Dabei ist nicht einmal sicher, ob Alexandre Dumas père (der Autor der "Drei Musketiere") tatsächlich persönlich dieses Stück verfasst hat, das Schwank und Melodram in einem ist. In den letzten Jahrzehnten sah man vor allem die Bearbeitung von Jean-Paul Sartre. Die Volksbühne behauptet jetzt, Frank Castorf habe die Krachschote "wiederentdeckt".
Hauptfigur ist der englische Ausnahmeschauspieler und Shakespeare-Darsteller Edmund Kean (1787-1833). Der Mann ist das Objekt der Begierde gleich mehrerer Damen. Nicht nur akustisch und sprechtechnisch leidet der Abend an Verständlichkeit. Wie gehabt, schrillen und schreien die Frauen lange hysterisch aufgezwirbelte und manierierte Litaneien und Tiraden. Das Leiden Keans, dass er als Künstler vergöttert, gesellschaftlich aber beiseite geschoben wird, spielt hier nur eine untergeordnete Rolle. Dafür zeigt der geübte "Othello"-Spieler Alexander Scheer, was es heißt, buchstäblich die Wände hochzugehen.
Vor ein paar Jahren hat Frank Castorf am selben Tatort den Schwank aller Schwänke, Laufs' und Jacobys "Pension Schöller", mit Heiner Müllers "Schlacht" verschnitten. Diesmal vermengt Castorf nun Dumas mit Heiner Müllers "Hamletmaschine". Die Lustigkeit erstarrt zu Sülze. Da verschmilzt der tiefe Lebens- und Berufsfrust von Kean mit dem sprechenden Hamlet-Ich in Müllers "schwierigem" Text. Aber den großen gesellschafts- und konsumkritischen Teil macht das übrige Ensemble unter sich aus: Faxen treibend, kreischt es, in enge Pappgehäuse gezwängt, den Text mit überschlagenden Stimmen bis zur Unkenntlichkeit.
Castorf montiert sich hier seinen eigenen Trash. Zu persönlichen Reflexionen über das Theater und die eigene Arbeit langt es nicht. Weit nach Mitternacht ist endlich Schluss. Die Dauer einer Aufführung ist für Castorf erklärtermaßen ein Mittel, den Zuschauer an die kurze Leine zu nehmen. Dieser Tortur mochten sich dann aber viele doch nicht aussetzen und suchten schon zur, ebenfalls recht späten, Pause das Weite.


