Über diese Farce hat auch Berlin schon Meere von Tränen gelacht. Besonders die Inszenierung von B.K. Tragelehn, die aus München ins Schlosspark-Theater übernommen wurde, dann mit den beiden Darsteller-Clowns Heinz Kraehkamp und Michael Altmann beinahe jahrzehntelang tourte und immer wieder in Berlin Station machte, war zum Schreien komisch und dabei artistisch perfekt.
"Das Ende vom Anfang" zeigt, wohin es führt, wenn ein Mann die häusliche Arbeit seiner Frau kleinredet und meint, er könnte sie selbst mit links erledigen. Lizzie Berrill jedenfalls hat die Nase voll von der ewigen Meckerei ihres Gatten. Sie geht aus dem Haus, um die Wiese zu mähen. Soll ihr Darry doch sehen, wie er mit der Arbeit in Haus, Stall und Küche zurechtkommt.
Das (in Deutschland meistgespielte) Stück des großen irischen Dramatikers Sean O'Casey ist eine einzige Katastrophe. Erst schneit Darrys Freund Barry (Jürgen Bierfreund) ins Haus. Der ist so kurzsichtig, dass er die Lampe mit der Uhr verwechselt. Der eine der Männer rennt sich die Nase blutig, der andere schneidet sich den halben Finger ab, sein Freund reißt ihm gleich den Rest weg. Erst wird nur ein Porzellankännchen mit dem Schnitzelklopper zerdeppert. Am Schluss gleicht die Stube einer Mischung aus Pompeji und Gomorrha. Die beiden haben die draußen grasende Kuh an einem Strick festgemacht, den sie geradewegs durch den Kamin führten. Wenn die Frau am Ende zurückkehrt, muss sie sich glatt sagen lassen, dass sie es sei, die nie etwas richtig macht.
Seltsamerweise lässt der britische Regisseur Benjamin Knight diese Lizzie (Annette Daugardt) mit einem Putzfimmel und hygienischer Sorglosigkeit nicht gerade emanzipiert, sondern eher schrullig aussehen. Sehr irisch sieht das Inventar jetzt in der Vaganten Bühne nicht gerade aus. Und Richard Scheunemann, als Lizzies fülliger Mann, hat schon eher ein berlinisch gefärbtes Timbre. Und so wie er den Küchenwecker auseinander nimmt und wieder zusammenhaut, lässt Knight auch keine akrobatisch raffinierte Feinmechaniker-Komödie spielen. Aber auch als saftiger, mitunter absurd gefärbter Schwank wird ein ordentlicher Spaß aus der Geschichte. Übersetzung: Johanna und Martin Walser. Zuschauer mit Hang zur Schadenfreude kommen voll auf ihre Kosten. Gespielt wird "Das Ende vom Anfang" auch zu Silvester.
Vaganten Bühne, Kantstr. 12 a, Charlottenburg. Tel. 312 45 29. Termine: heute und morgen, 16.-19., 27., 28. und 31. Dezember.


