Der Senator für Verbraucherschutz hat vergangene Woche eine Kampagne gegen die Verschwendung von Lebensmitteln gestartet. „In den Topf statt in die Tonne“, lautet das Motto, ebenso simpel wie die Idee dahinter. Ja, den Käse kann man noch essen, auch wenn der Rand schon ein wenig trocken ist. Und Pasta schmeckt in der Pfanne aufgewärmt am nächsten Tag eh am besten.

Also gibt es in Berlin jetzt Restaurants, die günstige „Restemenüs“ anbieten – gekocht wird mit dem, was noch übrig ist. Also mal wirklich wie bei Muddern.

Dass Essen nicht zwangsläufig in die Tonne muss, ist natürlich nicht Thomas Heilmanns Idee. In Berlin sind einige schon längst weiter. Die Macher von Second Bäck an der Raumerstraße in Prenzlauer Berg zum Beispiel. Die kaufen das nicht verkaufte Brot anderer Bäckereien und bieten es am nächsten Tag zum halben Preis an. Clevere Geschäftsidee, die man im Gegensatz zu den verschwurbelten Konzepten einiger Kreuzberger Hinterhof-Start-ups sofort kapiert und bei der alle gewinnen. Und welcher Ladenbesitzer schafft es schon, dass ausgerechnet die BSR ein Werbevideo für ihn dreht?

Der Kioskbetreiber am U-Bahnhof Spittelmarkt ist da allerdings noch ein ganzes Stück selbstloser, er legt abends immer die restlichen belegten Brötchen draußen auf den Tresen. Für die, die kein Geld hatten, sich tagsüber eines zu kaufen.

Eine Bäckerei an der Schöneberger Akazienstraße macht das auch, allerdings sind es dort keine Bedürftigen, die sich über ein kostenloses Brot freuen, sondern seltsamerweise Menschen, die man sonst eigentlich im gut sortierten Biomarkt trifft. Zum Teil stehen die dort schon 20 Minuten vor Ladenschluss, um sich dann auf das Drei-Kilo-Dinkelroggenmischbrot zu stürzen. An dem Beigeschmack ihrer Abgreifmentalität stören sie sich anscheinend nicht. Wahrscheinlich schmeißen sie dann auch noch die Hälfte weg, wenn sie ihnen zu hart geworden ist.

Vielleicht tue ich den Menschen aber auch Unrecht, und sie tragen das Brot nach Hause, um es dort mit dem noch tadellosen Käse zu belegen und dann an der nächsten Ecke an Obdachlose zu verteilen. Ich vermute aber, es läuft eher nach dem Motto: in die eigene Tasche statt zur Tafel.