Prenzlauer Berg ist, wenn die Cafés „Liebling“ und „Zuckerfee“ heißen, und die Kinderläden „Mia Mohnstreusel“ und „Lila Lämmchen“. Wenn man an jeder Ecke einen Bekannten trifft und trotzdem alles andere als auf dem Dorf ist. Wenn Kinder in der Weitsprunggrube am Jahn-Sportpark buddeln, während ihre Eltern Runden laufen.
Wenn eine Mutter mit ihrem dauerplärrenden Baby auf eine Freundin wartet, und dann zu dieser sagt: „Also, bis du gekommen bist, war er ganz friedlich.“ Wenn Twentysomethings lieber Clubmate trinkend irgendwo abhängen, als zur Uni zu fahren. Wenn Ampellichter mit Schablonen beklebt sind und in Herzform leuchten.
Wenn das Fixie der neue Jutebeutel ist. Wenn du überall Stuck siehst. Wenn die Besoffenen auf den Tischtennisplatten am „Helmi“ ein Nickerchen halten. Wenn Berliner Bekannte die Nase rümpfen, wenn sie hören, dass du da wohnst. Wenn Berliner Bekannte neidisch gucken, wenn sie hören, dass du dort eine Wohnung bekommen hast.
Wenn Bekannte aus anderen Städten sofort ein Klischee im Kopf haben („Ach, da wohnst du, war ja klar“). Wenn es gar nicht mehr auffällt, ob jemand Englisch oder Deutsch spricht. Wenn es gar nicht mehr auffällt, ob jemand Englisch oder Spanisch spricht. Wenn der Späti-Verkäufer nach zwei Wochen, die du mal nicht bei ihm warst, denkt, du seist längst weggezogen.
Wenn du alle paar Tage denkst: Okay, so ein verrücktes Outfit hab ich noch nie gesehen. Wenn du alle paar Tage den Drang verspürst, dir ein neues Outfit zu kaufen. Wenn es in jeden anderen Kiez ’ne halbe Weltreise ist. Wenn man sich fragt, wie diese ganzen kleinen Cafés eigentlich überleben.
Wenn du über den Kollwitzplatz die Nase rümpfst, aber insgeheim hoffst, dort irgendwann mal eine Wohnung zu finden. Wenn du jeden Montag denkst: Warum muss ICH jetzt eigentlich ins Büro?
Wenn du darüber nachdenkst, dich doch noch tätowieren zu lassen. Wenn man kein Haus mit Garten braucht, um glückliche Kinder groß zu ziehen. Wenn eine Gruppe junger Leute auf ihren Iphones fieberhaft nach dem Weg zur Kulturbrauerei sucht, obwohl sie direkt davor stehen.
Prenzlauer Berg ist, wenn man eigentlich nie dorthin ziehen wollte – der Abschiedsschmerz aber umso größer ist.


