Sind Sie auch schon aufgeregt? Carrie kommt nach Berlin! Carrie? Ach, gucken Sie etwa keine Serien? Carrie Mathison, die CIA-Agentin aus „Homeland“, die normalerweise Terroristen durch Pakistan und den Iran jagt, und dabei ein Theaterstück allein durch ihre Mimik aufführen könnte.

Die kommende Staffel der wahnsinnig erfolgreichen US-Serie soll nun in der deutschen Hauptstadt gedreht werden, heißt es. CIA-technisch ein genialer Zug: Mit ihrer bipolaren Störung ist Carrie in weiten Teilen Berlins perfekt getarnt.

Wenn Carrie schorletrinkend Hipsterbärte beschattet

Blöd nur, dass sie in Staffel fünf gar keine Agentin mehr sein soll. Man stellt sich vor, wie sie fortan Bioweißweinschorle trinkend in einem Café in Mitte sitzt und hinter jedem vorbeikommenden Hipsterbart einen Selbstmordattentäter vermutet. In der zweiten Folge lässt sie dann Drohnen, die ein Kreuzberger Start-up entwickelt hat (das Bundesverteidigungsministerium hatte leider nichts Flugfähiges auf Lager), über den Görli kreisen und verschafft sich durch ein Tunnelsystem Zugang zur Gerhart-Hauptmann-Schule, die sie in ein Mutter-Kind-Heim umfunktioniert. In der letzten Folge kämpft Carrie wieder gegen den richtigen Terror: Der Zuschauer sieht sie durch die Entrauchungsschächte des BER klettern.

Ach, Berlin ist einfach die perfekte Kulisse. Manche Ecken sieht man ja öfter im Kino als in echt. Ein Kollege von mir erzählte neulich von einem Spaziergang mit seiner Nichte. „Das hier kenne ich“, habe die Kleine gerufen, „das war neulich bei Berlin Tag & Nacht!“ Unsere Kinder müssen also gar nicht mehr rausgehen, sie lernen die Stadt auf RTL II kennen.

Ich empfehle in dieser Hinsicht die vor Jahren im ZDF ausgestrahlte Krimiserie „KDD – Kriminaldauerdienst“. Es geht darin um eine Kreuzberger Polizeieinheit, die aus ausnahmslos problembehafteten Charakteren besteht und in den mit Abstand hässlichsten Ecken der Stadt spielt. Leider ließen die Zuschauerzahlen zu wünschen übrig, weshalb der Autor resümierte, der Plot sei wohl doch „zu komplex, zu schnell, zu verwirrend, zu düster und zu unmoralisch“ gewesen. Man könnte auch sagen: zu Berlin.

Ich habe KDD unlängst auf DVD geguckt, und es hat mir gut gefallen. Denn wenn ich danach auf die Straße gegangen bin, kam mir die Stadt gleich viel schöner und die Menschen viel normaler vor. Das ist dann das echte „Verliebt in Berlin“.