In Berlin ist ja jeden Tag Fashion Week. Jedenfalls in Mitte. Dass in diesen Tagen aber ausgerechnet am Brandenburger Tor Laufstege aufgebaut sind, passt irgendwie nicht ins Bild. Geht der Trend an diesem Touristen-Hotspot doch normalerweise zu Allwetterjacken in Türkis und Beige, ausgeleierten Rucksäcken, Treckingschuhen und ab Frühjahr wieder den Dreiviertelhosen.
Dann doch lieber wieder Wedding, so wie im vergangenen Jahr. Jogginghosen und Adiletten sind schließlich längst laufstegtauglich. So gibt es im Bikini Haus tatsächlich einen Laden, der ausschließlich Trainingsanzüge verkauft, und zwar als Ganzkörpermodell. Das Ganze trägt den schicken Namen „One Piece Jumpsuit“, dahinter verbirgt sich schlicht ein an die Jogginghose genähter Kapuzenpulli, verbunden durch einen enormem Reißverschluss an der Vorderseite. Erwachsene Menschen sehen darin aus wie Riesenbabys, die gerade in die Windel gemacht haben. Der Laden brummt.
Wenn wir Sebastian Schettler vom Label Zukker aus Halle (Saale) glauben können, wird sich das in absehbarer Zeit auch nicht ändern. „Es bleibt sportlich“, soll er im Vorfeld der Fashion Week prophezeit haben. Mut macht auch Designerin Esther Perbandt, die nach eigenen Angaben nichts auf aktuelle Trends gibt: Sie trägt seit sieben Jahren nur Schwarz. Und auch das Credo des Berliner Modeduos Kaviar Gauche bringt wohl keine modische Rettung. Ihre Trendaussichten für die kommende Saison: „Richtig kombiniert geht alles.“ Danke, die Damen, eine große Hilfe.
Zum Glück gibt es ja noch Udo Walz. Unser liebster Promi-Friseur stellt auf der Modewoche eine Kamm- und Bürstenkollektion vor. Sie dürfen also guten Gewissens Haar tragen. Ach, und noch etwas: Designerin Aleks Kurkowski plädiert dafür, „kommerzielle Daunenjacken und Mäntel“ im Schrank zu lassen. Vermutlich habe ich deshalb neulich jemanden bei drei Grad mit nacktem Oberkörper durch Charlottenburg laufen sehen. Vielleicht kann man den „No Pants Subway Ride“ von vergangener Woche, bei dem Menschen ohne Hose in der U-Bahn sitzen, aufs ganze Jahr ausweiten. Dann hätte man zumindest das Problem mit den Dreiviertelhosen gelöst.




