Neulich habe ich etwas gemacht, wofür ich mich im Nachhinein schäme. Ich bin in einen Laden gegangen, habe dort eine Jacke anprobiert – und sie mir später günstiger im Internet bestellt. Für meinen Beitrag zum Einzelhandelssterben habe ich aber auch prompt Lehrgeld gezahlt.

Ich war nämlich so schlau, die Jacke bei einem Anbieter in der Schweiz zu bestellen. Eine Woche später kam statt des Päckchens Post vom Zollamt Schöneberg. Das entspannte Onlineshopping vom Sofa aus endete in einer Warteschlange in einem 60er-Jahre-Bungalowbau im Schatten des Stadtrings, länger als vor jeder H-&-M-Umkleidekabine.

Die Glücksfee spielt ein bärtiger Zollbeamte

Warten ist ja sowieso der natürliche Todfeind des Menschen. Vor allem, wenn er darauf wartet, dass seine Wartenummer aufgerufen wird. Auf dem Schöneberger Amt aber wird einem die Wartezeit durch ein Glücksspiel verkürzt. Die Wartenummern werden dort nämlich nicht der Reihenfolge nach, sondern wild durcheinander aufgerufen. Jeder guckt also gebannt auf seine Losnummer, es herrscht eine Stimmung wie beim Bingo-Abend.

Die Glücksfee spielt ein bärtiger Zollbeamte, der den Unverzollten zusätzlich zur Wartenummer noch ein paar Spielregeln mitgibt: „Lutschtabak ist eine Droge, die dürfen Sie gar nicht kaufen. Sie können jetzt zugeben, dass Sie das Paket bestellt haben oder es abstreiten. Ich persönlich würde Tor zwei nehmen“ – „Sie haben also einen Teppich bestellt. Dann machen Sie das besser nicht so wie Dirk Niebel“ – „Nein, Südkorea gehört noch nicht zur EU.“

Meine Jacke war dann mit Gebühr fast so teuer wie im Laden. Im Schöneberger Zollamt würde ich aber jederzeit wieder einkaufen.