Kino

Aus dem Ruhestand zurück – "Die Mumie 3"

In Amerika ist "Die Mumie - Das Grabmal des Drachenkaisers" bereits ein Kassenknüller. Jetzt läuft der Film in Deutschland an. Diesmal kämpft Brendan Fraser in Shanghai gegen Chinas Kung-Fu-Superstar Jet Li, der einen legendären Kaiser spielt. Das Schauspieler-Duell hat einen klaren Sieger.

Die Abenteurer und Helden des zeitgenössischen Kinos kommen in die Jahre. Harrison Fords „Indiana Jones“ sah man vor einigen Wochen die Spuren der Zeit mehr als deutlich an. Brendan Fraser ist natürlich noch viel jünger als Ford. Aber als jugendlicher Draufgänger wie noch in den ersten beiden „Mumien“-Filmen geht auch der von ihm gespielte Abenteurer Rick O’Connell nicht mehr durch. Diese Rolle muss in Rob Cohens „Die Mumie – Das Grabmal des Drachenkaiser“ nun sein 23-jähriger Sohn Alex (Luke Ford) übernehmen.

Rick und seine große Liebe Evelyn (Maria Bello) haben sich auf einen Landsitz in England zurückgezogen. Ihr letztes großes Abenteuer liegt 14 Jahre zurück, und der Krieg, in dem sie als Agenten tätig waren, ist auch schon zwei Jahre vorbei. Aber wirklich genießen können sie ihren vorzeitigen Ruhestand nicht.


Reise nach Shanghai


Also reisen sie im Auftrag der britischen Regierung nach Shanghai. Dorthin hat es auch den in ihren übergroßen Fußstapfen wandelnden Sohn verschlagen, der nahe der Großen Mauer die von Terrakotta umhüllten sterblichen Überresten des legendären Drachenkaisers Han entdeckt hat. Die O’Connells geraten gemeinsam in die Fänge eines faschistischen Generals, der den grausamen Despoten wieder zum Leben erweckt.

Schon in den ersten beiden noch von Stephen Sommers inszenierten „Mumien“-Abenteuern hatte Brendan Frasers Charakter etwas Parodistisches. Er wurde zwar nach dem Vorbild von Indiana Jones modelliert, aber in seinem meist recht planlosen Aktionismus spiegelte sich von Anfang auch die Absurdität amerikanischer Weltherrschaftsfantasien.


Je aussichtsloser der Kampf gegen den übermächtigen Han (Jet Li) und seine faschistische Soldateska erscheint, desto deutlicher verschiebt sich der Fokus der Geschichte weg von den O’Connells hin zu der mehr als 2000 Jahre alten Zauberin Zi Yuan (Michelle Yeoh) und ihrer Tochter Lin (Isabella Leong). Zi Yuan hatte einst den Drachenkaiser samt Armee verflucht und in Terrakotta-Statuen verwandelt. Und nun sind die beiden Zauberinnen die Einzigen, die Han stoppen können.


In gewisser Weise übernehmen sie die Helfer-Funktion, die Ardeth Bay und seine Wüstenkrieger in den ersten beiden „Mumien“-Teilen hatten. Jedoch, sie sind weitaus aktiver und unverzichtbar für die O’Connells.

Yeoh, Leong und Li stehlen den West-Stars die Schau

Cohen bricht hier also endlich einmal mit der rassistischen Grundtendenz des noch ganz von den Werten und Vorstellungen der Kolonialzeit geprägten Abenteuergenres. Dazu passt auch, dass Michelle Yeoh, Isabella Leong und Jet Li ihren westlichen Co-Stars regelrecht die Schau stellen. Im Vergleich zu ihnen wirken Brendan Fraser und Luke Ford geradezu hölzern. Vor allem in den sehr energetischen und gleichzeitig doch altmodisch choreographierten Action-Sequenzen spürt man, dass Rick und Alex immer Dilettanten bleiben werden, die von den Frauen in ihrem Leben gerettet werden müssen.

Diesem höchst ironischen Umgang mit klassischen Heldenbildern entspricht auch der erstaunlich anarchistische Grundton dieses dritten „Mumien“-Abenteuers. Zum einen sind in seiner Welt der Fantasie keine Grenzen gesetzt. So kämpfen auf der Seite der O’Connells, Zi Yuan und Lin auch noch drei Yetis. Zum anderen ist „Die Mumie – Das Grabmal des Drachenkaiser“ ein Gegenentwurf zu all den Superhelden-Filmen dieses Jahres, in denen Übermenschen mit allen Mitteln die Ordnung aufrechterhalten.

Han und der faschistische General sprechen ständig davon, dass sie China vor dem Chaos retten wollen. Aber ihre Ordnung basiert alleine auf Ausbeutung und Terror, Tod und Unterdrückung. Und das sollte man ruhig als Rob Cohens Kommentar zu aktuellen Strömungen im amerikanischen Kino verstehen.