Kino

Mehr Rechte für Dicke! – "Kung Fu Panda"

Der schwergewichtige Panda Po träumt von Kung-Fu-Techniken. Plötzlich soll er zu einem großen Turnier und muss kämpfen lernen. Der Animations-Film "Kung Fu Panda" parodiert auf herrliche Weise die asiatischen Genre-Filme. Bärenstarker Spaß – auch wenn die Umsetzung etwas flach ist.

Der Witz des Film steckt schon im Titel. Kung-Fu erfordert Konzentration, Geschick, Fleiß und Disziplin. Pandas sind naturgemäß antriebsschwach, kugelrund und muffelig. Ein "Kung Fu Panda" ist daher ein Ding der Unmöglichkeit. Das weiß auch Po, der Panda aus dem Tal des Friedens. Insgeheim träumt er von einer strahlenden Zukunft als Kung-Fu-Kämpfer, doch dazu ist er einfach zu dick.

Sein Vater, der Ganter Mr. Ping, möchte, dass Po die traditionsreiche familieneigene Suppenküche übernimmt ("Wir sind Nudelleute. In unseren Adern fließt Suppe"), aber Pos Leidenschaft für die hohe Kunst der Nudelzubereitung hält sich in Grenzen. Manchmal hat Panda Po den Verdacht, dass sein Vater, die Gans, vielleicht doch nicht sein Vater ist. Po ist orientierungslos und unglücklich.

Der Dicke wird Drachenmeister

Noch unglücklicher ist nur Meister Shifu, als die weise, greise Schildkröte Oogway bestimmt, dass ausgerechnet Po der neue Drachenkämpfer wird - und damit Hüter der mysteriösesten und mächtigsten Geheimnisse des Kung-Fu. Shifus ergebene Schüler Mantis (Gottesanbeterin), Tigris (Tigerin), Monkey (Affe), Crane (Kranich) und Viper sind fassungslos. Jahrelang haben sie als die Furiosen Fünf, wie sie in Tälern und auf Bergen bekannt sind, trainiert und gehofft, einst selbst als Drachenmeister erwählt zu werden, nun gibt man einem fetten Panda den Vorzug. Vielleicht ein Zufall? "Es gibt keine Zufälle", raunt Oogway.

Nach einer Reihe von eher schwachen Animationsfilmen aus dem Hause Dreamworks wie etwa "Shrek der Dritte", "Ab durch die Hecke" und "Flutsch und weg" ist "Kung Fu Panda" wieder ein wunderbarer Spaß. Sorglos bedienen sich die Regisseure Mark Osborne und John Stevenson bei allen denkbaren Kung-Fu-Filmklischees, bauen mit dem "See der tausend Tränen" und dem "Aprikosenbaum der ewigen Erkenntnis" Orte in die Handlung ein, die mit fernöstlicher Weisheit geradezu gesättigt sind, und verwandeln Kampfstile kurzerhand in Charaktere. Von den Techniken Viper und Gottesanbeterin hat man vielleicht schon gehört, aber wer hat je eine Schlange Kung-Fu kämpfen sehen?

Sie trotzen der Schwerkraft

Auch die Dialoge sind prächtiger Kitsch ("Legenden erzählen von einem legendären Kämpfer, dessen Technik der Stoff von Legenden ist"), viele Szenen sind eine Verbeugung vor den Klassikern des Genres. Wenn die Furiosen Fünf im Tal des Friedens über die Dächer sprinten, zitiert "Kung Fu Panda" Ang Lees "Tiger and Dragon". Die ungezählten Stufen, die hoch hinauf zum Kung-Fu-Tempel führen, weisen den Weg zu Quentin Tarantinos "Kill Bill". Und der Kranich, der stets einen lustigen Reisbauernhut trägt, sucht wie der Held in "Karate Kid" in Kranich-Stellung seine innere Ruhe und Kraft.

Das Hauptmotiv des Films ist allerdings dem Hongkong-Klassiker "Enter The Fat Dragon" von Sammo Hung entlehnt, der in Deutschland Ende der siebziger Jahre unter dem erstklassigen Titel "Der kleine Dicke mit dem Superschlag" in den Kinos lief. Das Werk handelte von einer antriebsschwachen, übergewichtigen Küchenhilfe, die die chinesische Unterwelt mit einer Kombination aus Technik und roher Gewalt das Fürchten lehrt.


"Kung Fu Panda" kommt wie seine Vorlage ohne eine nennenswerte inhaltliche Überraschung oder einen dramaturgischen Kniff aus, doch was ist schon Dramaturgie, wenn die Kampfszenen überzeugen? Völlig losgelöst sausen Po und die Furiosen Fünf in großartig choreografierten Szenen durch die Luft, um den fiesen Schneetiger Tai Lung unschädlich zu machen, und trotzen dabei der Schwerkraft, wie es seit King Hus Klassiker "Ein Hauch von Zen" (1969) im Kung-Fu-Film Standard ist.

Die Liebe zum Details fehlt leider

Nur hinsichtlich der Animationskunst erreicht "Kung Fu Panda" den Standard leider nicht. Die Kulissen, die Felle, die Gesichter sind alle nicht so ausgearbeitet, wie man es sich angesichts der technischen Möglichkeiten wünscht. Die Gottesanbeterin Mantis muss ganz ohne Mimik auskommen, auch der Rest der Furiosen Fünf ist eher mangelhaft und flach animiert. Panda Po wirkt dank seiner Kulleraugen und des runden Gesichts zwar niedlich, doch man mag sich gar nicht vorstellen, mit wie viel Liebe zum Detail die Dreamworks-Konkurrenz von Pixar die Geschichte vom "Kung Fu Panda" umgesetzt hätte.

Um dieses Manko auszugleichen, setzt man bei Dreamworks meist auf prominente Stimmen. Für diesen Film konnte man unter anderem Jack Black, Dustin Hoffman und Angelina Jolie gewinnen. Dazu muss man sich allerdings die Originalversion anschauen.