Hallo! Willkommen in diesem Text! Wie schön, dass Sie reinlesen! Was darf ich Ihnen denn erzählen? Eine Kolumne? Da sind Sie hier GENAU richtig! Ich hätte da meinen Besuch neulich im Karl-Lagerfeld-Store in Mitte im Angebot.
Kaum war ich durch die Tür getreten, wurde ich von einem Mitarbeiter empfangen, und zwar überschwänglich: „Hallo! Willkommen bei Karl! Wie schön, dass Du hier bist! Was kann ich für Dich tun?“ Für jemanden, der beim Shoppen in der Regel frühestens an der Kasse auf den ersten, müde nickenden Verkäufer trifft, eine, sagen wir mal, interessante Einkaufserfahrung.
Doch natürlich liegt Karl mit seiner Kunden-Willkommenskultur voll im Trend. Eine Freundin erzählte mir vor Kurzem von ihrem Besuch in einem Seifenladen (warum man in einen Seifenladen geht, ist eine andere Geschichte), in dem sie ähnlich euphorisch empfangen wurde. „Haaaaalo, ich bin Björn! Wie geht es Dir heute? Was darf ich Dir denn Schönes zeigen? Ach, eine Seife suchst Du? Dann hab ich GENAU das Richtige für Dich. Magst Du hier mal schnuppern?“
Am Ende hatte der Verkäufer sie derart eingeseift und mit Düften benebelt, dass sie sich zu Hause mit einem ganzen Korb an Seifenstücken wieder fand – ohne zu wissen, wie sie zurückgekommen war. Ich glaube, sie ist heute noch traumatisiert. Trotzdem scheint sich dieses Aufmerksamkeitsüberschuss-Syndrom der Verkäufer rasant zu verbreiten.
Als nächstes, habe ich gehört, ist der öffentliche Dienst dran („Willkommen im Jobcenter, ich bin Rüdiger, und ich habe hier GENAU die richtigen Anträge für Dich! Magst Du vielleicht etwas ausfüllen?“).
Am besten hat dieses Begrüßungsritual aber die Firma mit dem angebissenen Apfel drauf. Dort sind Jenny, Phil und Kai deine besten Freunde – bis du ihnen beichtest, dass du nicht da bist, um das neueste Telefon zu erwerben, sondern weil dein gerade gekaufter Laptop kaputt ist.
Dann guckt Jenny einen plötzlich an, als hätte man mit ihrem Freund geschlafen, und Phil erklärt schlecht gelaunt, dass man damit nicht einfach vorbeikommen könne, ohne Termin. Den man selbstverständlich nicht bei ihm bekommt – Termine gibt es nur online. Nein, da kann er nichts tun, auf Wiedersehen. Und Sie verlassen jetzt bitte sofort diesen Text. Aber zackig.




