Zwischenmenschlich

Berliner Auslaufflächen sind wie ein Småland für Hunde

Das eigentlich Gefährliche an Hunden in Parks sind die Leinen, findet Kolumnistin Jule Bleyer. Über die stolpert sie beim Joggen nämlich regelmäßig. Eine Leinenzwangslage, aus der es kaum ein Entkommen gibt.

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Bello-Dialog, Leinenzwang, Gassibeutel-Pflicht – diese Stadt ist ganz schön auf den Hund gekommen. Es versteht sich ja wohl von selbst, dass der Berliner Hundehalter darauf keinen Bock hat. Darum hat sich bereits eine neue Anti-Bewegung gebildet: aus denjenigen, die ihren Hund nicht mehr einfach nur halten, sondern ihn tragen.

Der Trendsetter wohnt bei mir um die Ecke, seit Monaten sehe ich ihn morgens mit seinem Mischling auf dem Arm zum Bäcker gehen. Anfangs habe ich mir noch Sorgen gemacht, dass dem armen Tier was zugestoßen ist und es deshalb nicht selbst laufen kann. Aber nein, als der Mann den Hund einmal zum Bezahlen absetzte, kamen sie zum Vorschein: vier gesunde Beinchen. Dennoch bietet das Tragen natürlich für alle Beteiligten nur Vorteile: Der Gehweg bleibt sauber, der Besitzer braucht keinen Hundeführerschein, sondern nur eine freie Hand, das Tier muss trotzdem nicht an die Leine und es kann niemanden beißen. Außer sein Herrchen.

Ich bin übrigens noch nie von einem Hund gebissen worden, obwohl ich seit Jahrzehnten durch die Parks dieser Republik jogge. Das Einzige, was mir in dieser Zeit jemals gefährlich wurde, waren nicht die Hunde, sondern die aus Sicherheitsgründen vorgeschriebenen Leinen. Über die bin ich nämlich schon mehrfach gestolpert, zuletzt kurz vor der Unterführung im Lietzenseepark. Anschließend lagen der Hund und ich auf der Schnauze, was mir dieser allerdings nicht übel genommen hat, ganz im Gegensatz zu seinem Herrchen. Hundebesitzer können in Leinenangelegenheiten derzeit wirklich zum Tier werden. Als Zweibeiner sollte man da lieber den Schwanz einziehen, sich selbst einen Maulkorb erteilen und gucken, dass man sich möglichst schnell aus dieser Leinenzwangslage befreit. Bevor einen noch der Gassibeutel trifft.

Aber ich verstehe das, diese Auslaufflächen in den Parks sind ja auch keine Alternative. Bei der im Volkspark Friedrichshain beispielsweise, so erzählte mir eine hundebesitzende Freundin, ginge es am Wochenende zu wie im Småland: Man gibt seinen Liebling an der Pforte ab, hofft, dass sich auf dem engen Raum alle vertragen und keiner anfängt zu heulen, und überall fliegen Bälle. Nur dass es am Ende keine Hotdogs gibt.