Vergangenes Wochenende konnte ich in der Tiefebene zwischen Kreuzberg und Neukölln einige neue Hipsteraccessoires beobachten. Da war zum Beispiel: der Hashtag-Pullover. Ein schwarzes Sweatshirt mit lauter weißen #-Symbolen drauf. Modisch in derselben Liga spielte das Jutebeutel-Shirt, also ein T-Shirt, auf dem an der linken Seite ein Jutebeutel so aufgedruckt war, als würde der Träger diesen über der Schulter hängen haben. Ziemlich gut hat mir auch die iPhone-Handtasche gefallen, eine Handyhülle an einem langen Schulterriemen, mit dem man sein Telefon schräg umhängen kann. Und auch in Sachen Bart gibt es etwas Neues: den Nicht-Schnauzer. Hierbei handelt es sich um einen Vollbart, aus dem ein Schnauzbart herausrasiert wird.

Mensch, Berlin, so selbstironisch habe ich dich lange nicht erlebt. Doch leider wartet auch hier stets ein Spielverderber hinter der nächsten Ecke. Das ist sonnabendnachts nicht anders als im wahren Leben. Denn plötzlich hatte die Kneipe an der Weserstraße, in die wir früher einfach immer so reingestolpert sind, eine Türsteherin. Die uns kühl stoppte: „Sorry, aber wir haben gerade keinen Tisch mehr frei.“ Irritiert wichen wir zurück. Hatte sich die Bar vor Kurzem in ein Pop-up-Szene-Restaurant verwandelt, bei dem man fünfeinhalb Wochen vorher einen Tisch hätte reservieren müssen? So was passiert ja gern, wenn man mal nicht hinsieht. Aber nein, von außen sah alles immer noch nach Bar aus, nur dass niemand mehr rund um den Tresen stand, sich zum Barmann durchschieben und Bier und Gin Tonic durch die Menge balancieren musste. Alle hockten ordentlich platziert an ihren Tischchen.

Das Gute an einer Kneipenstraße ist ja aber, dass man einfach nach schräg gegenüber gehen kann. Und dort schien die Welt auch wieder in Ordnung, das heißt voll, aufgeladen, unübersichtlich, verraucht. Ein bisschen höhlenartig. Passend dazu: die frei gewordene Sofaecke. Das Glück währte jedoch nur kurz. Plötzlich stand eine junge Frau vor uns: Wir müssten da bitte mal aufstehen, sie habe das Sofa reserviert. Und tatsächlich, an der Kerze klebte ein entsprechendes Schild. Reservierungen für versoffene Nächte auf verranzten Sofaecken – das nennt man wohl Gentrifizierung des Kneipenprinzips.