Morgen und übermorgen noch, dann wars das endlich mit den Feiertagen für dieses Jahr. Ab Freitag haben die Geschäfte dann wieder normal auf und sind nicht ständig verrammelt. Das reichte jetzt auch wirklich. Tagelang zu Hause sitzen, Bücher lesen, sich unterhalten und Spazierengehen, aber nirgendwo shoppen gehen können. Das ist ja auch einfach die Hölle.
Zum Glück gibt es in Berlin ja aber für jedes Problem eine Lösung. In diesem Fall war es der Verbrauchermarkt Ullrich am Bahnhof Zoo, der auch sonn- und feiertags auf hat. Das Ding ist so groß wie eine komplette Bahnhofshalle, und Sie können sich nicht vorstellen, was dort am zweiten Weihnachtstag los war. Kassenschlangen bis zu den Gemüseregalen. Und was die Menschen alles gekauft haben: Fleischberge, Nudelpackungen, Weinflaschen – als hätte es die Tage vorher nichts zu essen gegeben.
Ausgehungerte Kunden
Ähnliche Bilder hat es vergangenen Sonntag auch an der Friedrichstraße gegeben. Der Ansturm auf den dortigen Supermarkt war am Abend so groß, dass Sicherheitskräfte den Eingang bewachen und den Zutritt beschränken mussten. Viele der ausgehungerten Kunden waren zwar vermutlich Heimatbesuchsrückkehrer, die in Berlin einen leeren Kühlschrank zurückgelassen hatten – dennoch, einen Supermarkt mit Türsteher, so was gibt es wohl nur hier.
Viel schlimmer als hungern zu müssen ist es aber natürlich, keine DVDs, Computerspiele und Klamotten kaufen zu können. So waren die Einkaufstraßen am Sonnabend, dem ersten verkaufsoffenen Tag nach Weihnachten, selbstverständlich rappelvoll – der Berliner bekommt traditionell ja vor allem Gutscheine unter den Baum gelegt, die umgehend und wenn nötig unter härtestem körperlichem Drängeleinsatz eingelöst werden müssen. Die Konsumsüchtigen haben die Kassen an diesem Tag dermaßen zum Klingeln gebracht, dass bei Primark im Schloss-Straßen-Center in Steglitz (das ist der Laden, in dem es T-Shirts für sechs und Hosen für zehn Euro gibt) die gesamte Kassenanlage den Geist aufgegeben hat. Nichts ging dort mehr, alle mussten ihre Tüten im Laden lassen.
In der Weihnachtszeit geschehen eben noch Zeichen und Wunder. Selbst in Berlin.





