Wer seinen Sommerurlaub auf einer großen Baleareninsel verbringt, darf sich nicht wundern, wenn er dort auf Landsleute trifft. Das ist auch eigentlich kein Problem, wenn man sich nicht ständig in der Fremde heimatschämen müsste.

Beim Einkauf steht da dieser Pfälzer Trampel vor einem, der „Ey Chef, was koschd’n die Chips?“ in Richtung des spanischen Kassierers ruft, und, als der nur fragend guckt, das Ganze wiederholt, wieder auf Pfälzisch, nur noch lauter.

Und warum müssen der kleine Niels und seine Eltern unterm FC-Bayern-Sonnenschirm krakeelend den ganzen Strand auf Trab halten („Niels, nein, du bist nicht eingecremt, nein, nicht ins Wasser, nein, nicht auf das Handtuch, zieh die nasse Badehose aus, wenn du nicht gleich ruhig bist, fahren wir nach Hause!“), während sämtliche Spanier friedlich neben der Kühlbox sitzen und ihren Kindern beim Sandburgenbauen zugucken?

Im Urlaub der Peinlichkeit einer ganzen Republik begegnet

Später ist es der Autofahrer mit Kölner Kennzeichen, der nicht weiß, wie Kreisverkehr geht, oder mit seinem penetranten Hupen einfach einem inneren Drang nachgibt. So geht das bis zum Abreisetag, an dem man Zeuge wird, wie der sonst zurückhaltende Hamburger angesichts der Verspätung seines Fluges jegliche Contenance verliert und die arme Frau am Schalter vollpöbelt.

Plötzlich fällt einem auf: Man ist im Urlaub der Peinlichkeit einer ganzen Republik begegnet – außer ihrer Berliner Ausprägung. Dabei hätte der spezielle Hauptstadt-Charme in jede dieser Szenen gepasst. Mit diesen Gedanken zieht man seinen Koffer hinter sich her, über den Fuß eines Berliner Mitreisenden. Und was macht der? Hebt die Hände und – entschuldigt sich. Manchmal doch schön, einen Landsmann zu treffen.