Der ausgewachsene Berliner Mann ist schon ein Phänomen. Zwei Meter groß, einen Meter breit, Tätowierung am Hals steht er da vor der Bäckereifachverkäuferin und bestellt: einen großen Kakao. Zum Mitnehmen. Mit extra Schokopulver oben drauf.
Ich glaube, vorher hat er sich noch einen Zimtolino einpacken lassen, die liegen immer gleich neben dem Schokowuppi. Dann geht er, der Berliner Bär mit dem Stiernacken, mit einem lauten „Tschüssi!“ Tschüssi, das ist zweifellos der Zimtolino unter den Verabschiedungen.
Ich habe dieses Wort in Berlin zwar schon Tausende Male gehört, doch es ist ein bisschen wie mit Sächsisch: Man kennt den Klang, aber man erschrickt jedes Mal wieder.
Einwanderung von der Weser
Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich hier ansonsten kaum noch Dialekt höre. Und ich habe auch eine Vermutung, woran das liegt: Bremen. Also an den Bremern, die auf einmal Berlin bevölkern.
Schwaben, Spanier und Südafrikaner waren gestern, die Einwanderungswelle kommt jetzt von der Weser. Und die Bremer geben sich nicht damit zufrieden, ein bis zwei Spielplätze, eine Hand voll Kreuzberger Wohnzimmerbars, den ein oder anderen Platz und eine Schule zu besetzen. Die Wilde 13 in Friedrichshain und das Alois S. in Prenzlauer Berg als öffentliche Treffpunkte sind ja nur ein Ablenkungsmanöver; getarnt hinter ihrem Hochdeutsch sind sie mittlerweile überall.
Mit einem lauten „Tschüssi“ Bremer in die Flucht schlagen
Neulich in einer Kneipe an der Lenaustraße: lauter Bremer. Der Kunde beim Friseur in Prenzlauer Berg auf dem Stuhl neben mir: Bremer. In der Umkleidekabine an der Friedrichstraße: zwei Bremerinnen. So geht das weiter, am Geldautomaten, in der Schlange im Biosupermarkt, hinter der Kasse im Biosupermarkt. Auch hier im Büro, nur zwei Stockwerke tiefer.
Ich bin ja ein Verfechter des reinen Zufalls, aber diese Invasion ist eindeutig. Selbst im Berliner Fenster in der U-Bahn lief neulich Werbung für ein Werder-Buch. Wie gut, dass eine Bekannte von mir vor Kurzem von Berlin nach Bremen gezogen ist. Sie kann uns warnen, wenn das lütte B. die vollständige Übernahme des dicken B.s plant. Dann werden wir sie mit einem lauten „Tschüssi“ in die Flucht schlagen. Solange heißt es abwarten und Kakao trinken.





