Andere Berliner Theater wie das Berliner Ensemble, das Maxim Gorki oder auch das Renaissance Theater haben dafür deutlich zugelegt. Von einer Theatermüdigkeit des Publikums kann man also nicht sprechen.

Nach dem Morgenpost Online vorliegenden Quartalsbericht für das erste Halbjahr 2008, den der Senat dem Abgeordnetenhaus vorgelegt hat, liegt das Berliner Ensemble (BE) in der Zuschauergunst mit 98.700 verkauften Tickets oben. Damit zählt das von Claus Peymann geleitete Haus gut 3000 Besucher mehr als im Vorjahreszeitraum. Das BE kommt auf eine Auslastung von 78 Prozent.

In die Statistik des Senats fließen allerdings nur verkaufte Karten ein, die faktische Auslastung liegt also noch etwas höher. Und erfasst werden nur die bezuschussten Bühnen. Deshalb fehlen Theater und Komödie am Kurfürstendamm, die nach eigenen Angaben im ersten Halbjahr 108.000 Zuschauer hatten und damit auf eine Auslastung von 51 Prozent kommen.

Dem BE auf den Fersen ist das Deutsche Theater (DT): 89.600 Tickets wurden abgesetzt, die Auslastung liegt bei beachtlichen 80 Prozent - und damit höher als bei den Kollegen vom Schiffbauerdamm. Möglicherweise hätte das DT Peymann überholt, wenn die Sanierungsarbeiten nicht Mitte Mai begonnen hätten und dadurch keine Vorstellungen mehr im Deutschen Theater stattfanden. Die Schließung erklärt auch den Rückgang der Besucherzahlen im ersten Halbjahr um etwa 8000.

Auslastung in der Volksbühne bei 63 Prozent

Eine große Lücke klafft zwischen BE und DT und den beiden anderen großen Sprechtheatern, die in derselben Liga spielen: Volksbühne und Schaubühne haben viele Zuschauer verloren. Das von Frank Castorf geleitete Haus am Rosa-Luxemburg-Platz musste einen Rückgang der Ticketverkäufe um fast 18.000 auf 59.600 hinnehmen. Das lässt sich nicht mit dem Ausfall der Spielstätte Prater allein erklären. Schließlich hatte die Volksbühne selbst in ihrem Wirtschaftsplan mit 14.000 verkauften Karten mehr kalkuliert. Offenbar schlägt die künstlerische Krise in diesem Theater sich jetzt auf die Zuschauerzahlen nieder. Die Auslastung liegt im ersten Halbjahr bei nur noch 63 Prozent.

Auch die Schaubühne hat ihr eigenes Ziel deutlich verfehlt. 43.000 zahlende Zuschauer gab es laut Quartalsbericht, ein Rückgang um fast 16.000. In der Auslastung schlug sich das nicht so dramatisch nieder: Weil weniger Plätze angeboten wurden, sank die lediglich von 75 auf 71 Prozent.

Erfreuliche Zahlen beim Maxim GorkiTheater

Folgen hat der Zuschauereinbruch aber im internen Theater-Ranking. Da verlor das von Thomas Ostermeier künstlerisch geleitete Haus den fünften Platz an das Maxim Gorki Theater. An Berlins kleinstem Staatstheater kann sich Intendant Armin Petras über ein deutliches Besucherplus freuen: Die Zahl der verkauften Karten stieg um knapp 5000 auf 48.400, die Auslastung auf 71 Prozent.

Einen vergleichbaren Sprung in der Publikumsgunst kann auch das Renaissance Theater verbuchen. Die Bühne verkaufte mit 41.700 Karten gut 5500 mehr, die Auslastung stieg auf 66 Prozent. Ebenfalls in diesem Bereich liegen die Kinder- und Jugendtheater: Das Theater an der Parkaue (78 Prozent Auslastung) setzte im ersten Halbjahr 41 800 Karten ab - knapp 3000 weniger -, das Grips Theater 38.400 und damit satte 8000 weniger. Als eine Ursache nennt das Grips den BVG-Streik: Allein zehn ausverkaufte Vorstellungen für 4500 Grundschüler seien ausgefallen.