen um die 50, die ’nen Mann suchen. Egal, ob aufm Dorf oder in der Stadt. Unsere Kandidaten müssen aber auch eine reelle Chance haben, jemanden zu finden. Wir machen da aber keine Action. Und wenn mal die Kühe umgetrieben werden müssen, dann helfen wir auch dabei, ohne dass die Kamera an ist.

Morgenpost Online: War das Ihre Idee, dass auch Frauen mitmachen, die Männer suchen?

Müller: Dass war allen von Anfang klar, darüber wurde überhaupt nicht gesprochen.

Morgenpost Online: Haben Sie schon mal bei RTL „Bauer sucht Frau“ gesehen?

Müller: Nein, aber nicht weil ich es nicht gucken wollte, sondern weil ich nie zu Hause war. Ich hab’ neulich zu jemandem gesagt, ich werde das Samstag mal gucken. Bis ich aufgeklärt wurde, das kommt gar nicht samstags, sondern montags.

Morgenpost Online: Die Quote steigt von Woche zu Woche. Zu Beginn der neuen Staffel war die Sendung noch okay, aber inzwischen wirkt das Ganze doch sehr künstlich.

Müller: Gucken Sie das denn, weil es Sie unterhält oder weil Sie das Phänomen verstehen möchten?

Morgenpost Online: Ääh, aus beruflichen Gründen.

Müller: Wenn ich jetzt den Erfolg der Sendung sehe, glaube ich, es wird mit den Kuppelsendungen ähnlich laufen wie mit den Kochshows.

Morgenpost Online: Das ZDF plant, im nächsten Jahr die Sendung „Ossi sucht Frau“ zu starten.

Müller: Ich weiß, dass es Recherchen gibt, welche Gruppen ebenfalls schwer zu vermitteln sind. Es sollen dabei sein: Leichenwäscher und Prostituierte. Ich glaube, wir können uns auf einige Fernseh-Formate im nächsten Jahr freuen. Ich sage dann immer gern den Satz: Es lebe die Musik. (lacht laut)

Morgenpost Online: Genau, Musik! In Ihren Liedern thematisieren Sie häufig Rollenbilder. Im Song „Dumm kickt gut“ etwa besingen Sie einfache Männer mit schlichtem Gemüt, „etwas unterbelichtet, aber groß und adrett, die nicht ganz so helle sind, aber echt gut im Bett“.

Müller: Das ist natürlich völlig überspitzt. Es soll provozieren, damit ihr sagt: Wie ist die denn drauf, die spinnt wohl. Ich kann mir jetzt auch Ihre nächste Frage vorstellen: Wollen Sie wirklich, dass die Männer wieder so sind?

Morgenpost Online: Das hätte ich gar nicht gefragt.

Müller: Was hätten Sie denn gefragt?

Morgenpost Online: Meinen Sie, dass uns Männern oft der Kopf im Weg steht?

Müller: Nee, ich glaube, dass wir Frauen euch oft im Weg stehen. Ich glaube, wir haben uns damals nicht klar genug ausgedrückt, als wird gesagt haben: Werdet doch mal anders, werdet doch ein bisschen mehr wie wir, aber nicht zu sehr wie wir. Natürlich möchte ich nicht wieder den Neandertaler, der die Frau an den Haaren durch die Höhle zieht. Ich möchte aber wieder ein normales Mann-Frau-Verhältnis beim Flirten. Die sollen mir ruhig wieder die Tür aufhalten. Wenn ich im Zug aufsteh’, dann sollen die mich vorlassen, mir helfen und den Koffer rausstellen. Der Mann tut mir in seiner Rolle manchmal auch ein bisschen leid. Ich glaub, er weiß selber nicht mehr, wie er sein soll.

Morgenpost Online: Als Gast der WDR-Sendung „Zimmer frei“ haben Sie sich neulich als Fußball-Fan geoutet. Ihr Lieblingsclub ist Bayern München. Und das als Norddeutsche?

