An der Eberswalder Straße steigt ein Vater mit seiner Tochter in die U-Bahn. Die Kleine, irgendwas zwischen zwei und drei Jahre, spielt mit dem iPad. Genau erkennen kann man das Spiel nicht, aber es geht um Gegenstände, die man weiterschieben und anklicken kann, und die Kleine klickt, doch da sind Ketten und Vorhängeschlösser um die Gegenstände.

„Papa, kaufen“, sagt das blondgelockte Kind, doch nichts tut sich. Das Schloss bleibt zu. Sie drückt auf das nächste. „Kaufen, Papa, kaufen!“ „Das kannst du nicht kaufen, Schatz“, antwortet der Papa. „Du hast nicht genug Geld.“ Die Kleine macht große Augen. Sie guckt ihren Vater an. Dann wandert der Blick wieder zum iPad. „Kaufen!“ Ihr Papa versucht es noch einmal anders: „Mein Schatz, du hast doch schon ganz viel gekauft. Willst du dein Geld nicht lieber sparen?“

Ja, was soll eine Zweieinhalbjährige auf so eine Frage antworten? In der Welt der iPad-Erziehung vermutlich etwas wie: „Klar, Papa, jetzt wo du es sagst, natürlich spare ich das Geld lieber, lauter Gegenstände zu besitzen, macht eh nicht glücklich, und dann hab ich mehr im Alter, in der Kita machen wir uns ja auch schon alle Sorgen um unsere Rente.“

Kleinkinder und Tablets, das ist halt so eine Sache. Ein anderer Vater, der mit seinem Sohn in die Bahn steigt, behält das Gerät auch lieber bei sich. Und während sein Sprössling gelangweilt in die Gegend guckt, dreht und wendet er es unter vollem Körpereinsatz, um ein Auto durch eine Landschaft zu steuern. So geht das von Senefelderplatz bis Märkisches Museum, aber zumindest kann man dem Vater nicht vorwerfen, er würde sich mehr mit seinem Smartphone beschäftigen als mit seinem Sohn. Das hat er in der Tasche gelassen.

Die gute Nachricht lautet aber: Es gibt auch Eltern, die ihren Kindern etwas vom Tablet vorlesen. So wie die junge Mutter, die ebenfalls in der U2 zu beobachten ist. Sie und ihr Sohn sitzen einträchtig über das Gerät gebeugt, es geht um wilde Tiere, die auch auf dem Display erscheinen und Geräusche machen, wenn man sie berührt. An der nächsten Haltestelle kommt ein Mann mit seinem Hund rein, und obwohl der keine Geräusche macht, sind die digitalen Tiere vergessen. „Mama, ein Hund“, ruft der kleine Junge aufgeregt. So viel Begeisterung kann man mit keinem iPad kaufen.