Man muss kein Hellseher sein, um vorauszusagen, dass am Wochenende im Velodrom Tränen fließen werden. Die Grünen haben die Arena angemietet, um dort eine Claudia-Roth-Abschiedsparty zu feiern. Der Andrang ist groß, die reservierten Zimmer im „Park Plaza“ für die aus ganz Deutschland anreisenden Delegierten sind ausgebucht.
Nachzüglern empfehlen die Organisatoren Schlafplätze in den Mehrbettzimmern des mit Vorliebe von Schulklassen angesteuerten „Generator“-Hostels an der Storkower Straße – Ohropax für die Nacht kann da nicht schaden. Die Frau, deren Meinungen man nicht teilen muss, um sie sympathisch zu finden, ist eben ein politischer Star. Da werden auch Strapazen in Kauf genommen.
Die Nachfolgerin wird es schwer haben
Die dagegen noch unbekannte Saarländerin Simone Peter, die sich zur Nachfolgerin wählen lassen will, wird Mühe haben, so einen Kultstatus zu erlangen. Roths Erfolg hat bei allem Nervpotenzial, über das sie fraglos auch verfügt, mit Authentizität, Integrität und Fleiß zu tun. Eine Mischung, die auch bei Konservativen wie Bayerns Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) ankommt, der mit Roth seit Jahren befreundet ist und sie stets lobt.
So würde man sich nicht mal mehr wundern, wenn er im Velodrom überraschend ein Grußwort hielte und nachher auf der Gästecouch in der Charlottenburger Wohnung seiner „lieben Claudi“ übernachtete.
Auf menschlicher Ebene hat Claudia Roth (die sich auch nicht scheute, Unionsfraktionschef Volker Kauder vor laufenden Kameras an dessen Geburtstag um den Hals zu fallen) also einiges für das neue schwarz-grüne Tauwetter getan – obwohl sie der Kombi politisch nichts abgewinnen konnte.