Müller: Bayern München hat sich dadurch ergeben, dass ich lange in München gelebt hab’. Ich mag Uli Hoeneß. Ich hab immer Fotos dabei, als ich die ganze Mannschaft in Bremen getroffen hab’. Ich mit Franck Ribéry. Darf ich Ihnen das Foto zeigen, ich bin so stolz drauf.

Morgenpost Online: Gern.

Müller: Und Sie sind HSV-Fan? (Das Interview fand in Hamburg statt.)

Morgenpost Online: Genau, und wie ist es bei Ihnen mit dem HSV?

Müller: Ich finde den HSV auch ganz gut. Aber jetzt gucken Sie mal (Müller zeigt das Foto, auf dem sie lächelt, während Ribéry neben ihr – wie meistens – keine Miene verzieht). Sehen Sie, wie aufgeregt ich bin? Wenn der sich so freut und um das Tor rumläuft und mit seinen Füßen nach rechts und links ausschlägt, dann mag ich den so. Ich bin so froh, dass der mir den Schmerz von Mehmet Scholls Abschied nimmt.

Morgenpost Online: Bleiben wir beim Thema Männer. Sie haben mal gesagt: Samstags gemeinsam auf den Markt, dann zusammen ’nen Latte Macchiato, dann jeder allein zum Sport, anschließend wieder zusammen auf die Couch – das sei unsexy und mache die Liebe kaputt. Mögen Sie nicht mal samstags zusammen die „Sportschau“ sehen?

Müller: Doch, aber ich möchte vorher nicht zusammen auf dem Markt gewesen sein. Ich hab’ das gerne so durchgezogen: Rüber zum Senator (die Gaststätte Zum Alten Senator in Hamburg ist Müllers Stammlokal), zwei frisch gezapfte Bier holen und dann aufm Sofa zusammen „Sportschau“ gucken. Das find’ ich schön. Der Rest ist halt nichts für mich. Also etwa: Der Mann trägt den Weidenkorb, und man läuft über den Ökomarkt, um gute Nahrung einzukaufen. Es gibt so Pärchen-Attitüden, die mir nie gelegen haben und die mir auch nie liegen werden. Zusammenziehen an sich halte ich für einen sehr schwierigen Prozess. Ich glaube eher, dass man sich damit beschäftigen sollte, die Liebe am Leben zu halten. Und ich glaube, das funktioniert nicht durch zu viel Nähe.

Morgenpost Online: Noch ein Zitat von Ihnen: „Im Alter möchte ich so viel Geld haben, dass ich einen jungen Mann bezahlen kann, der mir Getränke bringt und liebevoll über das Gesicht streicht.“ Ihre Vorstellung von Familienersatz im Alter?

Müller: Also, ich als Frau über 40, die bewusst keine Familie in dem Sinne Kinder will, ich hab natürlich auch den Traum, irgendwann den Mann zu finden, den ich so doll liebe und wo das alles ganz toll funktioniert. Diesen Traum muss man haben, sonst könnte man sich ja auch umbringen.

Was die Zukunft betrifft: Keiner weiß, was sie bringt, keiner weiß, was der Euro noch wert ist. Deswegen mach’ ich mit meinem Geld so drei Häufchen. Eins ist fürs Alter, und davon hoffe ich bezahlen zu können, dass mir jemand was zu trinken bringt. Jung hab’ ich nur gesagt, weil man sucht, glaube ich, den Kontakt zu Menschen, die einfach noch jünger sind. Und übers Gesicht streichen, na ja, was erwartet man mit 75 vom Leben, wenn wir mal ehrlich sind, außer dass dir noch mal jemand übers Gesicht streicht? Männer sehen das, glaub’ ich, manchmal anders. Die können sich in dem Alter durchaus vorstellen, noch mal loszulegen. Ich bin da realistisch.